Guido Westerwelle
Westerwelle – Vorsicht, Muskeln!

Trotz des Triumphes in Hessen verkneift sich FDP-Chef Guido Westerwelle Siegerposen. Denn die könnten ihm sein größtes Ziel vermasseln: den Job des Außenministers.

BERLIN. 16,2 Prozent! Als FDP-Chef Guido Westerwelle am Tag nach der Hessen-Wahl aus der Präsidiumssitzung mit Landeschef Jörg-Uwe Hahn vor die Mikrofone im Foyer des Berliner Thomas-Dehler-Hauses eilt, müssen sie an zahlreichen Fotografen vorbei. Die wollen natürlich ein Bild von Westerwelle und Hahn vor dem gelbblauen Plakat mit dem Titel: "Danke Hessen - ein guter Start für Deutschland". Doch was sich früher minutenlang hinziehen konnte, dauert nicht mehr als zehn Sekunden.

Dann sagt Guido Westerwelle: "Es ist genug." Und eilt mit Hahn aufs Podium.

Guido Westerwelle hat einen großen Plan. Ähnlich wie der Kollege Hahn in Wiesbaden Roland Koch rettete, will er nach der Bundestagswahl im Herbst Angela Merkels Platz im Kanzleramt sichern und zur Belohnung Außenminister und Vizekanzler werden. Der FDP-Chef hat das so ausdrücklich natürlich noch nie gesagt. Doch keiner in seiner Partei - oder in Berlin - zweifelt wirklich daran. Wer in der Politik solche Träume hegt, der träume leise. Also tut Guido Westerwelle alles, um seine Freude über den liberalen Hessen-Coup im Zaum zu halten.

Leicht dürfte ihm das nicht fallen. Hinter dem 46-jährigen Mann aus Bonn liegen zehn Jahre Opposition, in denen er tatenlos den Regierungen Schröder und Merkel zuschauen musste. Nur in Talkshows, in Wahlkämpfen oder pfiffigen Reden im Bundestag konnte er sich und seine Partei profilieren. Da dürfte innen drin mancher Frust gewuchert sein. Doch nun ist Westerwelle Chef einer Partei, die nun über den Bundesrat mit fünf schwarz-gelben Landesregierungen fast eine dritte Regierungspartei ist, neben CDU, SPD und CSU. So viele politische Muskeln hatte Westerwelle noch nie.

Mit ihnen protzen jedoch, posieren wie ein junger Arnold Schwarzenegger, das verbietet sich Westerwelle. Fast emotionslos gratuliert er Hahn zum Wahlsieg, analysiert minutenlang trocken die Gründe für das gute Abschneiden seiner Partei in Hessen. Das Statement ist durchzogen mit Begriffen, die einem Außenminister gut zu Gesicht stünden: Die FDP sei ein "verlässlicher Partner für bürgerliche Mehrheiten", sie wolle die stärkere Position im Bundesrat "klug nutzen", aber "nicht abheben". Es handele sich lediglich um eine "strategische Minderheitenposition im Bundesrat". Westerwelle redet sich klein. Für klare Aussagen, wie die FDP das Konjunkturpaket nachbessern wolle, sei es "noch zu früh", sagt er diplomatisch.

Wie es tief drin in Westerwelle aussehen dürfte, zeigt das Gefühlsleben seiner Partei am Wahlabend. Die FDP-Anhänger sangen im Thomas-Dehler-Haus, der Berliner Parteizentrale, den Hit: "So ein Tag, so wunderschön wie heute, so ein Tag, der dürfte nie vergehen!" Junge Liberale entzünden Wunderkerzen. Vorstandsmitglieder umarmten sich, als sie sich um den Parteichef sammelten. Der reckt nur kurz die Faust in die Höhe, mehr Emotionen sollten es nicht werden. Im kleinen Kreis lässt er den Abend in einem Berliner Restaurant ausklingen. Am Mittwoch trifft er sich mit der Bundeskanzlerin - aber nicht um Schwarz-Gelb zu feiern: Westerwelle will mit Merkel "über die Zukunft Deutschlands" sprechen.

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