Grüne lösen Debatte aus Kampf um den deutschen Doktortitel

Die Grünen wollen den Doktortitel aus den Personalausweisen tilgen. In der Wirtschaft kommt der Vorstoß überhaupt nicht gut an. Immerhin wären von einer entsprechenden Regelung Zehntausende Akademiker betroffen.
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Studierende mit Talar und Doktorhut. Quelle: dpa

Studierende mit Talar und Doktorhut.

(Foto: dpa)

BerlinÜberlegungen der Grünen, angesichts der jüngsten Plagiatsfälle bei Union und FDP den Doktortitel künftig aus Pässen und Personalausweisen zu verbannen, stößt auf Kritik. Sagers Vorstoß gehe am Kern des Problems der Plagiate vorbei. „Akademische Titel können unabhängig von Pass oder Personalausweis auf Visitenkarten oder Türschildern für Eigenmarketing in Beruf und Gesellschaft verwendet werden“, sagte Axel Plünnecke vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) Handelsblatt Online. „Damit würde sich die Nachfrage nach Promotionen aus diesem Motiv heraus nicht wesentlich ändern.“ Wichtiger sei es daher, dass auf der Angebotsseite die Hochschulen entsprechende Qualitätssicherung betrieben.

Axel Metzger, Managing Director bei Baker & McKenzie, eine der größten Anwaltskanzleien in Deutschland, betonte, dass der „Dr.“ in der Anwaltsbranche nach wie vor einen „sehr hohen Stellenwert“ habe. „Für uns ist er bei der Suche nach Nachwuchs eine Variante einer möglichen Zusatzqualifikation“, sagte er Handelsblatt Online.

Die wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Krista Sager, hatte zuvor einen Neuanlauf für eine Gesetzesinitiative angekündigt. “Es wäre an der Zeit, den Doktorgrad von gesellschaftlichen Überhöhungen zu entlasten. Zum Teil wird er wie eine Art bürgerlicher Adelstitel oder Namensbestandteil behandelt”, begründete Sager ihren Vorstoß bei Handelsblatt-Online. “Es würde Diskussionen rund um Plagiatsfälle sicherlich versachlichen, wenn Promotionen also auf ihre eigentliche Bedeutung –als Nachweis der besonderen wissenschaftlichen Qualifikation – zurückgeführt würden.” Wenn der Doktorgrad künftig nicht mehr in Pässe und Personalausweise eingetragen werde, wäre dies auch ein Beitrag zum Bürokratieabbau und zur Anpassung an international übliche Standards.

Der Hinweis auf den akademischen Grad war 1988 im Passgesetz aufgenommen worden, eine Amtsbezeichnung wie Professor hingegen nicht, ebenso wenig Abschlüsse wie Magister oder Bachelor. Wäre dann also ein Änderung gar nicht so dramatisch? Könnte man annehmen.

Selbst Richard Oetker, Chef von Dr. Oetker, hat keinen Doktor. Doch der Titel ist deshalb bei dem traditionsreichen Unternehmen noch lange nicht überflüssig. Kollegen und Vorgesetzte werden in Bielefeld traditionell mit Titel angesprochen. Auch auf Visitenkarten und Türschildern prangt der Titel. 

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38 Kommentare zu "Grüne lösen Debatte aus: Kampf um den deutschen Doktortitel"

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  • Sehr geehrte Frau Sager,

    gestatten Sie mir bitte, dass ich Sie über eine wenig
    bekannte Funktion des Doktorgrads in Personalausweisen informiere.

    Ich habe meinen Doktorgrad nicht in den Reisepass eintragen
    lassen, weil ich in exotischen Ländern nicht als Arzt behandelt
    werden und auch keine Nachteile als „Intellektueller“ erleiden möchte.

    In den Personalausweis habe ich jedoch den Doktorgrad eintragen lassen.
    Vor allem wegen der Möglichkeit, international in Bibliotheken und Informationssystemen
    recherchieren zu können, für deren Nutzung man ein wissenschaftliches
    Interesse vorweisen muss. Der Doktor ist nämlich weltweit Ausdruck
    einer Zugehörigkeit zur „Scientific Community“ und durch den „amtlichen“
    Personalausweis wird man leichter als wissenschaftlich Tätiger identifiziert.

