Grünen-Vorschlag
Steuerflüchtige Hellenen sollen Griechenland sanieren

Der Grünen-Finanzexperte Schick prescht in der Griechenland-Debatte mit einem eigentümlichen Vorschlag vor. Er plädiert dafür, das Auslandsvermögen griechischer Topverdiener in den heimischen Schuldendienst zu stecken.
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BerlinDie Euro-Retter suchen händeringend nach einer Lösung für das pleitebedrohte Griechenland. Doch Uneinigkeit herrscht weiter über den langfristigen Sanierungsplan. Überschattet wird die Debatte von aktuellen Konjunkturdaten, die katastrophal schlecht für die griechische Wirtschaft ausfielen. Im dritten Quartal ging das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 7,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück, wie die griechische Statistikbehörde am Mittwoch nach ersten Schätzungen mitteilte. Nach einem Rückgang des BIP um 6,3 Prozent im zweiten Quartal bedeute dies eine Beschleunigung der Rezession.

Damit steht Griechenland abermals das Wasser bis zum Hals. In dieser Situation hat sich der Geschäftsführer des Internationalen Bankenverbands IIF, Charles Dallara, zu Wort gemeldet und die strengen Sparmaßnahmen für Griechenland und Europa kritisiert. Es müsse ein besseres Gleichgewicht zwischen Wachstum und Sparpolitik zur Überwindung der Finanzkrise in Europa gefunden werden, sagte Dallara bei einem Seminar des griechischen Bankenverbands. Endloses Sparen führe in Griechenland und Europa zu einer langen Zeit mit wenig oder keinem Wachstum.

Diese Erkenntnis wird auch von einigen Politikern und Ökonomen geteilt. Die Frage, die damit aber noch nicht beantwortet ist, lautet: Wie kann man Griechenland helfen ohne dabei noch größeren Schaden anzurichten? Dallara, der der Architekt des im März dieses Jahres gemachten Schuldenschnitts griechischer Staatsanleihen ist, die in Händen des privaten Bereichs waren, hat denn auch einen für ihn sehr nachvollziehbaren Vorschlag parat. Immerhin hat der erste Schuldenschnitt Griechenland um 107 Milliarden Euro Schulden entlastet. Ein Schuldenschnitt auch im öffentlichen Sektor - OSI-Staatsanleihen Griechenlands in den Händen der EZB und anderer Staatsbanken - nannte Dallara daher einen richtigen Schritt zur Überwindung der Finanzkrise in Griechenland.

In Deutschland hält man davon wenig. Der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Gerhard Schick, plädiert stattdessen dafür, verstärkt auf das Vermögen reicher Hellenen im Ausland zuzugreifen, um die griechischen Staatsschulden abzubauen. Statt den vom Internationalen Währungsfonds (IWF)  geforderten Schuldenschnitt in Betracht zu ziehen, der vor allem öffentliche Gläubiger und damit die Steuerzahler in den anderen Euro-Staaten treffen würde, sollten „erst die Ressourcen im eigenen Land genutzt werden“, sagte Schick Handelsblatt Online. „Nötig ist deshalb vor allem, jetzt endlich den Blick auf die Einnahmeseite zu richten, insbesondere auf griechische Spitzenverdiener und große griechische Vermögen, die sich im Ausland befinden.“

Schick betonte allerdings, dass Griechenland in dieser Frage ohne europäische Unterstützung nicht in der Lage sein werde, seine Steuereinnahmen zu stabilisieren, insbesondere nicht im Bereich der Steuerflucht ins europäische Ausland. „Deswegen braucht es endlich einen europäischen Steuerpakt - verbindliche europäische Vereinbarungen zur Überwindung des Steueroasen-Unwesens und zur Schließung von Schlupflöchern in der Besteuerung großer Unternehmen“, sagte der Grünen-Politiker. Gerade gegenüber der Schweiz sei eine gemeinsame europäische Strategie nötig. „Wer zulässt, dass die Schweiz mit jedem EU-Land separat verhandelt, schwächt die Interessen der ehrlichen Steuerzahler in den EU-Staaten, endlich der Steuerflucht über die Schweiz ein Ende zu bereiten.“

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  • Schon wieder ein "Kuckucksnest-Urteil". 10 Jahre plus Sicherungsverwahrung. Das ist allemal wesentlich humaner jemanden bis zum versterben in Haft einzusperren, also ihn hinzurichten weil man, also das Gericht, ja gepfuscht haben könnte. Weil der Richter keine Eier hatten mal etwas strickent durchzuziehen, sozusagen; Sie verstehen was ich meine? Anders als wie mit der Abtreibung lebensunwerten Lebenes ist das wie mit der Beschneidung. Läßt sich nahchher nicht mehr rückgängig machen.


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  • @ Ulrich62
    Ich gönne Ihnen, dass Sie so gut investiert haben. Aber was tun andere? Warum vergeben die Kredite, die gerade keine Investments sind? Schick kann nicht nachvollziehen, warum die Griechen sauteure Panzer brauchen und ich glaube, die Griechen selbst nicht. Die wären sogar ohne Panzer glücklich. Die wollen ja nur Sold. Aber was ist schon ein Soldat ohne Waffe? An der Stelle kommen die Deutschen ins Spiel, bauen sie doch vieles was kein Mensch braucht, Panzer zB. Man kann davon leben, indem man dem desinteressierten Kunden das Geld für Panzer gleich mitbringt und weil der deshalb noch lange nicht zugreift, er braucht ja keine Panzer, bekommt er noch ein Auto, eine Yacht und reizvollere Dinge dazu. Hauptsache er unterschreibt endlich den scheiß Kreditvertrag für die Panzer, damit die Deutschen arbeiten können. Die reizvollen Dinge fallen dabei locker mit ab. Stellt sich nur die Frage, wo soll Tilgung und Zins für den Kredit herkommen, wenn nicht investiert wurde?
    Nun kam das Geld für die Panzer aber nicht von der Rüstungsindustrie, die will schließlich Gewinne machen, sondern von Otto Sparzwang. Der hatte etwas für sein nächstes Auto zurückgelegt. Wie macht man dem begreiflich, dass sein Geld weg ist? Am besten man sagt es ihm nicht, sondern gibt ihm einen Kontoauszug und sorgt dafür, dass er das Geld nie abholt, indem man ihm klar macht, dass er es noch nötiger für die Rente braucht. Das Auto kann er finanzieren. Und damit das so bleibt, muss man vor allem die Bank von Otto Sparzwang retten, auch wenn die nur aus großen roten Zahlen besteht, sonst müsste man Auto, Yacht und Panzer bei Otto abgeben.
    Ich denke, wenn die Deutschen schon so viel übrig haben, dass sie den Wohlstand anderer finanzieren, nur um selbst weiter arbeiten zu dürfen, dann sollten sie zu Hause bleiben, ihr Glück genießen und für einander da sein, statt sich täglich ins Hamsterrad sperren zu lassen. Aber machen Sie das mal einem Deutschen klar.

  • Der Ansatz ist vollkommen richtig, aber wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen.

    Mit den Milliarden Schwarzgeld der deutschen Millionäre und Milliardäre und den legal verkürzten Steuern der Unternehmen, die durch kreative Buchhaltung Gewinne verschwinden lassen, könnte man dem Haushalt unserer Republik auch gutes tun. Die herrschende Kaste in Deutschland ist doch auch nicht besser, als die der Griechen und überall auf der Welt. Oder glaubt hier jemand daran, das der Kapitän nebst Führungscrew an Bord bleibt, wenn das Schiff sinkt?

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