Grüne auf Richtungssuche
Sparringspartner der Wirtschaft?

Die Grünen suchen nach einem neuen Antlitz. Es werden verschiedene Optionen durchgespielt. Im Gespräch ist auch eine Annäherung an die Wirtschaft. Der soziale Liberalismus macht bei den Grünen die Runde.
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BerlinAuf ihrem kleinen Parteitag haben die Grünen die Neubesinnung offensiv gestartet, sie wollen anscheinend ernsthaft aus der Niederlage lernen. Maßgebliche Teile der Partei wollen wieder in die Mitte, sie wollen Optionen mit SPD und der Linken – aber eben auch mit der CDU.

Sie haben verstanden, dass das Lagerdenken überholt ist, dass die CDU und ihre Wähler nicht alle rechts von der Mitte stehen. Inhaltlich will sich die Partei wieder auf die Ökologie konzentrieren.

Sie will sich aber auch offensiv als Bürgerrechtspartei aufstellen und so das halbe, von der FDP ohnehin vernachlässigte Erbe der Liberalen okkupieren – ergänzt um sozialen Liberalismus. Damit nicht genug: Führende Realos wie der alte und vermutlich auch neue Parteichef Cem Özdemir und die potenzielle neue Fraktionschefin Kerstin Andreae wollen eine offene, bewusste Annäherung an die Wirtschaft.

Gewiss, die linken Grünen weisen mit dem Finger auf die Gegner von  BDI und BDA. Die Realos jedoch trauen sich nun wieder, deutlich die Interessen des Mittelstandes zu benennen.

Sie und die Pragmatiker aus den Landesregierungen erinnern nun wieder daran, dass ein Green New Deal, die Ökologisierung der Wirtschaft nicht ohne Unternehmen funktioniert. Und dass die Partei nur dann eine Chance hat, wenn sie neben der Ökologie auch die damit verbundenen ökonomischen Chancen aktiv benennt.

Gewinnen diese nun ermutigten Realos die Oberhand – der enorme Applaus für Superrealo Winfried Kretschmann, den Regenten aus Baden-Württemberg, deutete in diese Richtung – könnten die Grünen in den nächsten vier Jahren den Liberalen nicht nur den Platz als Bürgerrechtspartei endgültig abjagen. Die Grünen könnten sich auch eine neue Position als intelligenter Sparringspartner der Unternehmen erobern, die Energiewende und Ökologisierung der Wirtschaft als Chance sehen, hier im weltweiten Wettbewerb ganz vorn mitzumarschieren.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Grüne auf Richtungssuche: Sparringspartner der Wirtschaft?"

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  • Ich empfand die Aussprache wirklich sehr konstruktiv und sogar angenehm.

    Eine Partei die ökologisch sinnvoll agiert, eine die sich um Datenschutz kümmert, vielleicht die Piraten, eine die sich um die breite "Mitte" oder zwei (CDU,SPD) und eine liberale Komponente erscheint mir insgesamt in der Parteienlandschaft garnicht so unsinnig.
    Bürgerrechte, Unternehmertum, soziale Gerechtigkeit und andere Grundlagen der deutschen Verfassung sollten alle vertreten, das betrifft alle zukünftigen Themenbereiche. Als Wähler hat man so deutlich bessere Entscheidungsmöglichkeiten und kann nach eigenen Schwerpunkten entscheiden. Dazu einige Erleichterungen zu Bürgerinitiatven und Volksabstimmungen, also mehr Bürgerbeteiligung.

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