Guido Westerwelle
Der Unsichtbare

Am Anfang der Legislaturperiode blamierte sich Guido Westerwelle durch sein schrilles Auftreten. Nach seinem Sturz als FDP-Parteichef ist es ruhig um ihn geworden. Wie steht die Lage heute?
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DüsseldorfDer Wind hat sich gedreht: Am Anfang der Legislaturperiode war Guido Westerwelle FDP-Chef, Vizekanzler, Außenminister – und unangefochtener Fettnäpfchen-König. Kritik von Parteifreunden und Koalitionspartnern stürzte Westerwelle von seinem Thron. Nun führt Philipp Rösler die Geschicke der FDP, ist Wirtschaftsminister, sitzt an der Seite der Kanzlerin – und blamiert sich, wo er nur kann. Kaum zwei Jahre im Amt, rütteln seine Parteikollegen jetzt an seiner Macht.

Kurz vor dem traditionellen FDP-Dreikönigstreffen in Stuttgart kochen die Gerüchte um einen baldigen Sturz Röslers hoch. Westerwelle, der früher eher für seine Ego-Shows bekannt war, reagiert besonnen auf die Spekulationen: „In Wahlkämpfen geht es zuallererst um politische Inhalte und nicht um innerparteiliche Selbstbeschäftigung.“

Sicherlich täte es den Freidemokraten gut, wenn sie sich auf ihr politisches Konzept konzentrieren: Laut bundesweiten Umfragen würde es die FDP bei Bundestagswahlen momentan nicht über die Fünf-Prozent-Hürde schaffen. Westerwelle beteiligt sich nicht am Rösler-Bashing wie etwa seine Parteikollegen Wolfgang Kubicki oder Hermann Otto Solms, sondern verteidigt seinen jungen Kollegen fast schon: „Ich war zehn Jahre lang selbst Parteivorsitzender und weiß, wie verantwortungsvoll und manchmal schwer das Amt des FDP-Vorsitzenden ist.“

Das Amt war schwer, der Sturz tief. Zehn Jahre lang prägte Westerwelle mit seinen polarisierenden Auftritten als Parteivorsitzender das Bild der FDP - und hatte damit Erfolg: Bei den vergangenen Bundestagswahlen 2009 bescherte er den Freidemokraten mit 14,6 Prozent das beste Wahlergebnis der Parteigeschichte. Doch die Doppelbelastung von Parteiführung und Ministeramt schienen eine Nummer zu groß. Seine schrillen Auftritte mochten teilweise populär sein – doch sie standen einem Außenminister und Vize-Kanzler nicht so recht zu Gesicht. Die Fauxpas häuften sich.

Kommentare zu " Guido Westerwelle: Der Unsichtbare"

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  • Die global wandelnde, fleischgewordene Freiheitsstatue, sie scheint bei einigen "Machthabern" selbstzerfleischende Aspekte für gut befunden haben. Das beste Beispiel, wie sich eine Tröte zum Lautsprecher adelte, um sodann bei Turbulenzen den Absturz auf Raten zur Erreichung minderer Einnahmen bei der Pension, zu üben.

    Spätestens im September weiß er dann selbst, wie es aussieht, daß sein Typ offiziell nicht mehr gebraucht wird. Da können heute noch so viele Lloyds der Papierlandschaft "liberaler" Ausrichtung auf dem Thema "politischer" Dreifaltigkeit aus cdufdpspd herum eiern, es wird nichts draus. Die Parteienlandschaft hat fertig.

    Fehlen nur noch vor den Wahlen die Begünstigungsklauseln, daß die fünfprozentige Hürde wegfällt. Hallo Weimar, wir kommen wieder. Die Geschichte vergißt nichts, wenn die Politiker auch so tun, um das eigene Tun als hervorragende Leistungen dahin stellen, wo sie unangebracht sind, beim Volk. Das muß letztendlich alles wieder ausbaden.

    Demokratie verlangt Vielfalt zum richtigen Augenblick. In den letzten Jahren sind aus Augenblicken richtige Hingucker geworden, was der eine oder die andere so über den Tag wohl tun?

  • schon wieder ein FDP-Artikel ... Lasst doch die Toten ruhen !

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