Große Demonstration
„Den Ärzten steht das Wasser bis zum Hals“

Die Ärztestreiks weiten sich aus: Tausende Mediziner von Universitätskliniken aus dem ganzen Bundesgebiet haben in Hannover für mehr Gehalt und bessere Arbeitsbedingungen demonstriert. Einen Termin für die Wiederaufnahme der Tarifverhandlungen gibt es laut Marburger Bund aber noch nicht.

HB HANNOVER. Die Ärzte zogen mit lautstarkem Protest vor den Amtssitz des Länder-Verhandlungsführers, Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU). Die Ärzte- Gewerkschaft Marburger Bund sprach von rund 6000 Teilnehmern, die Polizei von etwa 2500. Bundesweit wurde am Mittwoch in 21 Unikliniken und psychiatrischen Landeskrankenhäusern gestreikt.

Der Marburger Bund fordert 30 Prozent mehr Gehalt für die rund 22 000 Assistenz- und Oberärzte an Unikliniken und psychiatrischen Landeskrankenhäusern. Dies lehnt der Vorsitzende der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), Möllring, ab.

Möllring forderte den Vorsitzenden des Marburger Bundes, Frank Ulrich Montgomery, zur schnellen Wiederaufnahme der Tarifverhandlungen auf. Sie waren vor rund zwei Wochen abgebrochen worden, dann folgten Streiks. „Ich hoffe, dass wir schnell wieder ins Gespräch kommen“, sagte Möllring in Hannover. Als die Ärzte in weißen Kitteln, mit Plakaten und Trillerpfeifen vor dem niedersächsischen Finanzministerium protestierten, kam er kurz vor die Tür, um mit Montgomery zu sprechen.

Der Verbandschef sagte bei der Demonstration, den Ärzten stehe das Wasser bis zum Hals. Die Mediziner klagten darüber, dass sie 60 Stunden in der Woche arbeiteten, Überstunden aber nicht bezahlt bekämen. Ärzte von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und aus Göttingen beteiligten sich an dem Streik. Operationssäle mussten geschlossen bleiben. Es sei aber dafür Sorge getragen worden, dass Patienten nicht zu Schaden kämen, sagte der Sprecher der MHH-Ärzte, Kai Johanning. Auch aus Bayern, Baden-Württemberg und anderen Bundesländern kamen Mediziner zu der Protestkundgebung.

Einen Termin für die Wiederaufnahme der Tarifverhandlungen gibt es laut Marburger Bund aber noch nicht. Zunächst wollen Vertreter beider Seiten an diesem Donnerstag zu einem inoffiziellen Treffen in Berlin zusammen kommen. Der Marburger Bund verlangte ein neues Angebot von der TdL. Montgomery kritisierte, die Arbeitgeber hätten bisher eine Vergütung angeboten, die auf ein durchschnittliches Minus von vier Prozent hinauslaufe.

Möllring lehnte eine neue Offerte ab: „Wir haben ein tolles Angebot gemacht. Nun muss sich erst mal der Marburger Bund bewegen.“ Er sagte im dpa-Gespräch, nach seinem Konzept läge die Regelarbeitszeit für Ärzte mit künftig 42 Stunden zwar höher als bisher und könnte sogar individuell auf bis zu 48 Stunden erweitert werden, diese Stunden würden aber voll bezahlt.

Unterdessen gibt es Befürchtungen, bei einer deutlichen Gehaltserhöhung für Ärzte drohe ein Stellenabbau an Unikliniken. Der Vizepräsident der Medizinischen Hochschule Hannover mit rund 7300 Beschäftigten, Andreas Tecklenburg, sagte der dpa am Mittwoch: „Wir können das nicht schultern. Wenn wir jetzt in die Zange genommen werden, werden wir Arbeitsplätze abbauen müssen.“ Einige Mediziner werden aus Sicht Tecklenburgs bessere Verträge bekommen, bei anderen hingegen könne der Vertrag nicht verlängert werden. „Wir werden null Unterstützung von der Politik aus Berlin bekommen. Da wird uns keiner helfen.“

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