Groko-Sondierungen Nach 24-Stunden-Beratungen – Chefs erzielen offenbar Durchbruch

Im Verhandlungs-Marathon von CDU, CSU und SPD bahnt sich ein Ende an. Die Partei- und Fraktionsspitzen sollen bei ihren Sondierungen über eine Fortsetzung der Großen Koalition einen Durchbruch erzielt.
Update: 12.01.2018 - 08:39 Uhr 2 Kommentare

Nach über 20 Stunden: Kein Ende der Sondierung in Sicht

Nach über 20 Stunden: Kein Ende der Sondierung in Sicht

BerlinBis in die Morgenstunden ringen die Unterhändler von Union und SPD noch um ein tragfähiges Gesamtergebnis ihrer Regierungssondierungen. Kurz nach 8:30 Uhr meldet die Deutsche Presse-Agentur, dass die Partei- und Fraktionsspitzen von CDU, CSU und SPD bei ihren Sondierungen über eine Fortsetzung der Großen Koalition einen Durchbruch erzielt hätten. Eine endgültige Einigung der Sondierer hänge aber noch von der Zustimmung beider Sondierungsgruppen ab.

Strittig sind bis zuletzt Fragen der Finanz- und der Flüchtlingspolitik. Aber auch bei Themen wie Rente und Gesundheit hakte es.

Der letzte Akt der Verhandlungen war da schon mehr als 24 Stunden alt. Das ist wohl auch für CDU-Chefin Angela Merkel rekordverdächtig. In jedem Fall ist es weit länger als in den Gesprächen über die Krisen in der Ukraine und in Griechenland. Immer wieder wurde während der Nacht der Verhandlungsmodus zwischen kleinen Sechser-Runden aller Seiten, Absprachen in getrennten Beratungen und Rückkopplungs-Sitzungen in großer Runde gewechselt. Ein Scheitern der Sondierungen war bis zuletzt nicht ausgeschlossen worden, ebenso wie eine Vertagung.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Chef Martin Schulz hatten am Donnerstagvormittag vor der voraussichtlich letzten Sondierungsrunde in Berlin den Willen zur Einigung bekräftigt. Zugleich war aber klar, dass noch „große Brocken“ aus dem Weg geräumt werden mussten.

Dem Vernehmen nach wurde viele Stunden um die Finanzierung verschiedener kostspieliger Projekte in der Steuer-, Sozial- und Gesundheitspolitik gerungen. Nachdem immer wieder ein finanzieller Spielraum von 45 Milliarden Euro für eine künftige Regierung genannt worden war, summierten sich die Kosten für die in den Arbeitsgruppen ausgearbeiteten Einzelvorhaben noch am Donnerstagmorgen auf rund das Doppelte.

Darunter waren Vorschläge wie die Einführung einer solidarischen Lebensleistungsrente, mit der die Renten von langjährigen Geringverdienern aufgebessert werden könnten. Außerdem ging es um eine zusätzliche Unterstützung der Kommunen im zweistelligen Milliardenbereich.

Schwierig waren die Gespräche auch im Zusammenhang mit der SPD-Forderung nach einer Anhebung des Spitzensteuersatzes von 42 auf 45 Prozent. Wenn diese Anhebung linear erfolgt, könnte dies auch niedrigere Einkommen treffen. Der Union sei es im Gegenzug wichtig, beim Abbau des Solidaritätszuschlages voranzukommen, hieß es.

Zugleich pochte die Union nach diesen Informationen auch angesichts der sprudelnden Steuereinnahmen auf die „schwarze Null“ im Haushalt - also den Verzicht auf neue Schulden.

Die Verhandlungen wechselten zwischen Sitzungen von Arbeitsgruppen, Sechser-Runden der Partei- und Fraktionschefs, getrennten Beratungen der einzelnen Seiten und der großen Gruppe der Unterhändler. Spätestens am Freitagmorgen wollten Merkel und Schulz ihren Gremien ein Ergebnis vorlegen. Die Berliner CSU-Landesgruppe wollte am Vormittag zu einer Sitzung zusammenkommen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erinnerte die Unterhändler an ihre Verantwortung. CDU, CSU und SPD seien nicht nur ihren Parteien und der eigenen politischen Zukunft verpflichtet, sondern hätten auch große Verantwortung für Europa und die internationale Politik, mahnte das Staatsoberhaupt beim Neujahrsempfang für das Diplomatische Korps.

