Gütesiegel
EU setzt „Made in Germany“ zu

Geplante Änderungen am Warenursprungsrecht alarmieren Politik und Verbände. Sie befürchten, dass aus dem Qualitätslabel „Made in Germany“ schnell „Made in Taiwan“ werden könnte.
  • 5

BrüsselWeil die EU-Kommission Änderungen am Ursprungsrecht für Waren plant, könnte es bald weniger Produkte geben, die mit dem Qualitätslabel „Made in Germany“ werben. Bislang liegt der Ursprung einer Ware in jenem Land, in dem die „letzte wesentliche, wirtschaftlich gerechtfertigte Verarbeitung“ vorgenommen wurde. Egal, aus welchen Ländern die Einzelteile kommen.

Der für das Zollwesen zuständige EU-Kommissar Algirdas Semeta will Informationen des Handelsblatts zufolge dieses Prinzip aufweichen und stattdessen den Wert der aus dem Ausland stammenden Zulieferteile für eine Ware als Maßstab nehmen. Übersteigt er die Grenze von 45 Prozent beim Endprodukt, kann aus dem „Made in Germany“ in der Folge schnell ein „Made in Taiwan“ werden. Verbände und Politiker schlagen Alarm. Der Deutsche Industrie und Handelskammertag (DIHK) erwartet „schwerwiegende Auswirkungen für den Export“. Und Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil fordert: „In Deutschland gefertigte Produkte müssen ihren Ursprung in Deutschland behalten.“

Thomas Ludwig
Thomas Ludwig
Handelsblatt / EU-Korrespondent

Kommentare zu " Gütesiegel: EU setzt „Made in Germany“ zu"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Kurzer Hinweis, dass Deutschland kein Geld für das ebenfalls bankrotte Portugal geben würde und dieser Berufssteuerverschwender kommt auf dem Bauch nach Berlin gekrochen.
    In der Sache hat er natürlich nicht ganz so unrecht, aber zu diesem Zeitpunkt sollten die Hülsen in Brüssel an anderes denken !!!

  • Reiner Lobbyismus.

    "Made in Taiwan" ist nicht unbedingt schlechter als "Made in Germany". Die Zeiten sind seit Jahren vorbei. Mir ist ein PC "Made in Taiwan" sogar lieber als einer, der in Deutschland gefertigt und womöglich gar entwickelt wurde. Das können die Taiwaner einfach besser.

    Interessanterweise sind Taiwaner aber verrückt nach dem "Made in Germany" und geben Unsummen für z.B. entsprechende Küchengeräte. aus.

  • Die Problematik ist sehr klar dargestellt. Es wird an der Zeit, dass derart wichtige Zoll-und Aussenhandelsthemen, auch wenn sie keine leichte Kost und nicht besonders "sexy" sind, nicht nur in Fachkreisen, sondern auch in übergeordneten politischen Kreisen beachtet und diskutiert werden.
    Es fehlt allerdings ein wichtiger Aspekt: beginnt die EU mit derartigen Listenregeln, ist die Wahrscheinlich extrem hoch, dass andere Länder -unsere Exportmärkte- dies aufgreifen und ebenfalls eigene, abweichende Regeln einführen werden. Ein deutscher Exporteur müsste dann seine Ware ggf nach USA mit Ursprung A, nach Indien mit Ursprung B und nach Argentinien mit Ursprung C liefern, was praktisch nahezu unmöglich ist.
    Die Generaldirektion Steuern und Zölle muss sich im klaren sein, dass sie ein neues, gigantisches Handelshemmnis erfindet, dass viele Länder in der momentanen Situation dankend annehmen werden. Hier schliesst sich der Kreis zum gestrigen Bericht "EU Kommissar wirft G20 Behinderung des Handels vor.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%