Große Koalition
„Es kann nur eine Außenpolitik geben“

Zwei Wochen Arbeit der Großen Koalition: Wie Bundeskanzlerin Merkel und Außenminister Steinmeier Einigkeit demonstrieren.

BERLIN. Nicht nur der Streit, auch die Harmonie braucht in der Politik Rituale. Deshalb steht Angela Merkel in dem kleinen Besprechungsraum des Regierungs-Airbus „Theodor Heuss“ entschlossen auf. Gerade hat sie den mitreisenden Journalisten ihre Eindrücke des Besuchs in Polen vermittelt. „Nun ist Steinmeier dran“, meint die Kanzlerin und geht. Dann nimmt Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier auf dem kleinen schwarzen Stuhl direkt vor dem Notausstieg Platz. Nächste Runde der Befragung.

Besser können die Matadoren der großen Koalition nicht demonstrieren, dass sie in der Außenpolitik an einem Strang ziehen wollen. Denn viele Beobachter suchen nach Sollbruchstellen. Von einem „kalten Frieden“ zwischen den Volksparteien Union und SPD schreibt der „Spiegel“. Merkels und Steinmeiers Antwort ist Offenheit: „Seht her, es funktioniert.“ Damit es alle mitbekommen, werden die Fotografen in den VIP-Bereich des Flugzeugs gebeten. Zu sehen sind eine lächelnde CDU-Kanzlerin und ein entspannter SPD-Außenminister im vertrauten Gespräch.

Tatsächlich funktioniert das Zusammenspiel der beiden in den ersten Tagen der neuen Regierung erstaunlich gut. Demonstrativ reisten Merkel und Steinmeier gemeinsam nach Paris, Brüssel und Warschau. Auch sonst pflegen sie engen Kontakt. Bevor Steinmeier in die USA flog, stimmte er sich am Sonntag telefonisch mit der Kanzlerin ab. Denn gerade die transatlantischen Beziehungen gelten als potentieller Streitpunkt zwischen Union und SPD. Im Fall der im Irak entführten Deutschen telefonierte Steinmeier nachts von Washington aus mit Merkel, um eine Linie über das Vorgehen und die gemeinsamen Stellungnahmen abzustimmen. Ihre ersten Bundestagsreden klangen in den außenpolitischen Passagen fast deckungsgleich.

Auch im Flugzeug kehrt keine Stille ein, wenn die Kameras weg sind. Merkel und Steinmeier sprechen alle Themen der Polen-Reise durch. Manchmal wird es halb privat, etwa wenn der Außenminister über den Reisestress der ersten Tage berichtet – und die fehlende Zeit für Sport. Dass er auf seine Figur achten muss, beschäftigt ihn. Die beiden passen zusammen – nur anders als das extrovertierte Duo Schröder-Fischer. Anders als ihr Vorgänger sieht Merkel den Umgang mit Medien eher als nötiges Übel. Und Steinmeier muss nicht die erste Geige spielen – solange er Einfluss hat. Beide eint die Grundhaltung, Probleme zu lösen und nicht zu kultivieren. „Zwei Dinge sind wichtig“, betont Steinmeier. „Es kann nur eine Außenpolitik Deutschlands geben. Und wenn bei neuen Themen Interpretationsdifferenzen auftreten, muss man sie schnell diskutieren.“ „Ein guter Mann“, lobte Merkel bereits bei den Koalitions-Gespräche.

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