Gutes Geschäft
Kauf von Steuer-CDs rechnet sich für Fiskus

Nach Angaben des Finanzministeriums hat NRW rund 10,3 Millionen Euro in den Kauf von Daten-CDs über Steuersünder in der Schweiz investiert. Eingenommen hat das Land dadurch inzwischen jedoch schon Milliarden.
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DüsseldorfNordrhein-Westfalen hat nach Angaben des Finanzministeriums für Datenträger mit Informationen über deutsche Steuersünder in der Schweiz rund 10,3 Millionen Euro bezahlt und Milliarden eingenommen. Seit 2010 seien sechs CDs gekauft worden, sagte eine Ministeriumssprecherin in Düsseldorf. Finanzminister Norbert Walter-Borjans stellte zudem im Landtag klar, dass die Verkäufer der Steuer-CDs ihre Honorare versteuern müssen: „Bei Auszahlung des Kaufpreises an die Anbieter wurden regelmäßig Steuern abgezogen.“ Nach Steuern habe das Land rund 8,9 Millionen Euro für die CDs aufgewendet, sagte die Sprecherin weiter. Dem standen Einnahmen in Milliarden-Höhe gegenüber: Durch Steuer-Verfahren und Selbstanzeigen seien dem Fiskus mehr als drei Milliarden Euro in die Kassen gespült worden, sagte die Sprecherin.

Das Magazin "Focus" berichtete unter Berufung auf eine Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der FDP-Landtagsfraktion, nach vorläufiger Auswertung listeten die Datenträger insgesamt 6989 Anleger auf. Daraus resultierten bislang 2624 Strafverfahren in ganz Deutschland.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hatte in ihrer Regierungserklärung erst am Mittwoch bekräftigt, weiter entschieden gegen Steuersünder vorgehen zu wollen. Steuerhinterziehung sei Betrug an der Gesellschaft. „Wir werden Steuerflucht entschieden bekämpfen“, betonte Kraft. Sie hatte zudem ebenso wie Walter-Borjans das Steuerabkommen mit dem Nachbarland scharf kritisiert, weil Steuersünder durch das Vertragswerk ihrer Auffassung nach zu günstig davonkommen. Kraft geht von einem Scheitern des Abkommens im Bundesrat aus.

Nordrhein-Westfalen hat unter anderem CDs mit Daten von deutschen Kunden der Banken Julius Bär und Credit Suisse gekauft. Finanzkreisen zufolge soll auch eine Schweizer Tochter der US-Großbank Merrill Lynch betroffen sein. Von dem Finanzinstitut war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Gutes Geschäft: Kauf von Steuer-CDs rechnet sich für Fiskus"

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  • @ Mazi,
    "Ja" Bananenrepublik ist korrekt.
    Lassen sich Verbrechen (Steuerhinterziehung / Hehlerei) nicht gegeneinander aufrechnen, sollte die Steuerhinterziehung mit komplettem Einzug des hinterzogenen Geldes und zusätzlicher Strafzahlung geahndet werden.
    Nun, das Beispiel Zumwinckel hat doch belegt, dass im Grund keine Konsequenz gezogen wurden und auch nicht beabsichtigt sind.
    Wenn ausschließlich und einseitig die unabdingbare Rechtstaatlichkeit gefordet wird, dann sollte es doch auch genügen Verbrechen als strafbar zu erklären - und alle Konsequenzen (Strafen) werden aufgehoben.

  • 3 Milliarden € = 3000 Millionen Euro - d.h. auf der Basis von rechtsstaatlich gültigen und für alle Bürger geltenden Gesetzen - "nachgezahlte" Steuern!

  • "Kauf von Steuer-CDs rechnet sich für Fiskus"

    Das ist doch eine peinliche Begruendung. Wer so argumentiert, sollte besser in den Drogenhandel einsteigen, das rechnet sich noch besser !

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