Grosse Koalition kann entschieden werden
TV-Duell stößt bei Bundesbürgern auf riesiges Interesse

Das TV-Duell von Bundeskanzler Gerhard Schröder und seiner Herausforderin Angela Merkel am Sonntagabend stößt bei den Deutschen auf riesiges Interesse. Fast 70 Prozent beabsichtigten, das Duell zu schauen, ergab eine am Samstag veröffentliche Forsa-Umfrage für RTL.

HB BERLIN. 43 Prozent der Befragten gaben an, dass sie das Streitgespräch sicher ansehen wollten, 26 Prozent werden es wahrscheinlich verfolgen. Nach Ansicht von Meinungsforschern kann der Ausgang des Streitgesprächs über eine große Koalition zwischen Union und SPD entscheiden. 22 Prozent der Zuschauer sagten in der Umfrage, für ihre Wahlentscheidung sei das TV-Duell wichtig. Sechs Prozent bezeichneten es gar als sehr wichtig. Schröder warnte hingegen davor, die Sendung überzubewerten. Der Umfrage zufolge wollen die älteren Bundesbürger überdurchschnittlich häufig einschalten. So sagten 56 Prozent der über 60-Jährigen, dass sie die TV-Auseinandersetzung sicher gucken werden. Bei den unter 30-Jährigen will dies nicht mal jeder Dritte.

Experten: TV-Duell kann über grosse Koalition entscheiden

Das TV-Duell hat nach Einschätzung des Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts Infratest-dimap, Reinhard Hillmer, große Bedeutung für den Wahlausgang. "Es steht Spitz auf Knopf, ob es für Schwarz-Gelb am 18. September reicht. Deshalb fällt beim TV-Duell eine ganz wichtige Entscheidung", sagte er der Zeitung "Bild am Sonntag". Auch Forsa-Geschäftsführer Manfred Güllner sagte: "Eine Verschiebung, die nach dem Wahltag zu einer großen Koalition führt, ist durch den Ausgang der Fernsehdebatte durchaus möglich." Ähnlich äußerte sich der Vorstandssprecher der Forschungsgruppe Wahlen, Matthias Jung.

Schröder sagte hingegen, das TV-Streitgespräch sei der Versuch, "von der einen wie der anderen Seite zu argumentieren und so die Menschen zu erreichen". Die Debatte habe ihre Bedeutung durch die Möglichkeit der breiten Informationsvermittlung. "Ich würde dem Ganzen aber nicht einen sensationell hohen Rang einräumen", sagte der Kanzler, dessen Partei in jüngsten Umfragen ihre Aufwärtstrend fortsetzen kann.

Laut einer Emnid-Umfrage für den Sender N24 etwa konnten sich die Sozialdemokraten um einen Punkt auf 31 Prozent verbessern. Die Grünen büßten einen Punkt auf sieben Prozent ein, so dass Rot-Grün weiter nur auf 38 Prozent käme, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre. Union und FDP blieben unverändert bei 42 und sieben Prozent. Sie hätten mit 49 Prozent damit weiter eine knappe Mehrheit im Bundestag. Auch das Meinungsforschungsinstitut Allensbach und die Forschungsgruppe Wahlen konstatierten einen Aufwärtstrend für die SPD. Das TV-Duell aus Berlin zwei Wochen vor der Wahl wird von vier Moderatoren geleitet und live von ARD, ZDF, RTL und Sat.1 ausgestrahlt. In einer TV-Runde mit weiteren Spitzenkandidaten der Parteien treffen Schröder und Merkel am 12. September erneut aufeinander.

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