Gustav Greve
AfD-Vordenker schmeißt hin

Der Aderlass der AfD geht weiter. Nun verlässt auch Gustav Greve die Partei. Als Vordenker sollte er ein Grundsatzprogramm ausarbeiten. Das übernehmen jetzt Top-Parteifunktionäre aus dem konservativen Flügel.
  • 3

BerlinGustav Greve, der für die Alternative für Deutschland (AfD) federführend ein Grundsatzprogramm erarbeiten sollte, ist aus der Partei ausgetreten. Das bestätigte der Sprecher der AfD, Christian Lüth, dem Handelsblatt.

„Gustav Greve hatte bereits vor dem Parteitag in Essen angekündigt, den Programmprozess nicht mehr leiten zu wollen“, sagte Lüth. Von daher seien bereits im Vorfeld dieser Entscheidung in der Bundesgeschäftsstelle „Vorkehrungen getroffen“ worden, um den Prozess nach dem Rücktritt Greves ohne Bruch im Arbeitsablauf fortsetzen zu können. „Der Programmprozess wird von Albrecht Glaser, Beatrix von Storch und Alice Weidel nahtlos fortgesetzt“, so Lüth. Die Programmarbeit verzögere sich somit nicht. Der November-Termin für den Mitgliederparteitag, auf dem das neue Programmbeschlossen werden soll, könne gehalten werden.

Die konservative Europaparlamentarierin von Storch und der frühere Frankfurter CDU-Kämmerer Glaser sind stellvertretende Vorsitzende der AfD. Weidel gehört dem Bundesvorstand der Partei an.

Greve, der als Vertrauter von Ex-AfD-Bundessprecher Bernd Lucke gilt, hatte schon im Frühjahr im Interview mit dem Handelsblatt anklingen lassen, dass er sich in der Partei nicht mehr besonders wohl fühlt. Damals erhob er schwere Vorwürfe gegen die AfD-Landesverbände in Brandenburg, Sachsen und Thüringen erhoben.

„Der Erfolg, den die AfD in Brandenburg, Sachsen und Thüringen hatte, führt möglicherweise zu der Einschätzung, dass die Welt, so wie sie dort ist, überall in Deutschland ist“, sagte Greve. Das sei aber nicht der Fall. „Deshalb habe ich es nicht verstehen können, dass man glaubt, wenn man selber Erfolg hat, anderen sagen zu können, wie sie in ihrer Region Erfolg haben können.“

„Aber dieses Phänomen der Bevormundung und Nulltoleranz finden wir auf allen Ebenen – im Bundesvorstand genauso wie in Landesvorständen und in der Mitgliedschaft“, sagte Greve weiter. „Das führt zu Querulantentum, zu Shitstorm-Reaktionen, zu Trotz-Austritten – und macht natürlich keinen Spaß. Das Anerkennen, dass der andere vielleicht auch Recht haben könnte, wird dann schwer.“

Kritisch sah Greve in diesem Zusammenhang die Rolle der sozialen Medien. „Es ist tatsächlich so, dass man morgens mit Zittern seine Mails öffnet und schaut, welche Sau in der vergangenen Nacht mal wieder durchs Dorf getrieben wurde“, sagte er. Er selbst habe keinen Facebook-Account und sei auch bei keinem Parteiforum im Internet dabei. „Ich würde das emotional gar nicht aushalten, weil ich nicht ertragen könnte, wenn man mich beschimpft. Ich bin ja auch nicht in einer Partei eingetreten, um mich von Parteifreunden beschimpfen zu lassen.“

Mit Blick auf das Grundsatzprogramm nannte es Greve unabdingbar, dass die AfD Positionierungen vertrete, die ihr irgendwann auch die Regierungsoption eröffnen. „Es ist vertane Mühe, wenn wir uns von vornherein auf ewig auf die Oppositionsoption beschränken. Eine Partei verfehlt ihren Lebenszweck, wenn sie nicht auch mitgestalten kann und will. Parteien sind das Geschäft mit Macht und Politik. Und das sollten wir auch wollen“, sagte Greve damals.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

Kommentare zu " Gustav Greve: AfD-Vordenker schmeißt hin"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Vielen Dank und alles Gute.
    Frank Perka

  • Gut das auch der weg ist, dann geht's endlich vorwärts. Diese gelernten Betriebsbremsen braucht eigentlich niemand.

  • Greve war kein Vordenker für die AfD, sondern ein Gehilfe für den Aufbau einer Bernd Lucke CDU/FDP 2.0.
    Es ist gut und konsequent, dass Hr. Greve jetzt für eine wirkliche Alternative Poltiik platz macht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%