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Grünen-Fraktionschef: „Wulff hat den Landtag hinters Licht geführt“

Die Kritik an Bundespräsident Christian Wulff gewinnt wieder an Schärfe. Der niedersächsische Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel wirft Wulff nun die Täuschung des Landtags vor - und zwar nach „Strich und Faden“.

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Bundespräsident Christian Wulff ist schon wieder mit schlechten Nachrichten in der Presse gelandet. Quelle: dapd
Bundespräsident Christian Wulff ist schon wieder mit schlechten Nachrichten in der Presse gelandet. Quelle: dapd

FrankfurtBundespräsident Christian Wulff kommt aus den negativen Schlagzeilen nicht heraus. Nach Recherchen von tagesschau.de hatte er offenbar weitergehende geschäftliche Beziehungen zu dem Unternehmer Egon Geerkens als bislang eingeräumt. Danach war Geerkens Mandant und Vermieter der Räume einer Rechtsanwaltskanzlei, für die der frühere niedersächsische Ministerpräsident über Jahre tätig war. Der Bundespräsident bestreitet die Vorwürfe.

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Der niedersächsische Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel hat Bundespräsident Wulff nun nach diesen jüngsten Berichten vorgeworfen, den Landtag über seine Beziehung mit dem Geschäftsmann Egon Geerkens getäuscht zu haben. „Es wird immer offensichtlicher, dass Wulff nicht nur die halbe Wahrheit gesagt hat, sondern den Landtag nach Strich und Faden hinters Licht geführt hat“, sagte Wenzel der „Frankfurter Rundschau“. Wulff steht seit Wochen in der Kritik, weil er dem Landtag auf die Frage nach einer Geschäftsverbindung mit Geerkens verschwiegen hatte, dass er als Ministerpräsident in Niedersachsen von Geerkens Ehefrau einen Kredit von 500.000 Euro für den Kauf seines Hauses erhalten hatte.

Die Vorwürfe gegen Wulff

  • David Groenewold

    Die Staatsanwaltschaft Hannover prüft einen Urlaub von Wulff mit dem Filmunternehmer im Herbst 2007 auf Sylt. Groenewold hatte die Kosten zunächst ausgelegt. Wulff habe den Betrag später in bar beglichen, sagt dessen Anwalt Gernot Lehr. Ins Blickfeld gerückt ist der Trip vor allem deshalb, weil eine Firma Groenewolds knapp ein Jahr zuvor eine Landesbürgschaft von vier Millionen Euro erhalten hatte - die aber nie zum Tragen kam. 2008 soll Groenewold beim Münchner Oktoberfest in einem Hotel ein 400-Euro-Upgrade für das Ehepaar Wulff bezahlt haben, angeblich ohne dessen Wissen. Nach Bekanntwerden des Falls erstattete Wulff den Betrag.

  • Nord-Süd-Dialog

    Wulffs früherer Sprecher Olaf Glaeseker wird von der Justiz verdächtigt, von dem Eventmanager Manfred Schmidt mit kostenlosen Urlauben bestochen worden zu sein. Es geht vor allem um die Lobbyveranstaltung „Nord-Süd-Dialog“, an der Schmidt kräftig verdient haben soll. 2009 hatte die Landesregierung die Party mit dem Einsatz von Studenten und kostenlosen Kochbüchern für die Gäste unterstützt, was sie aber lange bestritt. Wulff habe davon nichts gewusst, sagt sein Anwalt. Die niedersächsische SPD will nächste Woche eine Verfassungsklage gegen Wulff wegen Täuschung des Parlaments und Verletzung der Auskunftspflicht einreichen.

  • Privatkredit

    Der niedersächsische Landtag befasst sich Wochen mit der Frage, ob Wulff gegen das Ministergesetz verstoßen hat, als er 2008 als Ministerpräsident ein Darlehen bei der befreundeten Unternehmergattin Edith Geerkens aufnahm. Mit den 500.000 Euro finanzierte Wulff sein Haus in Burgwedel. Im Landtag verneinte er später Geschäftsbeziehungen zu Egon Geerkens. Die Opposition sieht in dem Darlehen einen Verstoß gegen das Ministergesetz und das Verbot für Regierungsmitglieder, Geschenke in Bezug auf ihr Amt anzunehmen. Doch selbst wenn so ein Verstoß festgestellt würde - strafrechtliche Konsequenzen hätte das nicht unbedingt.

  • Geldmarktdarlehen

    Um den Kredit bei Edith Geerkens abzulösen, vereinbarte Wulff im März 2010 ein Geldmarktdarlehen bei der BW-Bank - mit günstigen Zinsen zwischen 0,9 und 2,1 Prozent. Im Dezember 2011 wandelte er den Kredit in ein langfristiges Hypothekendarlehen um. Gegen die Bank gingen mehrere Anzeigen ein, wegen des Verdachts auf Untreue, Vorteilsnahme oder Vorteilsgewährung. Die Staatsanwaltschaft sah aber keinen Anlass für Ermittlungen.

