Große Koalition
Glos-Chaos mündet in Merkel-Attacken

Angesichts der Querelen um den Rücktritt von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos gerät Bundeskanzlerin Angela Merkel unter Beschuss des sozialdemokratischen Koalitionspartners. Auch die Opposition nutzt die Gelegenheit für Angriffe auf Merkel. Und selbst in der CDU macht sich Unmut breit.

dne/HB BERLIN/DÜSSELDORF. "Merkel war im gesamten Rücktritts-Chaos des Wochenendes offenbar nicht handlungsfähig", sagte der Sprecher der SPD-Linken, Björn Böhning, am Montag im Gespräch mit Handelsblatt.com und fügte hinzu: "In der Krise ist ein solches Hick-Hack um einen Wirtschaftsminister unwürdig."

Auch SPD-Generalsekretär Hubertus Heil nannte die CSU-Querelen um den Rücktritt von Glos ein "würdeloses Spiel". Dies sei symptomatisch für die Krise, in der sich die Union befinde, sagte Heil im Deutschlandfunk. "Frau Merkel hat CDU und CSU programmatisch in den Nebel geführt." Den CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer bezeichnete Heil als Unsicherheitsfaktor. Merkel müsse Tacheles reden. "Sie ist aufgerufen, Seehofer in den Griff bekommen", appellierte Heil. Auch der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering sagte: "Das Spiel, das die Union da gespielt hat, ist für die Politik insgesamt nicht gut." Der Glos-Rücktritt sei in einer "unwürdigen Weise" abgelaufen. In einer solchen Zeit müsse man dem eigenen Wirtschaftsminister "den Rücken stärken und darf ihm nicht hinterrücks die Stuhlbeine absägen". "Das hat der Glos so nicht verdient."

Der bisherige Wirtschaftsminister Glos hatte sich am Sonntagabend mit Seehofer geeinigt, dass er auf eigenen Wunsch aus dem Kabinett ausscheiden wird. Vorausgegangen war ein kurzes, aber heftiges Hin und Her. Der bayerische Ministerpräsident hatte zuvor das Rücktrittsgesuch von Glos abgelehnt, um diesem dann, wohl auch, nachdem sich Merkel eingeschaltet hatte, zu entsprechen. Seehofer selbts räumte ein, dass er von Glos' überraschendem Rückzug am Wochenende kalt erwischt worden sei. Er sprach von einer "unerfreulichen Entwicklung". Die Demission von Glos, der unter anderem Altersgründe angeführt hatte, war denn auch weithin als eine Abrechnung mit dem neuen CSU-Chef Seehofer gewertet worden. Seit längerem ist bekannt, dass sich das Verhältnis der beiden CSU-Politiker wegen des Auftretens von Seehofer in den letzten Wochen zusehends verschlechterte. Glos wird von CSU-Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg abgelöst.

Kritische Töne kamen auch aus der Union. Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) forderte CDU und CSU zu Disziplin und Klarheit auf. "Wenn es beim Projekt 40 plus bleiben soll, muss sich die Union mächtig anstrengen", sagte der CDU-Politiker mit Blick auf das von beiden Schwesterparteien angestrebte Ergebnis bei der Bundestagswahl im September. "Die letzte Woche war suboptimal", fügte Bosbach im Deutschlandfunk hinzu.

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