Guido Westerwelle
Trauriges Leben im Umfrage-Keller

Für Guido Westerwelle gibt es allenfalls Höflichkeitsapplaus, denn ein anderer stiehlt im die Show: Wie der Außenminister mal zeigen wollte, dass er was von Außenpolitik versteht – und Rainer Brüderle ihn in den Schatten stellt.
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BERLIN. Schwer ist das Leben im Kellerloch, wusste schon der russische Klassiker Maxim Gorki. Und in der Politik wird man im Umfrage-Keller leicht zum „lebenslustigen Pessimisten“, wie Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass formulierte. Guido Westerwelle (FDP) würde das weit von sich weisen. Krampfhaft will der Außenminister beweisen, dass er kein innenpolitischer Rambo ist, seinen außenpolitischen Verpflichtungen entschlossen nachkommt und – ganz FDP – sich für die Wirtschaft ins Zeug legt.

Doch wie er es macht im Trauertal der niedrigsten Zustimmungsrate zu einem Bundesaußenminister seit Bestehen der Republik, macht er es verkehrt. Da will sich Westerwelle als Sprachrohr für Deutschlands Unternehmen präsentieren – und dann stiehlt ihm Rainer Brüderle (FDP) die Show.

Zum Wirtschaftstag der Botschafterkonferenz des Auswärtigen Amtes hatte Westerwelle geladen. Über 1 000 Firmen- und Verbandsvertretern waren seiner Einladung gefolgt, so viele wie nie zuvor. Man ist liberal, man macht Außenwirtschaftsförderung, es ist dies ein zentrales gemeinsames Projekt der FDP-geführten Ministerien für Äußeres, Wirtschaft und Entwicklungshilfe. Also hat sich der Hausherr auch den Wirtschafts-Ressortchef Brüderle an seine Seite geholt.

„Guido Kolumbus“ entdeckt die Welt

Als oberster Diplomat Deutschlands gibt Westerwelle immer wieder den „Guido Kolumbus“, wenn er den vielgereisten Managern und Botschaftern seine Entdeckungen verrät: „Deutschland genießt den allerbesten Ruf in der Welt, das kann ich Ihnen berichten“, ruft er in den Saal. Da rührt sich keine einzige Hand. Kein Beifall, auch nicht, wenn Westerwelle den Auslandsexperten sagt: „Ich überrasche vielleicht einige: Aber wir exportieren noch immer mehr in die Niederlande als nach China.“ Ein „automatisches Sanktionsregime“ gegen Defizitsünder wie Griechenland fordert Westerwelle, wettert gegen eine „Transferunion“ in Europa.

Brüderle erzählt nicht viel anderes – aber gibt sich volksnäher: „Es geht nicht gut, wenn einer bestellt und der andere die Zeche zahlt. Das kennen wir aus allen Kneipen und Gastwirtschaften.“

Doch wie man es macht... Brüderle sagt also zumeist das gleiche, aber einfach anders und schlägt so seinen Parteichef in dessen eigenen minsterialen vier Wänden: Ist der Applaus für den Außenminister am Ende höflich, so klatschen die Botschafter und Firmenvertreter Brüderle herzlich und laut Beifall.

„Der rappelt sich nie wieder auf“, kommentieren bekennende FDP-Wähler unter Firmenlenkern über den Parteichef. Und: „Brüderle hat ihn deklassiert.“

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent

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  • "brüderle hat ihn deklassiert"

    ich würde sagen: Unterboten hat er ihn,

    bewiesen daß man im Wahn der Lobbyvertretung komplett den Anschluß an die Realität verlieren kann.

  • Ein Parteivorsitzender ohne Konzept - so präsentiert sich Westerwelle fast täglich.

    Lobbyarbeit für Hoteliers, die Großindustrie u. Stomkonzerne ist einfach zu wenig. Pöpelei gegen Hartz iV-Empfänger kommt zudem nicht an.

    Als Außenpolitiker kommt er zudem überhaupt nicht an, entweder er weiss selbst nicht wofür er steht, oder er kann es einfach nicht kommunizieren.

    So eine große Flasche hatte Deutschland nicht einmal unter Rot-Grün und es ist schon schwer, eine Schlaftablette wie Scharping (SPD) als laaaangsamer Verteidigungsminister intellektuell und als Lachfigur zu unterbieten. Westerwelle schafft dies leicht - kein eigenes Konzept, kein Profil nur eine Platte im Schrank (und die kann keiner - nicht einmal FDP-Mitglieder mehr hören!).

    Westerwelle muss sich neu erfinden oder sofort zurücktreten. Eine andere Alternative gibt es bei Komplettversagen einfach nicht!

  • Die Freiheitlichen Freiheitskämpfer sind überrumpelt von Sarrazin und jetzt auch noch von Merkel. Westerwelle könnte Koranschuler werden und den Koran verteidigen, aber bringt das Stimmen?Sicher nicht,so steht die FDP im islamischen Regen
    und ist raus,aus die Maus. Der Widerstand gegen
    Überfremdung und bevormundung durch Asylanten und Migranten wird ohne Westerwelle geführt. Es sei denn, Westerwelle verbrennt öffentlich das Parteiprogramm der FDP und fordert einen Neuanfang.

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