  • Anruf bei „Bild“

    Der Anruf Wulffs bei „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann blieb ebenfalls ohne juristische Folgen. Der Bundespräsident hatte am 12. Dezember versucht, Diekmann zu erreichen, um gegen die geplante Berichterstattung des Blattes über seinen Hauskredit zu protestieren. Als das misslang, sprach er dem Chefredakteur auf die Mailbox. Dabei soll Wulff den „endgültigen Bruch“ und „Krieg“ angedroht haben. Die Berliner Staatsanwaltschaft sah keinen Anfangsverdacht für eine versuchte Nötigung oder ein anderes strafbares Verhalten.

  • Urlaubsreisen

    Wulff hatte im Dezember eine Liste mit sechs privaten Urlaubsreisen veröffentlicht, bei denen er zwischen 2003 und 2010 Gast von befreundeten Unternehmern war - überwiegend kostenlos. Die Opposition in Hannover will wissen, ob die Liste vollständig ist. Wulffs Anwalt sagt, sie sei komplett.

  • Andere Einladungen

    2010 hat Wulff einen Ausflug zum Filmball in München samt Übernachtung im „Bayerischen Hof“ vom Marmeladen-Hersteller Zentis finanzieren lassen. Wenige Wochen zuvor war er als Redner bei der Jahresabschlusskonferenz des Unternehmens aufgetreten. Wulffs Anwalt bestätigte beides. Vorschriften des Ministergesetzes seien dabei aber gewahrt worden.

Wulffs Verbindung mit Geerkens über die Rechtsanwaltskanzlei zeige „eine weitere geschäftliche Beziehung, die dem Landtag verschwiegen wurde“, sagte Wenzel der „Frankfurter Rundschau“. Er hoffe, dass nun auch CDU-Abgeordnete erkennen, dass es mit Wulff so nicht weitergehe. „Jeder Beamte, der solche Geschäftsbeziehungen verschweigt, muss mit dem Verlust seines Arbeitsverhältnisses rechnen“, sagte der Grünen-Fraktionsvorsitzende.

Tagesschau.de zufolge war Wulff über mehr als 15 Jahre in der Kanzlei tätig. Dies belegten zahlreiche Anwaltsschreiben, auf denen Wulff im Briefkopf geführt wurde. Noch im Oktober 2004 vertrat die Kanzlei Geerkens. Zudem war der Unternehmer bis 2007 Vermieter der Kanzleiräume. Im niedersächsischen Landtag hatte Wulff 2010 eine Frage nach geschäftlichen Beziehungen zu Geerkens verneint.

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10 Kommentare

  • 31.01.2012, 12:47 UhrAnonymer Benutzer: Turmalin

    Langsam wird es wirklich unerträglich. Vor allem ist Berichterstattung der Presse unseriös. Warum soll der damalige MP Wulff eine Geschäftsbeziehung im Jahre 2007 zu Herrn G. haben, wenn er viele Jahre vor seiner Zeit als MP in einer Kanzlei beschäftigt war,deren Vermieter oder Mandant Herr G. war oder ist? Völlig absurd! Ein wenig Rechtskenntnis darf man wohl beim HB voraussetzen oder etwa nicht?

  • 31.01.2012, 09:39 UhrAnonymer Benutzer: Brechreiz

    nach über 200 Kommentaren hat tagesschau.de die Kommentierung beendet.
    Liebe Journalisten: Könnt ihr mal bitte erst dann wieder über diese Affäre schreiben, wenn ihr was WIRKLICH skandalöses herausgefunden habt?
    Die sogenannte Salamitaktik kommt nämlich deshalb zustande, weil ihr immer irgendwelche unwichtigen Details vorschnell veröffentlicht. Ich hätte nie damit gerechnet, dass ein Bobbycar oder ein Briefkopf in der Lage ist, einen Bundespräsidenten zu schädigen... Ernsthaft!?!?

    Ich bin dafür, dass ihr Herrn Wulff in aller Ruhe durchleuchtet und dann am Ende meinetwegen eine komplette Ausgabe Herrn Wulff widmet... aber die jetzige Vorgehensweise ist nur noch nervend!
    Bin dafür, dass Herr Wulff jedem relevanten Chefredakteur ein Bobbycar spendiert. Dann können die sich treffen und ein Bobbycar-wettrennen veranstalten.
    Wie im Kindergarten! Schlagzeilen mit so wenig Substanz kannte ich bisher nur aus dem Sommerloch...

  • 31.01.2012, 09:37 UhrAnonymer Benutzer: Mazi

    Wäre Wulff so bespitzelt worden wie die LINKEN wäre das nicht passiert.

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