Große Leistung selbst gewürdigt
Kohl gesteht Fehler beim Vollzug der Einheit ein

Altkanzler Helmut Kohl (CDU) hat eigene Fehler bei der Schaffung der deutschen Einheit eingeräumt. „Eine ganz andere Frage ist, dass natürlich (...) auch im Vollzug der deutschen Einheit Fehler gemacht wurden, nicht zuletzt auch von mir“, sagte Kohl am Mittwochabend bei einer Vortragsveranstaltung an der Universität Landau.

HB/dpa LANDAU. „Es sind Fehler gewesen - in den materiellen Bedingungen wie auch sonst wo.“ Es habe für einen solchen Fall aber keinen „Meisterplan“ und keine historischen Vorbilder gegeben, an denen man sich hätte orientieren können. „Es gab kein Früher. Sondern wir waren sozusagen auf freier Wildbahn.“

„Ich habe nicht gewusst, wie weit wir uns zwischen Ost und West in Deutschland in vielen Bereichen des Lebensgefühls, der Vorstellung, auseinander gelebt hatten“, erläuterte Kohl. Als Beispiel nannte er die Rentengesetzgebung nach der Vereinigung. So hätten manche Menschen im Westen nicht verstanden, dass berufstätige Frauen aus dem Osten Renten auf Westniveau erhielten, obwohl sie nicht in der selben Höhe wie im Westen eingezahlt hätten. Dabei hätten die Frauen in einer schwierigeren Zeit gelebt und 40 Jahre lang nicht die Möglichkeiten der Menschen im Westen gehabt, sagte Kohl. Diese Botschaft habe manche Menschen im Westen jedoch nicht erreicht.

„Das habe auch ich so nicht eingeschätzt: Dass wir wahrscheinlich die Lebenszeit einer ganzen Generation brauchen, um die Erfahrungen, die ganz unterschiedlich sind, einander anzunähern“, sagte Kohl. „Aber insgesamt gesehen, glaube ich, wird vor der Geschichte - und das ist lange nach meiner Zeit - eines sich herausstellen: Es ist eine der größten Leistungen der deutschen Geschichte oder der Deutschen untereinander, die Einheit zu formen - bei allen Fehlern.“

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