Großes Lohnplus
Stahl-Tarifabschluss alarmiert Metall-Arbeitgeber

Mit einem ungewöhnlich hohen Tarifabschluss für die Stahlindustrie hat die IG Metall die Arbeitgeber der Metall- und Elektrobranche in Sorge versetzt. Nach Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser wäre eine ähnliche Tarifbelastung für seine Branche „ein Albtraum“.

BERLIN. Dieser Kompromiss könne „keine Signalwirkung für die Metall- und Elektroindustrie entwickeln“, betonte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser in einer direkten Reaktion auf das Tarifergebnis für 85 000 Beschäftigte der nordwestdeutschen Stahlindustrie, das in der Nacht zum Donnerstag erzielt worden war.

Angesichts massiver Streikdrohungen der IG Metall hatte der Stahl-Arbeitgeberverband einen Kompromiss akzeptiert, der aufs Jahr einem Lohnplus von gut fünf Prozent entspricht. Davon gehen 3,8 Prozent ab Januar als dauerhafte Steigerung in die Tariftabelle ein. Zuvor sollen die Beschäftigten eine Einmalzahlung von insgesamt 1 250 Euro erhalten. Der Vertrag läuft bis Anfang 2008.

Die Arbeitgeber der mit 3,5 Millionen Beschäftigten weitaus größeren Nachbarbranche Metall- und Elektro sind besorgt, weil auch für sie die nächste Tarifrunde näher rückt. Die im Frühjahr 2006 geschlossenen Metall-Tarifverträge mit einer Lohnsteigerung von drei Prozent laufen noch bis März. Mit der bisher guten Konjunktur und der anstehenden Mehrwertsteuererhöhung bieten sich der Gewerkschaft dann populäre Argumente für hohe Lohnforderungen an. Aus Sicht von Gesamtmetall liefert die Mehrwertsteuer aber schon deshalb kein Argument, weil die relativ gut bezahlten Metaller im Gegenzug in mindestens gleicher Höhe von der geplanten Senkung des Arbeitslosenversicherungsbeitrags profitierten.

Die IG Metall vermied es vorerst, eine direkte Linie von der Stahl- zur Metallindustrie zu ziehen: „Das gute Ergebnis passt zur guten Stahlkonjunktur“, sagte ihr Verhandlungsführer Detlef Wetzel. Es bringe den Beschäftigten „einen ordentlichen Anteil an der guten Ertragslage der Betriebe“. Kannegiesser rechnete indes im Vorgriff auf womöglich wachsende Erwartungen der Metaller detailliert vor, warum die Stahlbranche ein Sonderfall sei: Mit knapp 20 Prozent sei deren Produktion 2006 bisher rund dreimal so kräftig gewachsen wie die der Metall- und Elektroindustrie. Zudem habe die Stahlindustrie 13 Prozent höhere Preise durchsetzen können – im Gegensatz zu 2,5 Prozent in der Metall- und Elektroindustrie.

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