Günther Jauch
„Was ist die Rendite einer Erzieherin?“

Die Lokführer und Kita-Erzieherinnen streiken für mehr Geld, darum diskutiert Günther Jauch einen Tag nach dem Tag der Arbeit über gerechnet Löhne. Die Diskussion über Zurückhaltung und Exzesse blieb leider oft zu vage.
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BerlinAm Ende des dank des Tages der Arbeit langen Wochenendes, und vor Beginn des „Mammutstreiks“ der streiklustigsten deutschen Gewerkschaft, hatte Günther Jauch seine ARD-Talkshow unter das Thema „Deutschlands Löhne - was ist unsere Arbeit wert?“ gestellt.

Nett formuliert, wurde es eine Beschwörung sozialer Marktwirtschaft, in der bemerkenswert viel Konsens herrschte - und in der ungefähr jedes Stichwort wirtschaftspolitischer Talkshow-Debatten der letzten Jahre wieder einmal auftauchte.

Dabei hatte die Sendung bemerkenswert konkret begonnen. Vier im Publikum platzierte Berufstätige sollten berichten, wieviel sie zurzeit verdienen, und sagen, wieviel sie gerne verdienen würden. Eine niedersächsische Altenpflegerin gab an, dass sie mit 30 Stunden Wochenarbeitszeit im Monat 1.700 bis 1.800 Euro brutto verdient, aber 2.500 Euro angemessen fände. Für ebenfalls 30 Stunden erhalte sie 2.540 Euro, berichtete eine bayerische Erzieherin. Ein Berliner Polizeikommissar, der für 40 Stunden exakt 2.404 Euro bekommt, machte darauf aufmerksam, dass Polizisten in der Hauptstadt im Vergleich mit anderen Bundesländern am wenigsten verdienten, während ihre Belastung mit am höchsten sei. Und ein KfZ-Mechatroniker gab an, dass er 2.000 Euro verdient und gerne 200 Euro mehr hätte.

So konkret sieht und hört man das selten. „Man glaubt nicht, wie so eine soziale Situation Exzess begrenzt“ - nämlich wenn alle offen vor  der Gruppe der Kollegen begründen sollen, wieviel sie verdienen wollen. Das sagte, wesentlich später im Verlauf der Show, Rainer Voss. Der ehemalige Investmentbanker hatte bei der Deutschen Bank nach Jauchs Angaben „zeitweilig das 25- bis 30-fache“ solcher Summen verdient. Inzwischen ist er Privatier und hält horrende Banker-Gehälter „fast“ für „sozial ungerecht“. Voss machte die relativ instruktivsten Beiträge in Jauchs Sendung. „Was ist die Rendite der Reparatur einer kaputten Schul-Toilette? Was ist die Rendite einer Erzieherin?“ fragte er noch später rhetorisch. Ein Problem staatlicher Leistungen sei, „dass wir die Kosten berechnen können, aber die Rendite ist diffus“, auch daher würden soziale Berufe vergleichsweise schlecht bezahlt, obwohl jeder fordert, dass in Bildung investiert werden müsse.

Leider wurde keine dieser Anregungen aus- oder auch nur weiterdiskutiert. Leider saßen in Jauchs Runde Interessenvertreter, die allesamt ihre bekannten Agenden durchdeklinierten.

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Linke, die Unternehmer glücklich machen

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  • In der Sache gebe ich Ihnen recht nur Vergleiche mit früher sind immer falsch.
    Ein Smartphone was ich heute kaufe hätte vor 10 Jahren noch den 10 fachen Wert gehabt.
    Ergo hängt die Lebensqualität nicht allein vom Einkommen ab sondern auch der Produktentwicklung.

    Ein Grund für das auseinanderdriften von Gehältern ist die Verteilung der Wertschöpfung in der Welt.
    Einzelne Wertschöpfungsprozesse können genauso gut in Korea oder China gemacht werden.
    Das senkt natürlich den Wert der Arbeit einzelner Arbeitnehmer hier.
    Gut verdient dann nur noch wer im Hightech-Bereich tätig ist.

    Manche glauben vielleicht auch ohne Euro hätte es die Entwicklung in China nie gegeben und in Korea könnten sie keine Autos bauen.

  • Ich finde "Entlohnung" ist ein Teufelskreis und ich kann beide Seiten verstehen: die Arbeitnehmer die eine höhere Entlohnung gerne hätten und oftmals auch brauchen, und die Unternehmer die einfach mal auf die "Gesamtarbeitgeberbelastung" schauen.

    Viele Arbeitnehmer wissen ja nicht einmal, was ein Arbeitgeber noch alles auf eine Arbeitnehmerstelle draufzahlt, von dem ganzen bürokratischen Verwaltungsaufwand mal abgesehen. Welcher Arbeitnehmer kennt schon U1/U2, Insolvenzgeld, Berufsgenossenschaft und und und.

    Der AN als Verbraucher will gerne nichts ausgeben und gerne günstig, billig und billiger einkaufen; am Ende muss der Hersteller aber auch seine Mitarbeiter und das ganze drumherum auch bezahlen.

    Ich denke das man hier eigentlich beim Staat ansetzen muss. Der deutsche und auch andere Staaten sind einfach zu fett und aufgebläht, schmeissen mit dem Geld der AN und AG um sich, sparen gerne bei anderen...nur nicht bei sich selbst. Schlanke Verwaltung FÜR den Bürger und NICHT gegen den Bürger ist gefragt. Ach Gott; ich träume schon wieder.

    Ich persönlich denke dass das steuerfreie Einkommen so hoch angesetzt werden muss, das von 1600 brutto keine Lohnsteuern gezahlt werden müssen., Das macht im Monat etwa 70-90 Euro netto mehr aus. Für Einkommen in dieser Kategorie ist das eine Menge Holz und machen wir uns nichts vor: die Kohle ist heute nicht einmal mehr die Hälfte wert von dem was es vor 20 Jahren noch war. Verdienen Sie heute das Doppelte auf die Hand wie vor 20 Jahren?

    Ebenso hätte ich gerne mal eine logische Erläuterung vom BMfF warum AN zwar zur Arbeit hin, aber nicht zurück die Fahrtkosten steuerlich ansetzen dürfen?

    Auch muss man einfach mal hinterfragen, warum derart viele gesetzliche Krankenkassen mit den ganzen Prachtbauten und Angestellten überhaupt existieren müssen. Das sind für mich alles Quersubventionen der AN und AG an Leute, denen ich keinen echten Mehrwert für meine Person zuschreibe.

    Deutschland und die Welt verwaltet sich tot.

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