Günther Lachmann und die AfD
„Welt“ wirft AfD-Reporter raus

Die Tageszeitung „Die Welt“ zieht Konsequenzen in der Affäre um ein angebliches AfD-Beratungsangebot eines Redakteurs. Sie trennt sich von dem Journalisten.

BerlinDie Tageszeitung „Die Welt“ trennt sich von ihrem Redakteur Günther Lachmann. Das bestätigte Chefredakteur Stefan Aust am Samstagabend der Deutschen Presse-Agentur. Hintergrund der Entscheidung sind Vorwürfe, Lachmann habe sich der AfD als Berater angeboten. Aust sprach von einem „groben Verstoß gegen journalistische Grundsätze“. Lachmann bestätigte der dpa ebenfalls die Trennung, wollte aber auf Anfrage keine weitere Stellungnahme abgeben.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) reagierte mit scharfer Kritik auf den Fall. "Ratschläge von Journalisten an Politiker und Parteien, wie sie sich besser vermarkten oder in den Medien besser "rüberkommen", sind mit der journalistischen Unabhängigkeit nicht unter einen Hut zu bringen. Das geht gar nicht", sagte DJV-Sprecher Hendrik Zörner dem Handelsblatt. Zörner sieht den Fall Lachmann als Mahnung für andere Journalisten. "Bei aller Nähe zu Politikern, die vor allem in Berlin unvermeidbar ist, müssen sich Journalisten ihre kritische Distanz bewahren. Sonst verspielen sie ihre Glaubwürdigkeit", sagte der DJV-Sprecher.

Die Affäre ins Rollen gebracht hatte der nordrhein-westfälische AfD-Vorsitzende Marcus Pretzell. Auf Facebook behauptete er Ende Januar: „Herr Lachmann wollte zwar die AfD mit (den Vorsitzenden) Frauke Petry und Jörg Meuthen beraten, aber er wollte seinen Job als Journalist bei „Die Welt“ nicht aufgeben und dort weiter verantwortlich sein für die Berichterstattung über die AfD.“

Nach Angaben Austs wies Lachmann die Beschuldigungen zunächst zurück und gab zudem eine Eidesstattliche Versicherung ab. „Damit wollten wir auch deutlich machen, dass wir die Vorwürfe vollständig aufgeklärt haben wollen“, sagte der Chefredakteur. Am Samstag habe der Redakteur dann aber die Echtheit mehrerer Mails an die AfD bestätigt. „Aus den Mails geht klar hervor, dass Lachmann der AfD eine Art Konzeptvorschlag für eine Neuausrichtung der Partei geschrieben hat“, sagte Aust. Das sei mit einer journalistischen Tätigkeit für die „Welt“ nicht zu vereinbaren.

AfD-Vize Alexander Gauland kritisierte das Vorgehen Pretzells. Dieser habe über „vertrauliche Gespräche“ in der Öffentlichkeit gesprochen und einen Journalisten damit „beruflich vernichtet“, sagte Gauland der dpa. Meuthen und er selbst hätten dies missbilligt: „Das entspricht nicht unserer Politik.“ Gauland betonte zugleich, dass es sich um eine Auseinandersetzung zwischen Pretzell und Lachmann handele: „Das geht die AfD nichts an.“

Agentur
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Dietmar Neuerer
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Handelsblatt / Reporter Politik
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