Guttenbergs Buch

„Die größte Dummheit meines Lebens“

Das kommt bei einem buchlangen Interview heraus: Guttenberg räumt Fehler in seiner Doktorarbeit ein. Er teilt aber auch gehörig aus: Die Universität Bayreuth bekommt ebenso ihr Fett weg wie ehemalige Weggefährten.
Update: 29.11.2011 - 04:55 Uhr 16 Kommentare
"Vorerst gescheitert" heißt Karl-Theodor zu Guttenbergs Buch. Quelle: dpa

"Vorerst gescheitert" heißt Karl-Theodor zu Guttenbergs Buch.

(Foto: dpa)

Berlin/Freiburg/MünchenDer frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat der Universität Bayreuth in der Plagiatsaffäre schwere Vorwürfe gemacht. Guttenberg räumte ein, dass die Affäre der Universität geschadet habe. Doch statt die Vorgänge unabhängig zu bewerten, sei die Universität Bayreuth „immer Partei“ gewesen, sagt der 39-jährige CSU-Politiker in dem Interview-Buch „Vorerst gescheitert“, das an diesem Dienstag erscheint.

„Offensichtlich ging es ... um den drohenden Verlust von Forschungsgeldern“, sagt Guttenberg. „Ich bin nicht bereit, mir von einer Kommission, die noch nicht einmal mehrheitlich mit Juristen besetzt gewesen ist, eine rechtlich relevante vorsätzliche Täuschung vorwerfen zu lassen.“ Auch bei einem Ansehensverlust hätte die Wissenschaftseinrichtung „nicht Regeln und den Schutz von Persönlichkeitsrechten über Bord werfen“ dürfen, betonte Guttenberg in dem Buch. Er sei schließlich kein „Betrüger“.

Der bayerische Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) wies die Vorwürfe am Montag zurück. Er attestierte der Uni eine sorgfältige und unabhängige Prüfung der Doktorarbeit Guttenbergs. „Daran gibt es nichts zu deuten.“

Ermittlungen gegen Guttenberg eingestellt

Erneut versicherte Guttenberg, er habe bei seiner Dissertation „selbstverständlich“ keinen Ghostwriter gehabt. „Wenn ich die Absicht gehabt hätte, zu täuschen, dann hätte ich mich niemals so plump und dumm angestellt, wie es an einigen Stellen dieser Arbeit der Fall ist.“ Zugleich bezeichnete er die unter persönlichem Druck entstandene Doktorarbeit, die über weite Strecken nachweislich ohne Quellenangabe abgeschrieben war, als „größte Dummheit meines Lebens“.

Der frühere Verteidigungsminister greift in dem Buch auch ehemalige Weggefährten aus der CDU an. Er wirft Bildungsministerin Annette Schavan, Bundestagspräsident Norbert Lammert und dem früheren Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts, Wolfgang Böhmer, vor, ihm in der Affäre ohne Vorwarnung in den Rücken gefallen zu sein.

Von seinen Kritikern in der CDU greift Guttenberg vor allem Bundestagspräsident Lammert an, der im Zusammenhang mit der Plagiatsaffäre von einem Sargnagel für das Vertrauen in die Demokratie gesprochen haben soll. „Ein Sargnagel braucht immer jemanden, der den Hammer hält und den Sargnagel einschlägt“, sagt Guttenberg. „Diese Rolle würde ich dem Autor des Satzes zugestehen. Das war wirklich unglaublich.“

Guttenberg habe ohnehin aussteigen wollen
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16 Kommentare zu "Guttenbergs Buch: „Die größte Dummheit meines Lebens“"

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  • Doch, die Uni hat amit Schuld udn zwar gewaltig.
    Der Dr.-Vater und vorher die WiMis lesen eine eingereichte Dr.-Arbeit udn prüfen sie auf Plagiate.
    Dies scheint also nicht geschehen zu sein.

  • Anonymer Benutzer: GuttiSkeptiker

    Ich bin gespannt, ob die Deutschen diesem Rattenfänger von Kulmbach noch einmal auf den Leim gehen.
    ---------------------

    Ein Teil bestimmt, da bin ich sicher.
    Denn -und das ist ja das Traurige- es fehlen Lichtgestalten in unsrem Land
    Übrigens, falsche Dr.-Arbeit hin oder her, die haben andere auch, die merkwürdigerweise noch alle im Amt sind, was er z. B. übr die CSU sagt, stimmt. Von Volkspartei kann bei der Seehofer-CSU auch keine Rede mehr sein.
    Warten wir es mal ab
    Deutschland insgesamt ist mMn derzeit politisch ein gefährliches Pflaster oder sagen wir mal, befindet sich irgendwie in einem Vakuum und in einer solchen Situation haben "Erlöser" (leider) leichtes Spiel die Massen zu beeindrucken

  • Man denke über folgendes nach:

    Zum ersten Mal hat ein "intelligenter Schwarm" aus vernetzten Menschen, die seine Doktorarbeit über eine Internetseite überprüften, einen Politiker "erlegt" !

