Große Koalition
Reise nach Jerusalem im Kabinett?

Vor der Wahl des neuen CSU-Vorsitzenden wird in Berlin über personelle Neubesetzungen spekuliert: Verliert Horst Seehofer die Wahl, könnten dies eine gleich mehrfache Umbesetzung im Bundeskabinett auslösen. Denn zwei Unions-Mannen in Angela Merkels Riege wären mit einem Wechsel wohl nicht unzufrieden.

BERLIN. Seit Wochen wabern die Gerüchte durch Berlin und Brüssel: Sie kreisen um die Namen Horst Seehofer, Erwin Huber, Franz Josef Jung, Michael Glos und Günter Verheugen. Sie alle sind getrieben von der Überlegung, wann die erstaunliche personelle Stabilität der Großen Koalition enden wird. Doch während alle Spekulationen fleißig dementiert werden, ist man sich über eines einig: Wenn die Koalition überhaupt Änderungen an ihrem Spitzenpersonal vornehmen möchte, dann bietet die Wahl des neuen CSU-Chefs dafür die erste wirkliche Gelegenheit.

Denn wenn wie erwartet Huber gewinnen und Landwirtschaftsminister Seehofer verlieren sollte, stellen sich zwei Fragen: Wird ein Hyper-Ego wie Seehofer bei schlechtem Ergebnis wirklich im Bundeskabinett bleiben können? Und wird der Druck nicht wachsen, dass Huber als CSU-Chef trotz seines Dementis ins Bundeskabinett drängen wird?

Für diesen Fall ist folgendes Szenario im Umlauf: Seehofer scheidet aus dem Kabinett aus, für ihn rückt Verteidigungsminister Jung nach, dem als Winzer eine natürliche Nähe zu landwirtschaftlichen Themen unterstellt wird – und der als Verteidigungsminister beim Koalitionspartner SPD als nur schwer tragbar gilt. Wirtschaftsminister Glos wiederum könnte dann einen alten Traum verwirklichen und Verteidigungsminister werden – was wiederum eine Vakanz schaffen würde, die für den Wirtschaftsmann Huber wie maßgeschneidert wäre.

Dreh- und Angelpunkt aller Spekulationen ist aber die Frage: Was will Seehofer? Dass der nach einer Niederlage tatsächlich das Handtuch werfen würde, dafür gibt es keinerlei Anzeichen. Er selbst hat mehrfach beteuert, dass er sich einreihen werde, wenn er verliere. Mit einem Spitzen-Ergebnis bei der Wahl zum Parteichefvize soll seine Ehre den Plänen des CSU-Vorstands zufolge wiederhergestellt werden – und Seehofer klingt, als wolle er sich darauf einlassen.

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