Grüne Programmatik
Nur Öko. Logisch!

Mit dem Exodus ihrer Wirtschaftsexperten verblasst das ökonomische Profil der Grünen. Zurück bleiben Einzelkämpfer, die sich nicht gegen die tonangebenden Fundis wie Jürgen Trittin durchsetzen können. Damit schwinden die Chancen für eine Koalition mit CDU und FDP.

BERLIN. Der Applaus, da freut sich Oswald Metzger, ist lauter als früher und kommt aus einer etwas anderen Ecke – von Liberalen und der Union. Fast 21 Jahre lang war er Parteigrüner, zuletzt Finanzexperte der Grünen-Fraktion. Seit seinem Parteiaustritt sucht Metzger eine neue politische Heimat und tritt beim ehedem politischen Gegner als Redner auf – am Aschermittwoch der Stuttgarter CDU, zum Neujahrsempfang der Liberalen in Saarlouis und Magdeburg, auch bei der Karlsruher Jungen Union. Von einem „Entfremdungsprozess“ spricht er, der einst für solide Haushaltsreden stand. Zuletzt saß er im Landtag von Baden-Württemberg, jetzt will er in den Bundestag zurück. Kapriziös geriert sich Metzger und gibt vor, sich zwischen CDU und FDP nicht entscheiden zu können, gerade so, als gäbe es für ihn ganz persönlich das Mandat aus dem Neckermann-Katalog.

Längst nicht jeder, der den Linksrutsch der Grünen beklagt, zieht einen Schlussstrich à la Metzger. Andere prominente Realos haben zwar nicht die Partei, dafür aber das Parlament verlassen. Mit ihrem Abschied verliert das schwer erkämpfte wirtschaftspolitische Profil der Partei an Schärfe: Margareta Wolf, von 2001 bis 2002 Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, arbeitet jetzt für die Kommunikationsagentur Deekeling Arndt. Ihr Nachfolger Rezzo Schlauch ist Anwalt in einer Wirtschaftskanzlei. Matthias Berninger, einst wirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion, ging als Lobbyist zum Nahrungsmittel-Multi Masterfoods.

Zurück bleiben Einzelkämpfer wie die wirtschaftspolitische Sprecherin, Kerstin Andreae, und Gerhard Schick, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft und Finanzen. Die beiden schreiben Papiere. Über die Parteilinie befinden Fundis wie der stellvertretende Fraktionschef Jürgen Trittin, der sich eilfertig der Linken andient und über ein rot-rot-grünes Bündnis im Saarland für 2009 spekuliert. Die Parteispitze lehnt diese „sinnentleerten Farbspielchen“, so Claudia Roth, zwar ab. Doch die Debatte zeigt: Zum Wohlbehagen der Basis und der Wechselwähler wärmen sich die Grünen am linken Feuer.

Seite 1:

Nur Öko. Logisch!

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%