Große Koalition
Strengere Regeln für Managergehälter wieder vom Tisch

Union und SPD wollen bei einer großen Koalition nun doch auf schärfere Regeln gegen ausufernde Managergehältern verzichten. Die eigentlich vereinbarte Vorgabe ist überraschend wieder gestrichen worden.
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BerlinNach Protesten aus der Wirtschaft wollen Union und SPD bei einer großen Koalition nun doch auf schärfere Regeln gegen ausufernde Managergehälter verzichten. Die ursprünglich vereinbarte Vorgabe, wonach börsennotierte Unternehmen auch das Verhältnis zwischen Vorstandsvergütung und Durchschnittsgehalt der Arbeitnehmer offenlegen sollten, ist überraschend wieder gestrichen worden. Das geht aus dem am Dienstag bekanntgewordenen dritten Entwurf für einen schwarz-roten Koalitionsvertrag hervor.

Nach Angaben der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Mittwoch) soll insbesondere Kanzlerin Angela Merkel (CDU) Bedenken gehabt haben, durch die Veröffentlichung einer solchen Verhältniszahl eine Neiddebatte zu schüren.

Die weggefallene Passage war in einem ersten Entwurf eigentlich unstrittig. In Variante drei einer möglichen Koalitionsvereinbarung heißt es nun lediglich: „Um Transparenz bei der Feststellung von Managergehältern herzustellen, wird über die Vorstandsvergütung künftig die Hauptversammlung auf Vorschlag des Aufsichtsrats entscheiden.“

Nicht mehr enthalten dagegen ist die frühere Formulierung, wonach der Aufsichtsrat verpflichtet werden soll, „ein Maximalverhältnis zwischen der Gesamtvergütung der einzelnen Vorstandsmitglieder und dem durchschnittlichen Arbeitnehmereinkommen des jeweiligen Unternehmens festzulegen“.

Proteste dagegen waren vom Wirtschaftsflügel der CDU und aus den Spitzenverbänden der Wirtschaft gekommen. Eine gesetzliche Deckelung war auch bisher nicht geplant. SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann hatte die ursprüngliche Vereinbarung am Wochenende noch gelobt: Es sei gut, dass erstmals eine Grenze für Managergehälter eingezogen werde.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Seit Kanzler Schröder wird mit wechselnden Regierungen die Leitlinie immer fester gezurrt:
    "Viel schwache Schultern stützen wenige starke Schultern".
    Leider wählen viele der "schwachen Schultern" genau diese Parteien.

  • und genau deswegen muss auch die Vorratsdatenspeicherung wieder her und alle Bürger per se kriminalisiert werden. Mit den technischen Möglichkeiten von heuteund der NSA kann jede aufkeimende Unruhe im Keim erstickt werden.

  • Ich finde es schlimm, dass Gerechtigkeitsdebatten immer wieder als Neiddebatten diffamiert werden. Im Übrigen ist Transparenz - auch und gerade in der Wirtschaft - ein ganz wesentliches Element der Demokratie. Demokratie verträgt auch nur ein gewisses Maß an Ungleichheit. Aber all das interessiert die Sozialdemokratie auf dem Weg in die postdemokratische Gesellschaft auch nicht mehr.

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