Günther Oettinger
Der Anti-Barroso

In der EU-Kommission ist Günther Oettinger für das Ressort Energie zuständig. Doch er nimmt auch in der Euro-Debatte kein Blatt vor den Mund. Das bekommt dann ziemlich ungefiltert Kommissionschef Barroso zu spüren.
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BerlinSoviel Gegensatz war selten in der Brüsseler EU-Kommission: Erst vor zwei Wochen nutzte Kommissionspräsident José Manuel Barroso das „WDR-Europaforum“, um das Ende der Euro-Krise auszurufen. „Die existenzielle Krise des Euro ist vorbei“, sagte der Portugiese. Wenige Tage später grätscht ihm Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) dazwischen und zieht über den Brüsseler Euro-Optimismus her.

Zwar fällt in der Rede, die Oettinger vor der Deutsch-Belgisch-Luxemburgischen Handelskammer (debelux-AHK) hielt und aus der die „Bild“-Zeitung zitiert, nicht explizit der Name Barroso. Doch der Ton, den der frühere baden-württembergische Ministerpräsident anschlägt, lässt keinen Zweifel zu: Wenn Oettinger sagt, dass Brüssel „die wahre schlechte Lage noch immer nicht genügend erkannt“ habe, dann meint er damit auch die Einschätzungen Barrosos.

Und Oettinger wird noch deutlicher, als er auf die Lage in Frankreich und anderen EU-Ländern zu sprechen kommt. „Europa ist ein Sanierungsfall“, zitierte das Blatt Oettinger. „Mir macht Sorge, dass derzeit zu viele in Europa noch immer glauben, alles werde gut.“ Deutlicher kann man sich wohl nicht von der schönfärberischen Linie des Kommissionspräsidenten absetzen. Oettinger zieht andere Schlüsse aus der schwelenden Euro-Krise und verkörpert damit so etwas wie einen Anti-Barroso.

Dabei versucht der CDU-Politiker mit Themen zu punkten, die gar nicht explizit zu seinem Aufgabenfeld in Brüssel zählen. Oettinger ist dann ganz der Generalist von früher, als er noch in Stuttgart die Geschicke Baden-Württembergs lenkte. Während sich der Energiekommissar sonst für bezahlbare Energie einsetzt und der Nutzung der umstrittenen Schiefergas-Förderung (Fracking) das Wort redet, nimmt er sich immer häufiger die Euro-Politik vor oder bringt sich mit Äußerungen zur Zukunft der Europäischen Union in Stellung. Manchmal schießt er dabei auch übers Ziel hinaus.

Kommentare zu " Günther Oettinger: Der Anti-Barroso"

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  • Haben Sie es noch nicht bemerkt wie regierungskonform die Medien bei uns sind ? Aber die andere Wahl, rot/grün , ist ja noch schlimmer! Die würden gleich Eurobonds machen . So bleibt nur ungültig wählen oder AfD !


  • Die Südländer brauchen eine abwertbare Währung,die der Euro nicht ist. Es müsste jedem klar sein, dass wir uns in einer Abwärts-Spirale befinden, denn es wurde und wird schlimmer.
    Mit mehr Zeit, und/oder neuen Krediten ist es nicht lösbar,
    Italien,Spanien und Frankreich werden uns das bald beweisen. Politiker im Euro-Parlament, in der EU in Brüssel
    bekommen das nie in den Griff , da sie bereits in den ersten Euro-Jahren in der Überwachung der Staaten voll versagt haben. Europa ist nicht reif für eine Gemeinschaft: Es herrscht nur Interesse nationale Vorteile zu erreichen.
    Daher AfD , die einzige Lösung !

  • Die Parade war schon nahe am Ende als sich ein Mann traute
    der glotzenden und Beifall spendenden Menge zuzurufen, dass der Kaiser doch nackt sei und gar keine Kleider trage.
    Andere Akteure wie Schäuble ,Merkel loben ihre Rolle, sehen
    Europa auf gutem Weg und wenn sich Oettinger endlich getraut, gegen die geschönten Darstellungen der EU Herren,der EZB, der deutschen Politik im Allgemeinen ,
    aufzumucksen, wird der Artikel schnell wieder gelöscht.
    Die Ansicht eines üblen Spekulanten wie Soros, der seine eigenen Ziele verfolgt, wird in Unis und den Medien
    Platz eingeräumt.
    Der Euro ist eine für Europa nicht passende Währung,
    aber unsere Politiker sind nicht lernfähig. Der deutsche Steuerzahler wird es schon zahlen.Nur die AfD könnte uns retten, denn sie hat erkannt, dass D. ausbluten wird an der Aufgabe Staaten wie GR u. andere im Euro zu halten.

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