Grunderwerbsteuer

Immobilienkäufer werden zum Spielball der Politik

Viele Bundesländer sind überschuldet. Umso froher sind die Kassenwarte, dass sie mit der Grunderwerbsteuer eine lukrative Einnahmequelle haben. Dass es sich lohnt, Immobilienkäufer abzukassieren, zeigt eine Studie.
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Droht Deutschland eine Immobilienblase?

Droht Deutschland eine Immobilienblase?

BerlinNordrhein-Westfalen steht das Wasser bis zum Hals. Haushaltskonsolidierung und die Vorgaben der Schuldenbremse im Jahr 2020 machen der rot-grünen Landesregierung schwer zu schaffen. Geld muss her – schnell und unbürokratisch. Zupass kommt den Koalitionären, dass sie just in dieser kritischen Lage die Möglichkeit haben, selbst an der Steuerschraube zu drehen.

So beschlossen kürzlich die Regierungsfraktionen SPD und Grüne, den Satz für die sogenannte Grunderwerbsteuer anzuheben. Käufer von Grundstücken, Häusern und Wohnungen zahlen vom 1. Januar 2015 dann nicht mehr fünf, sondern 6,5 Prozent. Seit der Fiskalföderalismusreform des Jahres 2006 ist die Grunderwerbsteuer die einzige Steuer, deren Höhe die Bundesländer selbst bestimmen.

Die Grunderwerbsteuer fällt beim Kauf von bebauten wie unbebauten Grundstücken an. Bei der Bemessungsgrundlage wird auch der Wert der Immobilie eingerechnet. Dass sich mit der Steuer wunderbar Kasse machen lässt, hat NRW schon einmal bewiesen. Erst 2011 war sie von 3,5 auf 5 Prozent erhöht worden. NRW ist kein Einzelfall. Auch andere Bundesländer haben diese nie versiegende Einnahmequelle für sich entdeckt.

Als beschlossen wurde, die Hoheit über die Grunderwerbsteuer auf die Länder zu übertragen, lag der einheitliche Steuersatz bei 3,5 Prozent. Heute beträgt der Steuersatz durchschnittlich bei 5,2 Prozent. „Innerhalb von nur acht Jahren hat sich der Steuersatz also um knapp 50 Prozent erhöht, in drei Bundesländern hat er sich sogar fast verdoppelt“, konstatiert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in eine Studie.

Insgesamt 14 von 16 Bundesländern haben demnach heute einen höheren Steuersatz als noch 2006. Kein Bundesland hat die Steuerlast reduziert. Deutschland liegt damit im internationalen Vergleich, insbesondere im Vergleich mit dem europäischen Ausland, eher im oberen Bereich, schreiben die Studienautoren.

Wenig verwunderlich ist, dass vor allem die finanzschwächeren Länder die Steuerbelastung deutlich angehoben haben. Berlin hat als erstes Land die Steuern erhöht und liegt jetzt bei sechs Prozent. Das Saarland, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen sind mit 6,5 Prozent die Spitzenreiter bei der Grunderwerbsteuer. Die einzigen Länder, die nicht erhöht haben, sind mit Sachsen und Bayern die jeweilig finanzstärksten Länder in Ost- und Westdeutschland.

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  • Abkassieren ist der richtige Ausdruck. Besser Vernichtung! Das ist Frau Merkel!!!

  • Das sogenannte "Eigentum" wird lediglich vom Staat gemietet. Einfach mal die Steuern nicht bezahlen, dann findet der "Eigentuemer" ganz schnell herraus wem das Haus wirklich gehoert.

  • Wenn man einmal davon ausgeht dass es auch nur in Ansätzen noch marktwirtschaftlich zugeht, dann wirkt sich die Erhöhung der Grunderwerbsteuer wie ein Vermögensverlust für bestehende Häuser und Wohnungen aus, denn bei gleicher Kaufkraft muss der neue Besitzer ja billiger einkaufen. Man kann es auch so sehen: die Wohnungen und Häuser werden immer armseliger und kleiner, da muss man sich die Scheibenreihenhäuser mal ansehen die da heute entstehen.
    Außerdem wird von den arbeitenden Menschen eine hohe Flexibilität verlangt. Da der Verkauf der alten und der Kauf der neuen Wohnung aber mit immer höheren Belastungen einhergeht die mit dem Wert der Immobilie nichts zu tun haben, werden viele junge Menschen es sich in Zukunft dreimal überlegen sich so eine Immobilie ans Bein zu heften. Dabei hat Deutschland heute schon oder noch immer einen der niedrigsten Eigentümerquoten in Europa.
    Die Politiker führen sich auf wie die Geier. Warum können nicht Kostenpositionen auch einmal abgebaut werden? Wann kommt die politische Alternative endlich in Schwung? Wir können bald unser Gehalt einfach beim Finanzamt abgeben, weit sind wir davon nicht mehr entfernt. Da wird einfach Missbrauch betrieben.