Schulz rückte zum Auftakt der Gespräche auch die Europapolitik in den Mittelpunkt. „Wenn wir in eine solche Regierung eintreten, dann unter der Bedingung, dass sie Europa stark macht“, sagte er vor der SPD-Zentrale, wo die entscheidende Runde stattfand. Schulz zeigte sich ebenso Merkel zuversichtlich, dass die Gespräche erfolgreich abgeschlossen werden könnten.

Als entscheidend galt, ob die Sozialdemokraten etwa bei den aus ihrer Sicht zentralen Gerechtigkeitsthemen ausreichende Verhandlungserfolge erzielen könnten. Die SPD-Spitze braucht nach ihrem Wahldebakel bei der Bundestagswahl für den Eintritt in Koalitionsverhandlungen die Zustimmung eines Parteitags, der am 21. Januar in Bonn stattfinden soll und als große Hürde gilt.

Die Jusos wollen Widerstand gegen eine Neuauflage der großen Koalition mobilisieren. Juso-Chef Kevin Kühnert will dafür unter anderem durch mehrere SPD-Landesverbände touren, wie er der dpa sagte.

Ein SPD-Projekt ist eine einheitliche gesetzliche Bürgerversicherung im Gesundheitssystem. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sagte auf die Frage, ob die SPD daran festhalte: „Wir kämpfen bis zum Schluss, das ist ja ganz klar.“ Die Union lehnt eine Bürgerversicherung ab.

Unter anderem beim Unkrautgift Glyphosat, das für Ärger in der bisherigen großen Koalition gesorgt hatte, haben Union und SPD bereits eine gemeinsame Position gefunden. Einig sind sich die Sondierer auch darin, Diesel-Fahrverbote vermeiden und generell Luftverschmutzung durch Autoabgase senken zu wollen. Das nur noch schwer erreichbare deutsche Klimaschutz für 2020 soll aufgegeben werden.

„Viele sind auf Distanz zu Merkel gegangen“

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  • dpa
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2 Kommentare zu "Groko-Sondierungen: Nach 24-Stunden-Beratungen – Chefs erzielen offenbar Durchbruch"

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  • Es ist für mich nicht nachzuvollziehen, das die wichtigsten Punkte " Finanzen und Flüchtlinge "
    erst in den letzten Stunden verhandelt wurde. Das Ergebnis spricht Bände !! Hoffentlich sehen
    das die Genossen der SPD auf ihrem Parteitag genau so. Für solche Sondierungen benötigt man
    keine 5 Tage.., fünf Stunden wären angemessen. Aber in der Politik ticken die Uhren anders, das
    ist ja bekannt. Somit haben Seehofer, Schulz und Merkel keine Geschichte geschrieben, sondern
    sondern sich nur ihren Job gerettet..., ich plädiere für Neuwahlen, ohne diese DREI

  • Ich möchte drei Sätze aus diesem Artikel aufführen:

    1. Da ist der letzte Verhandlungstag dauert schon mehr als 24 Stunden alt.
    2. Schulz zeigte sich ebenso Merkel zuversichtlich, dass die Gespräche erfolgreich abgeschlossen werden könnten.
    3. Das nur noch schwer erreichbare deutsche Klimaschutz für 2020 soll aufgegeben werden.

    Ich möchte den Verfasser an dieser Stelle nicht unnötig kritisieren und habe volles Verständnis für Fehler. Diese häufen sich, wenn die Konzentration verloren geht. Nach 24 Stunden auch absolut nachvollziehbar. Nicht nachvollziehbar für mich ist, wenn die von uns gewählten Volksvertreter solche Sitzungen durchziehen und in wahrscheinlich sehr unkonzentrierter Verfassung über unsere Zukunft entscheiden. Wenn ich lese, dass zuletzt die Themen Finanzen und Flüchtlinge auf der Agenda standen, frage ich mich, mit welcher Priorität in der Politik gearbeitet wird. Ich habe gelernt, dass vorneweg die schwierigen Aufgaben zu lösen sind und nachher, wenn die Energie schon nachlässt, die leichteren Aufgaben abgearbeitet werden. Generell stellt sich für mich die Frage, ob wir zukünftig noch immer so einen großen Regierungsapparat brauchen. Unserem Land geht es trotz fehlender Klarheit in der Politik sehr gut. Das gibt mir sehr zu denken. Brauchen wir die Politik in der bisherigen Form überhaupt noch? Manchmal ist weniger definitiv mehr.

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