Grüne fordern
Castoren sollen auch nach Bayern rollen

Im Umweltministerium verhandeln die Länderminister heute über die Aufnahme von Castoren. Niedersachen, Baden-Württemberg und Hessen signalisieren Bereitschaft. Doch die Grünen fordern: Auch Bayern soll Atommüll bekommen.
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DüsseldorfBei einem lockeren Plausch wird es nicht bleiben, wenn Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth heute die Umweltminister aus sieben Bundesländern trifft. Zu pikant ist die Frage, die die Minister umtreibt: In welche Zwischenlagerstandorte können die 26 ausstehenden Castoren voller Atommüll gebracht werden, die aus den Wiederaufbereitungsanlagen in La Hague und Sellafield noch zurück nach Deutschland geholt werden müssen. Sicher ist nur: Nach Gorleben rollen die Transporte nicht.

Darauf hatte sich Peter Altmaier (CDU) mit den Landesumweltministern im vergangenen Jahr geeinigt und seiner Nachfolgerin Barbara Hendricks (SPD) dadurch ein ungelöstes Problem vererbt. Zwar erklärten sich Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg frühzeitig bereit, einige der Castoren in ihren Landesgrenzen zwischenzulagern – allerdings nur unter der Voraussetzung, dass sich noch ein drittes Land beteiligen würde.

„Wir sind bereit, unter den bekannten Bedingungen Verantwortung zu tragen“, sagte Energieminister Robert Habeck (Grüne) noch einmal vor einem Bund/Länder-Treffen in Berlin. „Aber es muss eine faire Lastenteilung geben, denn hier sitzen alle in einem Boot.“ Am liebsten wäre es SPD und Grünen, wenn ein CDU-regiertes Land das dritte wäre. Das würde den Atom-Konsens über die wichtigsten Parteigrenzen hinweg deutlich zu machen.

Dieses Land scheint gefunden, seit Hessen von einer schwarz-grünen Koalition regiert wird. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), der sich im vergangenen Jahr noch vehement gegen Castortransporte ins hessische Biblis ausgesprochen hatte, gibt sich plötzlich gesprächsbereit. Was sicherlich zu einem Großteil seinem neuen Koalitionspartner geschuldet ist. Schon heute könnte beim Ministertreffen in Berlin der Dreier-Deal festgezurrt werden.

Was die Grünen zwiegespalten sehen. Zum einen sind sie froh, dass Bewegung in die Standortsuche kommt und sich Alternativen für Gorleben auftun. Kritisch wird gesehen, dass es die Castortransporte ausschließlich auf Drängen von Grünen und Sozialdemokraten möglich werden.

So sagt die atompolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, Sylvia Kotting-Uhl, im Gespräch mit Handelsblatt Online: „Ich fordere von Bayern, einem der größten Atommüllproduzenten der Republik, sich nicht länger aus der Verantwortung zu stehlen.“ Fachlich kämen bayerische Zwischenlager durchaus in Frage. „Das Argument des längeren Transportweges kann vor dem Hintergrund, wie oft von bayerischen AKW Castoren nach Sellafield und La Hague und von dort nach Gorleben geschickt wurden, nicht im Vordergrund stehen.“

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„Das Geld muss aus öffentlichen Töpfen kommen“

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  • Warum soll eine lange Lagerung von Atommüll viel Geld kosten?

    Meinen Sie das man sich das aktuelle Spektakel dauerhaft leisten möchte, bzw. künftige Generationen überhaupt an dem sinnlosen Spektakel interessiert sind?

  • Bei der Wiederaufbereitung wird am Ende ein Gemisch aus Spaltprodukten und geringen Mengen Aktinide (Trennschärfe) mit Glas gemischt in einen Edelstahlbehälter gefüllt.

    Die meisten Spaltprodukte sind bereits bei der Abfüllung zu stabilen Barium, Caesium, Neodym.. zerfallen.

    Gem. einer Anlyse einiger Brennstäbe eines Druckwasserreaktors, 4% Anfangsanreicherung, 50 MWd/Kg Abbrand machen die Minoren Aktinide ca. 0.3% und die langlebigen Spaltprodukte gleichfalls 0,3% der Spaltproduktoxide aus.

    Die Gesamtmischung weist dann nach ca. 300 Jahren eine Radioaktivität analog Uranerz und nach 700 - 1000 Jahren eine Radioktivität wie Natururan auf. Strahlen wird diese Mischung wie die ganze Erde auch bis zum Ende des Universums.

    Wenn Sie nach Endlagern suchen und auf den ökoreligiösem Gruselwohlfühleffekt verzichten möchten, sollten Sie auf Wikipedia und Texte die "verstrahlt" und "radioaktiv verseucht" enthalten verzichten. Kein Naturwissenschaftlich orientierter Kernfachman/Strahlenschützer würde solche undefinierten Ausdrücke wählen.
    Googlen Sie direkt die Seiten der Betreiber wie die der WIPP Anlage.

  • @Riesener
    Hier gings erstmal um Atommüll.
    Grundsätzlich gebe ich Ihnen recht, wenn der Atommüll sachgerecht gelagert wird, stellt er ein kleineres Problem als die chemischen Abfälle dar. Aber der Atommüll muss sehr lange gelagert werden, was Unsummen kosten wird, damit ist der "günstige" Atomstrom nur heute günstig, auf die Länge gesehen nicht mehr.

    Die Chemieabfälle sind meiner Meinung nach bedenklicher, denn wenn da ein Leck entsteht, kann man die Auswirkungen gar nicht vorhersehen. Bei einem Problem der Atommülllagerung dürfte das Problem geographisch gesehen kleiner sein.

    Von den so tollen umweltfreundlichen Energiesparlampen bleibt auch eine Menge Giftmüll übrig, der recycled werden könnte, aber ebenfalls zwischengelagert wird.

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