  • Zitat: "„Für den Fall, dass Immobilien zum Zweck der Vermietung angekauft werden, ist außerdem davon auszugehen, dass ein Teil der Kosten der Grunderwerbsteuer auf zukünftige Mieter überwälzt werden.“"
    So ein Quatsch. Die Grunderwerbssteuer ist ein Kostenblock, der selbstverständlich komplett und nicht nur zum Teil in die Kalkulation der erforderlichen Miete eingeht.
    Insbes. Rot-Grün hat mal wieder bewiesen, dass deren Sonntagsreden wie "Wir wollen bezahlbaren Wohnraum" lediglich dummes Geschwätz sind. Wenn man sich dann noch ansieht, welche Kommunen in der letzten Zeit die Grundsteuer erhöht haben (in meiner Heimatkommune konnte die Erhöhung für die Grünen gar nicht hoch genug sein), so stellt man fest, wie asozial Länder und Kommunen agieren, indem sie das Wohnen ständig weiter verteuern.
    Ich kann nicht verstehen, dass Leute, die richtig heftig Steuern zahlen, immer noch die raffgierigen etablierten Parteien wählen.
    P. S.: NRW erhöht nun mal wieder die Grunderwerbssteuer, um den Spitzenverdienern unter den Beamten eine ordentliche Gehaltserhöhung bezahlen zu können.

  • Das Wort Grundsteuer ist bedeutsam. Die Abnicker besteuern
    Eigentum, damit geben sie zu, daß es in ihrem Machtbereich, kein Eigentum gibt.

  • Tja, so funktioniert`s. Bei denen, die sich nicht wehren können, außer sie würden bei Wahlen diese Missstände erkennen und berücksichtigen, zulangen, was das Volk hergibt. Kein Wunder, daß die wenigsten des Volkes kein Bein auf die Erde bekommen und das erarbeitete Geld nur vom 1. bis zum 31. des Monats reicht. Im Gegensatz dazu werden Immobilienspekulanten mit nur einer Grunderwerbsteuer von bis zu 6,5% belohnt. Es gibt viele Beispiele für Ungerechtigkeiten, leider basiert unsere Wirtschaft und das Staatsunwesen auf diesem Grundprinzip. Umgekehrt wäre es richtig, grundsätzlich hohe Besteuerung und für "Ersttäter" hohe Freibeträge.
    Sagt ein mehrfacher Immobilienbesitzer, der noch Zeiten mit 2% Grunderwerbsteuer vor 25 Jahren erleben durfte.

  • Das ist aber wirklich nichts Neues: die öffentliche Hand, Kommunen und Bund, sind die größten Preistreiber auf dem Wohnungsmarkt.
    Dafür haben die Leute ihre Mietpreisbremse bekommen. Das schafft zwar keine einzige Wohnung, aber bedient das Feindbild der Bürger/Innen.

  • Wer Immobilien kauft ist per Definition reich. Dann kann der Staat doch auch kräftig abkassieren!

  • Immobilien sind, wie der Name schon andeutet, schwer ausser Landes zu schaffen und koennen sich nicht verstecken. Der Fiskus langt immer dort zu wo es einfach ist und ordentlich as zu holen gibt. Da stehen Immobilien eben ziemlich weit oben auf der Liste. Auch Bankkonten, Renten- oder Versicherungsvertraege lassen sich nicht verstecken und die naechste Banken/Euro-Rettung kommt bestimmt.

  • Immobilien heißen so, weil man sie nicht mitnehmen kann, wenn man aus diesem Land heraus will.
    Daher ist bei gestimmten Gruppen mobile Währung angesagt: Zeiteisen etwa mit Diamanten besetzt, Goldketten, aber auch Diamanten als klassische Fluchtwährung mit globaler Liquidität.

    Immobilen kosten außer Grunderwerbsteuer, die sich seit den 70ern des letzten JH hier und dort leicht verdoppelten jedoch auch noch Grundsteuer, welche die Gemeinden zumeist erheben und die auch recht disponibel wären.

    So melkt der Fiskus auf allen ebenen all diejenigen ab, die es nicht besser wissen und/oder können.
    Eine deutliche Zweiklassengesellschaft eben.

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