Grüner Parteitag
Spitzenduo erteilt schwarz-grün eine Absage

Bei ihrem Auftritt auf der Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen findet das Spitzenduo klare Worte: Eine Koalition mit der Union sei derzeit keine Option. Nun richten sich alle Augen auf Parteichefin Claudia Roth.
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HannoverMit der Neuwahl ihrer kompletten Führung und einer sozialpolitischen Kursbestimmung wollen die Grünen am Samstag die Weichen zur Bundestagswahl stellen. Mit Spannung wird auf dem Grünen-Parteitag in Hannover besonders das Votum der rund 800 Delegierten bei der Abstimmung über Parteichefin Claudia Roth erwartet, die trotz ihrer jüngsten Niederlage bei der Urwahl des grünen Spitzenduos zum sechsten Mal für den Vorsitz antritt.

Am Freitag erhielt Roth von Delegierten positive Signale: Der Co-Vorsitzende Cem Özdemir, der ebenfalls wieder antritt, sagte an die 57-Jährige gerichtet: „Ich finde es klasse, dass Du kandidierst, und ich bin mir sicher, die Delegierten werden es morgen auch so sehen.“ Die Delegierten applaudierten anhaltend.

Roth hatte nach ihrem 26-Prozent-Ergebnis am vergangenen Sonntag zunächst an Rückzug gedacht, sich dann aber nach reichlich Zuspruch aus der Partei doch zum Weitermachen entschieden.

Die Urwahl-Gewinner Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin wurden heftig umjubelt. Sie warben am Freitag für einen neuen gesellschaftlichen Aufbruch hin zu mehr Gerechtigkeit und Zusammenhalt, zu mehr Ökologie und mehr Europa. Einer Koalition mit der Union erteilte sie ebenso wie Özdemir eine klare Absage.

„Grün oder Merkel, darum geht's“, sagte Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt am Freitagabend beim Bundesparteitag in Hannover. „Wir wollen mit grüner Politik schwarze Wähler gewinnen, aber mit euch regieren wollen wir nicht“, sagte die 46-Jährige mit Blick auf CDU/CSU. Das eindeutige Ziel bleibe ein Bündnis der Grünen mit der SPD.

Bundestagsfraktionschef Jürgen Trittin, der als Gewinner des Mitgliederentscheids die Partei zusammen mit Göring-Eckardt in den Wahlkampf führen wird, nannte die schwarz-gelbe Koalition eine „Gurkentruppe“. Deren Koalitionsgipfel gleichen einem „Schrottwichteln“. „Von der Regierung Merkel wird nichts in Erinnerung bleiben, außer ihr Willen, konsequent an den echten Problemen der Menschen vorbeizuregieren.“

Göring-Eckardt betonte, die Grünen seien angekommen in der Mitte der Gesellschaft. Sie forderte ihre Partei auf, einen nächsten großen Aufbruch für diese Gesellschaft zu wagen. Es gehe um mehr Ökologie und mehr sozialen Zusammenhalt. Die Absagen an Schwarz-Grün wurde von den 800 Delegierten mit Jubel und Beifall bedacht.

Mit Spannung wird die Wahl der Parteiführung am Samstag erwartet: Neben Özdemir bemüht sich auch die Co-Vorsitzende Claudia Roth um eine Bestätigung in ihrem Amt - trotz der Schlappe bei der Urwahl des Wahlkampf-Spitzenduos. Der Parteitag in Hannover soll auch Rückenwind geben für die Landtagswahl am 20. Januar 2013 in Niedersachsen, wo SPD und Grüne gewinnen wollen. Dies wäre ein wichtiges rot-grünes Signal für die Bundestagswahl im September 2013.

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  • Frau Roth wird machen was man von ihr erwartet !
    Eine schwarz/grüne Regierung .... dann würde sicher ein grüner den Umweltminister machen , stellen sie das mal vor wenn er dann 2015 ein von der EU gefordertes Endlager benennen muss , wo die Grünen doch gerade erst versprochen haben , Gorleben wird es nicht sein !
    Das wissen die Grünen natürlich und dem zufolge muss man für 2013 auf eine Opposition hinarbeiten !
    Denn der Termin steht , egal unter welcher Regierung .

  • Kapturak
    Die Hinwendung der Linkspartei zu den Grünen, das Aufspringen auf den Islam-Zug, war der größte Fehler den die Linken machen konnten
    Man sieht es ja an den Umfragwerten.
    Bürger, die zuvor noch mit der PDS geliebäugelt hatten, haben sich abgewendet


  • Das ist natürlich jetzt dumm für die CDU. Da hat sie alle Positionen der Grünen übernommen, aber die Grünen wollen doch lieber mit der SPD regieren.

    Rechnet sich das: grün-rot ? Ja, denn wenn die Linkspartei dazu kommt, reicht es. Und die Linkspartei wird auch die grü-rote Banken- und Euroretterei mitmachen, wenn gleichzeitig ein Bestrafungspromm für Reiche eingeführt wird.

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