Große Koalition
Die SPD und die neue Zeit

Das Willy-Brandt-Haus liegt im Schatten, die Minister setzen erste Duftmarken. Die SPD ist plötzlich wieder Regierungspartei - parallel beschäftigt sie sich mit der Frage, wie sie 2017 wieder das Kanzleramt erobern kann.
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BerlinEinsam steht er da, der Willy Brandt. Noch vor wenigen Wochen wurde die über drei Meter hohe Bronzeskulptur des Künstlers Rainer Fetting von der Kanzlerin persönlich in Augenschein genommen. Unter Brandts Augen fanden teils dramatische Koalitionsverhandlungen mit der Union statt. Nun schlendern ein paar Bürger durch das Atrium und schauen sich eine Ausstellung zum 100. Geburtstag des ersten SPD-Nachkriegskanzlers und Friedensnobelpreisträgers an.

Fast macht die SPD-Zentrale mit ihren 200 Mitarbeitern einen verwaisten Eindruck. Parteichef Sigmar Gabriel ist nun Hausherr im neuen Wirtschafts- und Energieministerium. Generalsekretärin Andrea Nahles hat ihren Traumjob als Arbeits- und Sozialministerin. Und Schatzmeisterin Barbara Hendricks ist nun nach Angela Merkel die zweite deutsche Umweltministerium. Plötzlich ist die SPD Teil der Regierung. Nach dem pannenreichen Wahlkampf immer noch erstaunlich.

Im dritten Stock sind hinter breiter Fensterfront viele unbesetzte Arbeitsplätze zu sehen – hier soll bald Matthias Machnig mit seiner „Kampa“ zur Organisation des Europawahlkampfes einziehen. Nach der Affäre um Doppelbezüge und dem Rücktritt als Wirtschaftsminister in Thüringen ist es für ihn eine Chance zum Neustart, vielleicht wird er von Vizekanzler Sigmar Gabriel im Sommer mit einem lukrativen Staatssekretärsposten im Wirtschaftsministerium belohnt. Die Europawahl wird zum Gradmesser, ob die SPD aus ihrem Tal kommen kann.

Ortswechsel, Fraktionsebene im Reichstag. Frank-Walter Steinmeier ist einer der letzten. Die meisten der 193 Abgeordneten sind schon raus aus dem Otto-Wels-Saal. Zwei Personenschützer warten am Aufzug. Steinmeier gibt den entspannten Entschleuniger, plauscht noch mit Parteifreunden. Und freut sich, nach Reisen nach Athen, Paris und Israel mal wieder daheim zu übernachten. Seine Frau hat Geburtstag.

Der alte neue Außenminister hat es nicht so schwer wie andere aus der SPD-Riege, sich in der Regierungsrealität zurechtzufinden. Nur die Probleme haben sich verändert. Deutschlands Image als ökonomische Hegemonialmacht in Südeuropa gilt es zu revidieren, der Israel/Palästina-Konflikt erscheint klein im Vergleich zu zerfallenden Staaten wie Syrien und dem Irak.

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