1 Bewertung *****
17.08.2008 
Chemische Industrie

Gute Chemie statt Klassenkampf

von Dietrich Creutzburg

Die Sozialpartner der chemischen Industrie leisten Vertrauensarbeit für die Marktwirtschaft: Nun haben sie einen „Kodex für sozial verantwortliches Handeln“ unterzeichnet – und den Bundespräsidenten damit hoch erfreut.

"Da haben Sie ein ganz, ganz wichtiges Signal gesetzt", lobt Bundespräsident Horst Köhler die Sozialpartner. Foto: dpaLupe

"Da haben Sie ein ganz, ganz wichtiges Signal gesetzt", lobt Bundespräsident Horst Köhler die Sozialpartner. Foto: dpa

BERLIN. Ja, geht denn das? Wo gibt es denn so etwas? "Wir machen Klischees kaputt", gibt Eggert Voscherau als Losung aus. Mögen sich andere über einen Realitätsverlust immer gierigerer Manager ereifern - oder umgekehrt über blinde Realitätsverweigerung verbohrter Gewerkschafter und Linkspopulisten. Wer 60 Jahre und ein paar Wochen nach der Geburtsstunde der Sozialen Marktwirtschaft deren Niedergang gekommen sieht, hat die Sozialpartner der Chemieindustrie nicht auf der Rechnung.

Voscherau, Präsident des Bundesarbeitgeberverbands BAVC und bis Februar 2008 auch Vize-Vorstandschef von BASF, hat es sich zusammen mit dem Gewerkschaftsvorsitzenden Hubertus Schmoldt zur Aufgabe gemacht, die immer lauteren Abgesänge auf das deutsche Konsensmodell Lügen zu strafen. Als erstes fassbares Ergebnis unterzeichneten sie dazu am Donnerstag in Berlin vor geladenen Gästen einen "Kodex für sozial verantwortliches Handeln".

Dem feierlichen Vertragsschluss ging ein einjähriger Diskussionsprozess mit Unternehmens- und Arbeitnehmervertretern der Chemieindustrie voraus, wissenschaftlich begleitet vom deutsch-amerikanischen Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik. Ganz praktisch soll der Pakt den Tarif- und Betriebsparteien Leitlinien für einen konstruktiven Umgang mit Interessenkonflikten geben, wie sie für eine im globalen Wettbewerb stehende Branche typisch sind. Doch damit nicht genug: "Neues Vertrauen in die Soziale Marktwirtschaft und unsere Demokratie stiften", skizziert Schmoldt das selbst gesteckte Ziel.

Das könnte anmaßend wirken, wo Umfragen fast im Wochentakt sinkende Vertrauenswerte für die gesellschaftlichen Institutionen ergeben. Andererseits aber, so Schmoldts Diagnose, erklärten sich hier zu Lande nach wie vor "allzu viele für nicht zuständig", geeignete Antworten auf die Globalisierung zu geben - "in den Führungetagen der Unternehmen genauso wie in den Verbänden und Organisationen". Die Botschaft: Gewerkschaften und Arbeitgeber können neue Reformbereitschaft organisieren, indem sie deutlicher machen, wo und inwiefern Veränderung zum allseitigen Vorteil ist.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Die Milliardärin Penny Pritzker aus Chicago soll nach US-Medienberichten Wirtschaftsministerin in der Regierung des designierten Präsidenten Barack Obama werden. Mit dieser Personalie nimmt die Regierungsmannschaft zwei Wochen nach der US-Wahl allmählich Gestalt an.Bildergalerie 

  • Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlos...

    Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlossen wurde

    Auf dem Weltfinanzgipfel in Washington wollten die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) einen Fahrplan für eine neue Weltfinanzordnung vereinbaren, die eine Finanzkrise, die die ganze Welt in die Rezession treibt, in Zukunft verhindern soll. Was beschlossen...Bildergalerie 

  • Was führende Köpfe vom Finanzgipfel e...

    Was führende Köpfe vom Finanzgipfel erwarten

    Nichts Geringeres als eine neue Weltfinanzordnung wollen die 20 Staats- und Regierungschefs der größten Wirtschaftsmächte am Wochenende in Washington aus der Taufe heben. Was Politiker, Konzernchefs, Ökonomen und andere führende Köpfe aus der Finanzwelt vom Weltfinanzg...Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Kein Ausweg aus der Finanzkrise in Sicht  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Hermann-Josef Knipper

Der letzte Tag der „Euro Finance Week“ in Frankfurt hat das ganze Drama der Macht- und Ratlosigkeit der Finanzbranche deutlich gemacht. Nach der harschen Kritik von Bundespräsident Horst Köhler, der nicht weniger als ein neues Weltfinanzsystem gefordert und viele Schuldige benannt hatte, mühten sich Banker, Ökonomen und Notenbanker um Auswege aus der Krise. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Deutscher Bauernstaat  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Helmut Hauschild

Die Bundesregierung tut sich mit ihrer Agrarpolitik als Industriestaat keinen Gefallen. Kommentar