Großteil der Kosten kommen über Stiftungen herein
Bunte Szene der Privatunis

Eine Elite-Universität in Deutschland gründen? Wozu, es gibt doch schon welche! Das jedenfalls könnten Gründer und Betreiber der privaten deutschen Universitäten und Hochschulen auf die Überlegungen in der SPD entgegnen.

kup Denn bereits heute bieten nach Angaben der Hochschulrektorenkonferenz mehr als 50 private Hochschulen und Fachhochschulen mit mehr als 36 000 Studierenden ihre staatlich anerkannten Dienste feil, ob in der Hauptstadt Berlin oder in der Provinz wie in Oestrich-Winkel. Allerdings ist nicht jede private Hochschule auch gleich eine Eliteschmiede. Nur einige wenige haben sich den Elitegedanken explizit auf die Fahne geschrieben. Die meisten bedeutenderen Privatunis haben sich auf Wirtschaftsstudiengänge spezialisiert, viele wenden sich ausschließlich an den Manager-Nachwuchs.

Und immer wieder gibt es neue Vorstöße, private Elite-Unis zu etablieren. Jüngstes Beispiel ist die European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin. Namhafte Unternehmen wie Daimler-Chrysler, RWE, Eon oder Allianz haben bereits 78 Mill. Euro an Stiftungskapital zugesagt. Die Uni, die im ehemaligen Staatsratsgebäude Platz finden wird, will ab Herbst 2005 bis zu 300 Nachwuchs-Manager pro Jahr ausbilden. Mit einem klaren Elite-Anspruch tritt auch die Bucerius Law School in Hamburg an. Ihre auf Wirtschaftsrecht spezialisierten Absolventen sollen nach ihrem Abschluss einen Arbeitsplatz zum Beispiel in einer der großen, international tätigen Anwaltskanzleien ergattern können. Auf Weltläufigkeit wird generell großer Wert gelegt: An der International University Bremen (IUB) ist Englisch einzige Unterrichtssprache.

Die bekannteste und älteste deutsche Privatuni ist die Universität Witten-Herdecke. Sie bietet neben den üblichen Wirtschaftsstudiengängen insbesondere auch die kostenintensiveren Fächer Medizin und Zahnmedizin an. Zudem müssen sich die Studenten auch über ihr Fachgebiet hinaus weiterbilden. Die privaten Hochschulen finanzieren sich zu einem guten Teil aus Studiengebühren – und da kommt für den Studierenden schnell eine hohe vierstellige Jahressumme zusammen. An der Bucerius Law School beispielsweise werden pro Trimester 3 000 Euro als Gebühr fällig. Dennoch spielen die Studiengebühren dort – wie an anderen Privat-Unis auch – nur eine untergeordnete Rolle.

60 % der laufenden Kosten trägt die „Zeit“-Stiftung, weitere 20 % kommen von Förderern, die restlichen 20 % speisen sich aus Studiengebühren. Mancherorts ist auch der Staat an den Kosten beteiligt. In Witten-Herdecke etwa, wo die Studenten rund 1 500 Euro pro Semester selbst zahlen, trägt das Land Nordrhein- Westfalen derzeit mit 4,2 Mill. Euro rund 15 % des Jahres-Etats. Lange Zeit konnte die Privatuni mit Stolz darauf verweisen, dass sie ganz ohne Hilfe des Staates und ohne Studiengebühren auskommt. Bis schließlich Mitte der 90-er Jahre das Geld aus privaten Kanälen knapp wurde und der damalige nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Wolfgang Clement mit Landesmitteln einsprang.

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