Guttenberg-Affäre: Thierse unterstellt Merkel "Schizophrenie"

Guttenberg-Affäre
Thierse unterstellt Merkel "Schizophrenie"

Der Ärger unter Doktoranden über den Plagiator ist groß. Doch Kanzlerin Merkel lässt das kalt. Eine "Missachtung der Wissenschaft" könne sie nicht erkennen. Nun ist der Ärger noch größer - auch bei Wolfgang Thierse.

Berlin/DüsseldorfBundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse hat Bundeskanzlerin Angela Merkel für ihr Festhalten an Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) scharf kritisiert. „Die Bundeskanzlerin macht einen großen Fehler, wenn sie glaubt, dass Guttenbergs Betrug und sein geistiger Diebstahl nicht das öffentliche Amt des Verteidigungsministers berühren“, sagte der SPD-Politiker dem „Hamburger Abendblatt“ (Dienstagausgabe).

Die CDU-Chefin teile Guttenberg in die Privatperson einerseits und den Minister andererseits. „Diese Art von Schizophrenie ist absolut unzulässig.“

Der Wissenschaftsstandort Deutschland nehme schweren Schaden, betonte Thierse. Es sei „ein erstaunlicher Vorgang“, dass Merkel als Regierungschefin dies für irrelevant halte und auch das Aufbegehren Zehntausender Doktoranden und Wissenschaftler ignoriere, sagte Thierse mit Blick auf den Protestbrief Tausender Doktoranden an die Bundeskanzlerin.

Thierse warnte: „Es gibt ohnehin bereits ein erhebliches Misstrauen der Bevölkerung gegenüber der Politik. Wenn Guttenberg jetzt so weitermachen kann wie bisher, wird sich dieses Misstrauen noch verschlimmern.“

Dennoch bleibt Kanzlerin Angela Merkel bei ihrer Ansicht, dass die Fehler von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg bei seiner Doktorarbeit unmaßgeblich für seine politische Arbeit sind. „Die Bundeskanzlerin bedauert keine Äußerung, die sie in der Sache Guttenberg in den letzten Tagen gemacht hat“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin.

Merkel hatte in der Plagiats-Affäre zu Guttenbergs Verteidigung erklärt, sie habe ihn nicht als wissenschaftlichen Assistenten berufen, sondern als Minister. Seibert sagte, die Kanzlerin habe weiter Vertrauen zu dem CSU-Politiker. „Daran hat sich nichts geändert in den letzten Tagen.“ Guttenberg sei ein bewährter Minister, der „weiterhin seine Arbeit tun kann und tun soll“. Der Sprecher räumte ein, dass es um ernste Vorwürfe gehe. „Das ist ein in der Wissenschaft sehr ernster Vorgang.“ Die Promotion sei zu Recht infrage gestellt worden.

Die Kanzlerin könne Erregung und verletzte Gefühle in der wissenschaftlichen Welt durchaus verstehen, sagte ihr Regierungssprecher. „Sie teilt aber nicht den Schluss, dass es sich um eine Missachtung der Wissenschaft handelt.“ Merkel habe großen Respekt vor Wissenschaftlern und wissenschaftlichen Leistungen. Bei der Frage, wer ein geeigneter Verteidigungsminister ist, kämen aber andere Sachüberlegungen zum Tragen als eine Promotion.

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