Grunderwerbsteuer
Melkkuh Immobilienkäufer

Der Immobilienboom weckt Begehrlichkeiten. Seit die Länder die Grunderwerbsteuer selber festlegen können, drehen sie an der Steuerschraube. Immobilienkäufer müssen immer tiefer in die Tasche greifen.
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BerlinIn Ballungsgebieten sind die Immobilienpreise zuletzt stark gestiegen. Die Entwicklung mag so manchen Kaufinteressenten abschrecken, für die Bundesländer ist der Boom jedoch eine große Freude. Denn er beschert ihnen Rekordeinnahmen. Die Länder profitieren von der Grunderwerbsteuer, die beim Übertragen einer inländischen Immobilie erhoben wird, also wenn ein Kaufvertrag über ein Grundstück, Haus oder eine Wohnung in Deutschland geschlossen wird.

Seit der Föderalismusreform 2006 können die Bundesländer selbst über den Grunderwerbsteuersatz bestimmen, zuvor lag dieses Recht beim Bund. Von ihrem Recht, Immobilienkäufer nach eigenem Gusto zu schröpfen, machen auch fast alle Länder hemmungslos Gebrauch. „Vom Immobilienboom in den Ballungsgebieten profitieren die Bundesländer über ein höheres Aufkommen an Grunderwerbsteuer. Dabei profitieren viele Bundesländer sogar doppelt“, sagte der Bundesvorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft, Thomas Eigenthaler, Handelsblatt Online. Die Grunderwerbsteuer bemesse sich nach dem Kaufpreis. „Erhöhen sich die Preise, erhöht sich auch die Besteuerungsgrundlage“, erläutert Eigenthaler.

Hinzu kommt, dass bis auf Bayern und Sachsen die Länder auch die Steuersätze erhöht haben. Während Bayern und Sachsen immer noch 3,5 Prozent ansetzen, den Satz, der von 1998 bis 2006 bundesweit galt, verlangt Berlin sechs Prozent Grunderwerbsteuer. „Das sind über 70 Prozent mehr als in Bayern“, sagt der Steuerexperte. Spitzenreiter ist Schleswig-Holstein, wo sogar 6,5 Prozent anfallen.

Die nächste Erhöhung steht in Hessen an, wo die Grunderwerbsteuer ab 1. August 2014 von fünf auf sechs Prozent steigen soll. Die saarländische Regierung hat eine Erhöhung der Grunderwerbsteuer um einen Prozentpunkt auf 6,5 Prozent bereits beschlossen. Dem Land soll das Mehreinnahmen von 33 Millionen Euro im Jahr bringen.

Überhaupt hat sich für die Länder – auch bedingt durch die Preissprünge bei Immobilien – die Steuer auf den Grunderwerb zu einer lukrativen Einnahmequelle entwickelt. Im Jahr 2010 nahmen die Bundesländer damit rund 5,3 Milliarden Euro ein. Das war etwa ein Hundertstel des gesamten Steueraufkommens in Deutschland. 2013 lag das Steueraufkommen schon bei 8,4 Milliarden Euro, für dieses Jahr rechnen die Steuerschätzer mit 9,2 Milliarden, bis 2018 mit 9,6 Milliarden Euro.

Im März dieses Jahres verzeichneten die Länder sogar so hohe Einnahmen wie noch nie. Nicht zuletzt wegen Erhöhungen des Steuersatzes in mehreren Ländern stieg das Aufkommen nach Angaben des Bundesfinanzministeriums um 11,3 Prozent. Dank des Immobilienbooms ist das Grunderwerbsteueraufkommen mittlerweile fast doppelt so hoch wie das der Erbschaftsteuer. Noch 2009 war das Aufkommen beider Steuern fast gleich groß.

Kommentare zu " Grunderwerbsteuer: Melkkuh Immobilienkäufer"

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  • wieso soll nur der mieter der dumme sein?. alle immobilienbesitzer sind die dummen. auch diejenigen die nicht vermietet haben. denn diese zahlen genauso die grundsteuer. beim erwerb eines grundstückes um mietwohnungen zu bauen bezahlen sie die grunderwerbsteuer. der staat zockt all diejenigen ab die eine immobilie zum selbsbezug erwerben oder eine immobilie vermieten. mieter und vermieter sind gleichermaßen betroffen.

  • Es geht halt auch nicht, dass alle in Bestlage in der Stadt wohnen, wenn der Raum begrenzt ist. Und dann regelt das entweder der Markt mit höheren Preisen, oder der Staat fördert Wohnraum für bestimmte Personengruppen.

  • Arme Mieter; mit der verfehlten Abschöpfungspolitik der Länder verteuert sich der Wohnraum und der Mieter ist der Dumme, da er letztendlich noch höhere Mieten zu zahlen hat.

    Das Lamentieren der Länder bezüglich der ach so abgezockten Mieter ist somit heuchlerich, da selbst verursacht.

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