Guttenberg in der Kritik: "Kein Sonderrecht für Mediengünstlinge!"

Guttenberg in der Kritik
"Kein Sonderrecht für Mediengünstlinge!"

Trotz seiner dritten Verteidigungsoffensive in der Plagiatsaffäre ist die Glaubwürdigkeit zu Guttenbergs dahin, meint der Dresdner Parteienforscher Patzelt. Im Interview erklärt er, warum Guttenbergs Tage gezählt sind.
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Herr Professor Patzelt, Minister zu Guttenberg räumt Fehler ein und verzichtet auf seinen Doktortitel. Hilft ihm das?

Werner J. Patzelt: Nein. Seine Glaubwürdigkeit ist dahin. Er behauptet zuerst, alle Vorwürfe seien abstrus - und hat dann seine Universität um Befreiung vom Doktortitel gebeten, weil die vorgelegte - und mit "summa cum laude" bewertete! - Dissertation voller Unsinn sei. So etwas kann man nicht durchgehen lassen. Kommt man dem Freiherrn mit den gleichen Maßstäben, die er selbst unlängst an den Generalinspekteur der Bundeswehr und an den Kapitän der "Gorch Fock" angelegt hat, dann ist klar: Er sollte nicht "seinen Doktor entlassen", sondern sich selbst - und zwar ohne Großen Zapfenstreich.

Guttenberg gilt als Superstar der deutschen Politik. Hat sein Image durch die Affäre Schaden genommen?

Ja, sicher! Und weil er nach so kurzer Amtszeit politisch im Wesentlichen noch von Ankündigungen, schönen Worten und seinem Image lebt, ist das für ihn fatal. Dass der größte Teil der Deutschen ihn trotzdem im Amt sehen will, zeigt nur, wie politisch unerzogen unser Volk immer noch ist: Es sucht weiterhin nach einer Lichtgestalt, für die normale Maßstäbe nicht gelten, und es schätzt den Schein mehr als das Sein.

Die SPD bezweifelt, dass der Minister - derart angeschlagen - sein Amt angesichts der gewaltigen Herausforderungen noch vernünftig führen kann. Teilen Sie die Zweifel?

Vollständig. Ich möchte die spöttischen Reden über ihn gar nicht hören, die nun - voll berechtigter Schadenfreude - über ihn in der Bundeswehr geführt werden. Wie will er je wieder über Ehrlichkeit, Durchhaltewillen oder gar Tapferkeit reden, wenn seine eigenes Durchhaltevermögen nicht einmal für eine ehrlich erarbeitete Doktorarbeit und sein Mut nicht für das Eingestehen eines Scheiterns gereicht hat?

Wie bewerten Sie das Verhalten der Unionsspitze - Kanzlerin Merkel hat sich ja voll hinter Guttenberg gestellt?

Die öffentliche Erklärung, man stünde hinter einem angeschlagenen Minister, ist nur die Umarmung vor dem Todeskuss. Im Übrigen ist wenig angenehmer für einen Regierungschef, gleich ob in Berlin oder in München, als wenn ein aufsteigender Rivale strauchelt und fortan von der eigenen, jederzeit wieder entziehbaren Gunst abhängt!

Wäre Guttenberg trotz der aktuellen Affäre ein möglicher Kanzlerkandidat?

Den Deutschen wäre das zuzutrauen. Doch die Union müsste fortan jedes Plädoyer für Anstand und Redlichkeit unterlassen - oder machte sich und ihren Kanzlerkandidaten lächerlich.

Was würde es für die Politik insgesamt bedeuten, wenn Guttenberg über die Plagiatsaffäre stürzen sollte?

Es würde zeigen, dass auch für Mediengünstlinge kein Sonderrecht besteht, und es wäre ein warnendes Beispiel für alle kometenhaft aufsteigenden Jungpolitiker, die mit allzu wenig Einsatz allzu viel erreichen wollen. Beides täte unserer Demokratie gut.

Professor Dr. Werner J. Patzelt ist Gründungsprofessor des Dresdner Instituts für Politikwissenschaft und hat den Lehrstuhl für Politische Systeme und Systemvergleich seit 1991 inne.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

Kommentare zu " Guttenberg in der Kritik: "Kein Sonderrecht für Mediengünstlinge!""

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  • Warum sind diese Ungereimtheiten in seiner Doktorarbeit eigentlich in den ganzen letzten Jahren niemandem aufgefallen, besonders nicht der Uni Bayreuth?? Vielleicht, weil er damals noch nicht so politisch aktiv, noch nicht so bekannt, so beliebt, so... Verteidigungsminister, so... Hoffnungsträger war!? Die versammelte linke Mischpoke hat irgendwas gesucht, um ihn zu beschädigen und ihre widerlichen medialen Zuträger und Erfüllungsgehilfen leisten willig Beistand. Zum Kotzen!
    Vielleicht sollte man mal systematisch sämtliche Doktorarbeiten von Akteuren, Hiwis und Sympathisanten der politischen Gegenseite auf Korrektheit überprüfen...!

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