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Großbritannien: Drei Festnahmen im Pferdefleisch-Skandal

In Großbritannien sind im Zusammenhang mit dem Pferdefleisch-Skandal drei Männer festgenommen worden. Sie stehen unter Betrugsverdacht. Politiker wollen hart gegen die „brutale Verbrauchertäuschung“ vorgehen.

Unter Verdacht: Lasagne. Quelle: dpa
Unter Verdacht: Lasagne. Quelle: dpa

London/Berlin/ParisIm Skandal um falsch deklarierte und mit Pferdefleisch versetzte Rindfleischprodukte sind in Großbritannien insgesamt drei Männer festgenommen worden. Sie stünden im Verdacht, Betrug in Zusammenhang mit Lebensmitteln begangen zu haben, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag in Wales.

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Zwei der drei Verdächtigen seien in einem Fleischverarbeitungsbetrieb in Südwest-Wales festgenommen worden. Es handele sich um zwei Männer im Alter von 42 und 64 Jahren. Der dritte Mann im Alter von 63 Jahren sei in einem Fleischbetrieb in der englischen Grafschaft West Yorkshire festgenommen worden.

Beide Betriebe waren am vergangenen Dienstag bereits bei einer Razzia von der Polizei durchsucht worden. Sowohl Fleisch als auch Papiere wurden sichergestellt. Die britische Lebensmittelaufsicht FSA stellte den Betrieb vorübergehend ein.

Tests der britischen Lebensmittelaufsicht haben derweil ergeben, dass Fleisch von drei mit dem Medikament Phenylbutazon gespritzten Pferden wohl in die Nahrungskette geraten ist. Das in der Tiermedizin zu therapeutischen Zwecken verwendete Phenylbutazon weise für Menschen nur ein geringes gesundheitliches Risiko auf, hieß es in London.

In Frankreich ist die Firma Spanghero ins Visier der Regierung geraten. Das Unternehmen habe Pferdefleisch wissentlich als Rindfleisch verkauft, sagte Verbraucherschutzminister Benoit Hamon am Donnerstag. Es gebe starke Verdachtsmomente gegen den Fleischverarbeiter. Dieser habe das Fleisch als Erster fälschlich als Rind deklariert. „Die Untersuchung zeigt, dass Spanghero bekannt war, dass das als Rind deklarierte Fleisch vom Pferden stammen könnte." Die Pariser Regierung erwägt nach den Angaben von Landwirtschaftsminister Stephane Le Foll nun, der Firma die Betriebserlaubnis zu entziehen.

Spanghero wies die Anschuldigungen umgehend zurück: Das Unternehmen habe das Fleisch in dem Glauben verkauft, es handele sich um Rind, hieß es in einer E-Mail des Unternehmens aus dem südwestfranzösischen Castelnaudary.

Im Pferdefleisch-Skandal fordern Politiker von Koalition und Opposition umfassende Konsequenzen. „Um solche Fälle von Verbrauchertäuschung zu vermeiden, brauchen wir nicht nur zertifizierte Verarbeitungsbetriebe, sondern auch zertifizierte Lieferanten“, sagte der Vorsitzende des Bundestag-Verbraucherausschusses, Hans-Michael Goldmann (FDP), Handelsblatt Online. Die Einführung einer genaueren Herkunftskennzeichnung, wie von Bundesministerin Ilse Aigner (CSU) und europäischen Verbraucherschützern gefordert, erhöhe zwar weiter die Transparenz, hätte aber den vorliegenden Fall auch nicht verhindern können. „Somit bedarf es nicht noch weiterer Gesetze, sondern schärferer Kontrollen.“

  • 14.02.2013, 16:08 UhrRumpelstilzchenA

    "Politiker fordern im Pferdefleisch-Skandal Konsequenzen"

    ...weniger Europa!!!

  • 14.02.2013, 16:09 Uhrkfvk

    Leider stehen wieder einmal alle ratlos da. Mehr Kontrollen -- das ist zwar eine Lösung, aber für den Verbraucher teuer, weil er die am Ende bezahlen muss.
    Sinnvoller wäre es richtig abschreckende Strafen einzuführen (hohe Geldstrafen, Abberufung der Geschäftsleitung wegen Unzuverlässigkeit) und wenn die Verursacher im Ausland sitzen ein generelles Importverbot für alle Produkte der jeweiligen Firma und bei dessen Umgehung muss es beim deutschen Importeur richtig einschlagen. Nur mit finanziell drakonischen Folgen sind solche Geschäfte zu unterbinden. Wenn es ein paar Mal richtig gerummst hat, wird die Lust zu solchen Täuschungen nachlassen.

  • 14.02.2013, 16:29 UhrBrsil

    Wird zum richtigen Zeitpunkt hochgekocht fuer die Trottel, damit das Monopoly ohne Zuschauer gespielt werden kann!
    Das Dummvolk ist voll daneben!

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