Grundsatzrede zur Integration
De Maizière nimmt Flüchtlinge in die Pflicht

Klare Worte in der Integrationsdebatte: Der Innenminister fordert von Migranten mehr Anstrengungen. Aus Träumen von einem besseren Leben könnten sich keine Ansprüche ableiten, sagt de Maizière in einer Grundsatzrede.

BerlinInnenminister De Maizière fordert ein „verbales Abrüsten“ in der Integrationsdebatte. Von in Deutschland lebenden Muslimen erwartet er, sich stärker für Integration von Flüchtlingen zu engagieren.

Die Debatten um das Thema Flüchtlinge seien lange mit dem rhetorischen Dampfhammer geführt worden. Es sei an der Zeit, „massive Übertreibungen“, wie die Bezeichnung der Flüchtlingskrise als Staatsversagen, zurückzuweisen, forderte Bundesinnenminister de Maizière beim Zukunftskongress Migration und Integration in Berlin. Zwar habe man "Fehler gemacht" und "auch mal den Überblick verloren", er beklagt aber eine Hysterisierung der Sprache in der Integrationsdebatte. Das werde den Problemen nicht gerecht und helfe nicht bei Bewältigung. Er fordert deshalb ein „verbales Abrüsten“.

Gleich zu Beginn seiner Rede vor Vertretern aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft appellierte er an alle Bürger, sich auch mit dem eigenen Glauben und den westlichen Traditionen auseinanderzusetzen. Kaum jemand kenne den genauen Unterschied zwischen Katholizismus und Protestantismus. „Können wir genau erklären, was der Sinn von kirchlichen Feiertagen ist und warum wir in Deutschland davon so viele haben?“, fragte der Minister weiter. Niemand müsse religiös werden, wenn er es nicht sei, oder in die Kirche gehen, wenn er nicht möchte. Kenntnisse über den christlichen Glauben und Tradition und über andere Religionen seien aber sinnvoll und wichtig.

Die Gesellschaft müsse akzeptieren, dass Religionen auch heute eine große Bedeutung haben und, dass die Bedeutung durch die hohe Zahl sehr religiöser Zuwanderer steigt. Deshalb müssten auch die Religionsgemeinschaften Verantwortung übernehmen. „Wenn Moscheevereine und Muslime sich nicht bei der Integration beteiligen, wird es viel schwieriger.“ Er erwarte deshalb mehr Engagement von den Islam-Verbänden in Deutschland.

Die oft genannten Kriterien für gelungene Integration empfindet der CDU-Politiker nicht ausreichend. Es sei nicht genügend, wenn Flüchtlinge Arbeit finden, der Sprache mächtig sind und sich an Gesetze halten. Genauso wichtig sei, dass die Menschen sich der Gesellschaft zugehörig fühlen. Darüber möchte De Maizière eine öffentliche Debatte führen. Ankommen brauche aber auch Zeit und nicht alle Träume würden wahr, mahnte De Maizière. Es brauche Neugier, Realismus und Geduld.

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