Großbritannien
London sieht Brexit-Gegner vorn

Zumindest der Europa-Minister strahlt Optimismus aus: David Lidington rechnet mit einem Verbleib Großbritanniens in der EU. In Umfragen lägen die Brexit-Gegner vorn. Ob daran auch US-Präsident Obama einen Anteil hat?

BerlinDer britische Europa-Minister David Lidington ist optimistisch, dass Großbritannien in der EU bleiben wird. „Unsere Kampagne läuft gut, wir haben in den meisten Umfragen die Nase vorn“, sagte der Brite bei einem Besuch in Berlin. Die Briten stimmen am 23. Juni in einem Volksentscheid über den Verbleib des Landes in der Europäischen Union ab. Die Regierung von Premierminister David Cameron macht sich mehrheitlich dafür stark, dass Großbritannien EU-Mitglied bleibt. „In den Wettbüros der englischen Buchmacher stehen unsere Chancen 2 zu 1“, betonte der konservative Politiker.

Am stärksten ist der Widerstand gegen einen EU-Austritt (Brexit) nach Angaben von Lidington in London, Nordirland und Schottland. In Südengland sei das Kräfteverhältnis dagegen ausgeglichener. „Vor allem die jüngeren, gut ausgebildeten Briten wollen in Europa bleiben“, sagte der Minister. Euro-Skepsis gebe es hingegen vor allem bei den Älteren.

Ob das Plädoyer von US-Präsident Barack Obama für einen EU-Verbleib Großbritanniens die Stimmung beeinflusst habe, könne man noch nicht sagen. Obama habe den Brexit-Befürwortern jedoch deutlich gemacht, dass Großbritannien außerhalb der EU nicht darauf hoffen könne, schnell ein transatlantisches Handelsabkommen mit den USA abzuschließen. Der US-Präsident hatte vergangene Woche bei seinem Besuch in London gesagt, die Briten müssten sich bei einem Austritt ans Ende der Schlage stellen.

Sollte sich eine Mehrheit im Juni für einen Verbleib in der EU aussprechen, will die Regierung in London nach den Worten von Lidington auf weitere Reformen in Europa drängen. „Wir müssen unbedingt unsere Wettbewerbsfähigkeit gerade in der digitalen Wirtschaft verbessern“, sagte er. Außerdem sprach sich der Europa-Minister für einen schnellen Abschluss des transatlantischen Freihandelsabkommens TTIP und für weitere Handelsabkommen zum Beispiel mit Argentinien aus.

Mit Blick auf die Flüchtlingskrise betonte Lidington, dass es wichtig sei, dass Europa die Lage in den Griff bekomme. Das Abkommen mit der Türkei sei ein wichtiger Schritt dazu. Sein Land selbst setze weiter darauf, Flüchtlinge direkt aus den Lagern im Mittleren Osten aufzunehmen. Großbritannien will bis 2020 rund 20.000 syrische Flüchtlinge aufnehmen. Ende vergangenen Jahres waren es jedoch erst 1000. Die Regierung in London will aber die Lage in den Flüchtlingslagern mit Hilfsgeldern in Höhe von 1,2 Milliarden Pfund (etwa 1,5 Milliarden Euro) verbessern.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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