Gutachten angefragt
Weitere Gutachten zum Atommülllager Asse

Die Entscheidung über den sichersten Weg zur Schließung des maroden Atommülllagers Asse in Niedersachsen wird voraussichtlich nicht vor Ende des Jahres fallen. Das Bundesumweltministerium will der Stilllegung des maroden Endlagers weitere Gutachten einholen.

HB BERLIN. Unter Experten sei umstritten ob „Drinlassen, Umlagern oder Rausholen“ die sicherste Methode im Umgang mit dem Atommüll in dem Bergwerk sei, teilte das Ministerium am Freitag in Berlin mit. Die „Arbeitsgruppe Optionenvergleich“, die Wege zur sicheren Schließung des Endlagers untersuche, empfehle in einem Bericht Klärung offener Fragen.

Die vollständige Räumung des Bergwerks bei Wolfenbüttel von allen Atommüllbehältern sei eine der Optionen, sagte ein Ministeriumssprecher. Dazu werde das Bundesamt für Strahlenschutz jetzt auch das Rückholen der 125 000 Fässer mit schwachradioaktiven Müll aus der Asse wissenschaftlich begutachten lassen.

Eine alleiniges Ausräumen der 1 600 Fässer mit mittelradioaktiven Abfällen aus dem Bergwerk sei unter dem Gesichtspunkt der Langzeitsicherheit des Lagers nicht zu empfehlen, erklärte das Ministerium weiter. Die stärker strahlenden, aber kurzlebigeren Radionuklide in den mittelaktiven Abfällen hätten für die Langzeitsicherheit eine untergeordnete Bedeutung.

Ein zweites wissenschaftliches Gutachten soll zudem die Möglichkeit der Umlagerung der radioaktiven Abfälle innerhalb der Schachtanlage prüfen. Nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) müssten für eine Umlagerung unterhalb des jetzigen Bergwerks in tieferen Salzschichten ganz neue Einlagerungskammern errichtet werden. Auf Grundlage der beiden Gutachten soll die Experten der „Arbeitsgruppe Optionenvergleich“ bis Jahresende eine abschließende Bewertung vornehmen.

Der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König, bezeichnete unterdessen das Atommülllager Asse als „eines der größten Umweltprobleme der Bundesrepublik“. Bei der Übernahme der Verantwortung für das Bergwerk habe man „ein Haus vorgefunden, das schwer einsturzgefährdet und feucht ist“, sagte König bei einer Bürger-Veranstaltung in Schöppenstedt. „Asse war nie als Endlager geeignet, die Nachweise für eine Eignung lagen nie vor“, betonte er.

Auch König kündigte bis Jahresende eine Grundentscheidung über die Sanierung des Atommülllagers an. Bis zum Jahresende wolle man einen Weg für die Stilllegung formuliert haben, mit dem man dann weiter arbeiten könne. Derzeit würden alle Optionen von der Flutung der Grube bis zur vollständigen Rückholung der Abfälle geprüft.

Bei einer Rückholung würden die Abfälle in das benachbarte Endlager Schacht Konrad in Salzgitter gebracht, betonte der BfS-Präsident. Dazu sei ein Verfahren mit Beteiligung der Öffentlichkeit zur Änderung der Genehmigung von Schacht Konrad notwendig. Ohne eine Erweiterung der Konrad-Genehmigung könne das im Bau befindliche Endlager in Salzgitter die 125 000 Atommüllfässer aus der Asse nicht aufnehmen.

Der Bundesrat stimmte am Freitag der Änderung des Atomgesetzes zu, durch die das BfS Betreiber des Atommülllagers Asse wird. Atomkraftgegner aus der Region wollen am 26. Februar mit einer Lichterkette von Braunschweig zur Schachtanlage Asse und zum Endlager Konrad gegen die Atommülllagerung an beiden Standorten protestieren.

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