    Ohne die peinlich genaue Überprüfung in hunderten Stunden von kleinarbeit von hunderten und tausenden von Leuten, wäre Guttenberg nicht zu Fall gebracht worden.

    WO KANN DER SCHWARM ERNEUT ANSETZEN UND EINEM POLITIKER / BANKER /MANAGER EIN VERGEHEN NACHWEISEN, SODASS DIESER ABTRETEN MUSS !

    So ein Schwarm hat wahnsinnige Kraft und ist nicht stoppbar. Wir brauchen nur eine Idee, wo man ihn erneut einsetzen kann !

  • Ein neues Plagiat des Frhr. zu Guttenberg!!!
    Bleiben Sie bitte in den USA, und verschonen Sie uns mit ihren Plagiaten
    (Entschuldigung ) Büchern. Die Sie sicherlich auch nicht selbst geschrieben haben.
    Sie sind eine Schande ihres Adelsgeschelchtes.
    Danke

  • Dass der Dr. Titel auch gesellschaftliche Reputation bedeutet ist allen den Titel anstrebenden bekannt. Er war zwar nicht das Ausschlaggebende, aber dennoch ein hilfreiches Instrument beim Aufbau einer Karriere. Die Uni-Bayreuth hatte Herrn zu Guttenberg beim Schaffen dieser für ihn wichtigen Voraussetzungen geholfen und es befremdet ein wenig, dass er nach dem Aufdecken seiner Verfehlungen, die die Uni nicht zu verantworten hatte, ihr nun Vorwürfe macht. Erneut bringt der Freiherr mit seinen Attacken die akademische Welt gegen sich auf. Wenn jemand irgendwann nicht mehr überblicken kann, was von ihm oder anderen stammt, muss man ihm die Qualifikation diesen Titel zu erlangen, absprechen. Dass man als Politiker immer übertreiben muss um gehört zu werden, liegt in der Natur des Berufes, der von der Aussagekraft der Worte lebt. Allerdings verwunden Worte leichter als sie heilen. Und von Herrn zu Guttenberg hätte man eher heilende, denn verletzende Worte erwartet

  • Klatsch und Tratsch, wen interessiert das? Wer glaubt schon, dass Politiker perfekte Menschen sind? Müssen sie auch nicht sein, es würde reichen, wenn sie überdurchschnittlich integer sind. Nur ist leider das Gegenteil der Fall.

    Es gibt sicherlich interessantere Polit-Affären, die die Mainstreampresse gar nicht aufgreift, als eine abgeschriebene Doktorarbeit eines Showpolitikers.

  • So wie KTG nach allen Richtungen austeilt, ist er nicht teamfähig. Er hat keine Zukunft in der Politik, außer als Chef einer neu gegründeten Partei, die vollständig aus KTG-Fans besteht.

  • Warum erinnert dieser Herr an die dunkelste Gestalt Deutschlands? Auch der war nur ein Blender, wandelte einen Mißerfolg in seinen Erfolg ....
    War ein Redner, der die dummen Massen begeisterte ...

  • Es ist schon erschreckend, wie populistisch dieser Herr dumme Menschen fängt.
    Ein Lügner, der nach erwiesenem Abschreiben einen neuen Versuch ankündigt - die Schuld bei anderen sucht.

    Ein Schlag ins Gesicht aller gebildeter menschen.

  • Man muss diesem Blender und offensichtlich mit Realitätsverlust ausgestatteten Mann wirklich keine weitere Aufmerksamkeit widmen. Was meinen Glauben in dieser Affaire erschüttert hat, ist das Verhalten der Universität(en) und des Doktorvaters, die eine solche Arbeit mit cum laude durchgewunken haben. Es muss schon der Gedanke nach mehr Selbstkontrolle an den Universitäten erlaubt sein, denn mir scheint, dass einige Professoren ihrem hochdotierten Auftrag (C4) nicht gerecht werden!

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