Guttenberg-Rücktritt: Vom Wert der Wahrhaftigkeit

Guttenberg-Rücktritt
Vom Wert der Wahrhaftigkeit

An Politiker werden besondere Maßstäbe angelegt. Denen muss auch ein Karl-Theodor zu Guttenberg letztlich genügen. Er tat es nicht. Daher ist sein Rücktritt folgerichtig. Ein Gastkommentar von Wolfgang Clement
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Es schien wie eine Karriere aus dem politischen Bilderbuch. Dass jemand wie dieser Karl-Theodor zu Guttenberg innerhalb kürzester Zeit zum absoluten Shootingstar der deutschen Politik werden konnte, das war eigentlich unvorstellbar und hatte es wahrlich noch nicht gegeben in der bundesdeutschen Geschichte: Der unangefochten beliebteste Politiker des Landes, der Hoffnungsträger der Unionsparteien, der jugendlich wirkende Held an der Spitze der Bundeswehr.

Ein junger Mann, mit einer engagierten Frau zur Seite, der viele Wählerinnen und Wähler zu begeistern und die Truppe für sich einzunehmen verstand und dem darob manche schon die Kanzlerschaft in Aussicht stellen wollten. Das passte in dieses von allzu vielen Medien aufbereitete Faszinosum, das zumindest zeitweise die Mechanismen des Berliner politischen Betriebs außer Kraft zu setzen schien.

Und nun dies, der Rücktritt, der „schmerzlichste Schritt“ in einem doch sehr jungen politischen Leben, der abrupte Absturz aus exorbitanter Höhe öffentlichen Ansehens. Innerhalb von etwa zwei Wochen ist das, was man sich angewöhnt hat, die „Plagiatsaffäre“ zu nennen, in einem Drama ohnegleichen geendet.

Für ihn, den Baron zu Guttenberg, kommt dies einer Katastrophe gleich, von der zu erholen ihm sehr, sehr schwerfallen wird. Die Frage einer Wiederkehr in hervorgehobene politische Ämter sollte man ihm deshalb für die nächsten Jahre, die kommen, ersparen. Seiner Partei und deren Vorsitzendem ist darob dringend Zurückhaltung anzuempfehlen.

Die Kanzlerin hat wieder einmal zu spröde, fast wissenschaftlich kühl reagiert. Sie brauche keinen wissenschaftlichen Assistenten, sondern einen fähigen Verteidigungsminister, war sinngemäß ihre beinahe einzige hörbare Einlassung zu einem ihrer wichtigsten Kabinettsmitglieder. Aber so hält man, wie sich zeigt, keinen Politiker im Amt – und wichtiger noch: So gewinnt man keine Menschen!

Für die deutschen Medien, jedenfalls in ihrer Mehrheit, wird aus dem steilen Anstieg und dem tiefen Absturz des Freiherrn von und zu Guttenberg auch kein Ruhmesblatt. Dazu waren das „Hosianna“ und das „Kreuziget ihn“ nur allzu nah beieinander, als dass sie je für sich bedacht hätten wirken können.

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  • Bin auch kein Fan von Herrn Clement (sehe in Ihm eine Art egoistischen Wendehals). Ich finde es aber gut im Handelsblatt auch mal andere Meinungen zu lesen. Ich finde das gehört zu gutem Journalismus. Seine Analyse hier bringt ein paar neue Gedanken.

  • Wer Korrektheit und Waherhaftigkeit zu "hohen Ansprüchen",

    von denen wohl bei Bedarf abgewichen werden kann, hochstilisiert

    und nicht zu unabdingbaren Grundvoraussetzungen zählt

    hat bereits verloren.

    Sonst gibt der Aufsatz auch Nichts mehr
    als ein publizistisches Hartz4 her.

  • dass ausgerechnet der notorische Selbstbereicherer und Seelenverkäufer Clement, der sich Zeit seines politschen Lebens lieber Stromkonzernvertreter genannt hätte - frei nach Volker Pispers: In Italien sagt man Mafia, bei uns verschämt: Stromkonzern - sich zu ethischen Fragen im Falle Guttenberg äußert, das hinterläßt eine ganz besonders starke Duftnote .... von der Journaille, die in dazu befördert, ganz zu schweigen.

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