    Das ist vor allem für den Staat gut, weil sich die Informationen in
    Steuergelder ausdrücken, die von mir und anderen Doktoren
    in Deutschland entrichtet werden. Ich recherchiere z. B. über
    politische System, um Geldanlagen analysieren zu können und finde
    am Besten vor Ort die Literatur für einzelne Themen.

    Mit der „Entziehung“ des amtlichen Doktorgrads wird es international
    schwierig, da sich auf einer Visitenkarte jeder den Dr. aufdrucken
    lassen kann und dieser deshalb selten vom Personal anerkannt wird.

    Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie diese für Deutschland wichtige
    Funktion mit in die Diskussion aufnähmen.



    Mit freundlichen Grüßen

    Dr. Stefan Engelsberger

    80538 München


  • Nur weil die heutigen Grünen 1968 zuviel mit demonstrieren beschäftigt waren um die Schulbank zu drücken und einen gescheiten Abschluß zu bekommen, sollten sie heute nicht diejenigen beneiden, die es schlauer gemacht haben !

  • Selbst der Personenbeförderungsschein des Harvard Professors dürfte mittlerweile abgelaufen sein.

  • Eine Partei, welche über derart hoch qualifiziertes Personal verfügt wie die GrünInnen, ist zur Einbringung solcher Vorschläge geradezu prädestiniert.

    - Harvard-"Professor" (lach) Fischer: ohne Schulabschluß, aber immerhin mit Taxi-Schein
    - Bundesempörungsbeauftragte Roth: abgebrochenes Theaterstudium und Pleite-Managerin von "Ton, Stein, Scherben"
    - Spitzenkandidatin der Bundestagswahl 2013 Katrin Göring-Eckardt: abgebrochenes Theologiestudium, Berufserfahrung = Null
    - Gender-Referatsleiter Volker Beck: abgebrochenes Studium der Kunstgeschichte und Germanistik, reale Berufserfahrung nicht vorhanden
    - Dosenpfand-Trittin: brachte es immerhin zum Dipl.-Sozialwirt (was sonst?), trat Zeit seines Lebens beruflich aber höchstens als "freier Journalist" auf. Ganz ähnlich liegt der Fall bei Flugmeilen-Sammler und Thailand-Urlauber Özdemir, auch so ein "freier Journalist" mit Sozialpädagogik-Studium.

    Plagiatsaffären um Doktortitel sind bei den GrünInnen mangels Masse jedenfalls nicht zu erwarten.

  • Gerhard: Wenn sie alles in den USA gut finden, dann sollten sie auswandern. Ich möchte nicht mit der Amerikanischen Kultur tauschen und viele andere auch nicht.

  • Neodym: Und warum interessiert sie das? Es gibt tatsächlich wichtigeres als ein paar geistiger Tiefflüge der Grünen.

  • Wir werden alle gleich geboren, aber jeder ist mit seiner Individualität selbst dafür verantwortlich was aus ihm wird. Man kann die Umstände ändern, aber nicht den Menschen. Gleichmacherei hat noch nie und nirgends funktioniert. Die Grünen wollen das achteckige Rad erfinden...... super!!

  • Fantasie haben die Grünen nun wirklich genug. Man könnte auch sagen, das sie ständig fantasieren. Wer lässt sich zum Teufel auch nur immer so ein Hirnrissiges Zeug einfallen? Gibt es in DE nicht wirklich ernsthafte Probleme? Die Grünen kommen mir vor wie eine Pfadfinder Gruppe die ausser Kontrolle geraten ist.

  • Die GrünInnen könnten sich ja auch für eine Aufwertung des Meisters oder Technikers einsetzen. Ich meine, wenn das nicht zu spießig ist.

  • Da muss ich muunoy etwas in Schutz nehmen:

    Tatsächlich gab es Anfang der 90er natürlich jede Menge Jobs für Ingenieure und Naturwissenschaftler - aber für Berufseinsteiger war dies eine sehr harte Zeit.
    Denn vor der Wiedervereinigung gab es einen Mangel an Berufseinsteigern, so dass selbst der Dümste aus einem Semester noch unter mehreren Angeboten wählen konnte.
    Nach der Wiedervereinigung wurden Betriebe im Osten geschlossen und zahlreiche Berufserfahrene drängten auf den Markt.
    Dabei waren die vorhandenen Stellen ja von den Dümmsten bereits besetzt,..

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