Guttenbergs Buch
„Die größte Dummheit meines Lebens“

Das kommt bei einem buchlangen Interview heraus: Guttenberg räumt Fehler in seiner Doktorarbeit ein. Er teilt aber auch gehörig aus: Die Universität Bayreuth bekommt ebenso ihr Fett weg wie ehemalige Weggefährten.
  • 16

Berlin/Freiburg/MünchenDer frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat der Universität Bayreuth in der Plagiatsaffäre schwere Vorwürfe gemacht. Guttenberg räumte ein, dass die Affäre der Universität geschadet habe. Doch statt die Vorgänge unabhängig zu bewerten, sei die Universität Bayreuth „immer Partei“ gewesen, sagt der 39-jährige CSU-Politiker in dem Interview-Buch „Vorerst gescheitert“, das an diesem Dienstag erscheint.

„Offensichtlich ging es ... um den drohenden Verlust von Forschungsgeldern“, sagt Guttenberg. „Ich bin nicht bereit, mir von einer Kommission, die noch nicht einmal mehrheitlich mit Juristen besetzt gewesen ist, eine rechtlich relevante vorsätzliche Täuschung vorwerfen zu lassen.“ Auch bei einem Ansehensverlust hätte die Wissenschaftseinrichtung „nicht Regeln und den Schutz von Persönlichkeitsrechten über Bord werfen“ dürfen, betonte Guttenberg in dem Buch. Er sei schließlich kein „Betrüger“.

Der bayerische Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) wies die Vorwürfe am Montag zurück. Er attestierte der Uni eine sorgfältige und unabhängige Prüfung der Doktorarbeit Guttenbergs. „Daran gibt es nichts zu deuten.“

Erneut versicherte Guttenberg, er habe bei seiner Dissertation „selbstverständlich“ keinen Ghostwriter gehabt. „Wenn ich die Absicht gehabt hätte, zu täuschen, dann hätte ich mich niemals so plump und dumm angestellt, wie es an einigen Stellen dieser Arbeit der Fall ist.“ Zugleich bezeichnete er die unter persönlichem Druck entstandene Doktorarbeit, die über weite Strecken nachweislich ohne Quellenangabe abgeschrieben war, als „größte Dummheit meines Lebens“.

Der frühere Verteidigungsminister greift in dem Buch auch ehemalige Weggefährten aus der CDU an. Er wirft Bildungsministerin Annette Schavan, Bundestagspräsident Norbert Lammert und dem früheren Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts, Wolfgang Böhmer, vor, ihm in der Affäre ohne Vorwarnung in den Rücken gefallen zu sein.

Von seinen Kritikern in der CDU greift Guttenberg vor allem Bundestagspräsident Lammert an, der im Zusammenhang mit der Plagiatsaffäre von einem Sargnagel für das Vertrauen in die Demokratie gesprochen haben soll. „Ein Sargnagel braucht immer jemanden, der den Hammer hält und den Sargnagel einschlägt“, sagt Guttenberg. „Diese Rolle würde ich dem Autor des Satzes zugestehen. Das war wirklich unglaublich.“

Seite 1:

„Die größte Dummheit meines Lebens“

Seite 2:

Guttenberg habe ohnehin aussteigen wollen

Kommentare zu " Guttenbergs Buch: „Die größte Dummheit meines Lebens“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Doch, die Uni hat amit Schuld udn zwar gewaltig.
    Der Dr.-Vater und vorher die WiMis lesen eine eingereichte Dr.-Arbeit udn prüfen sie auf Plagiate.
    Dies scheint also nicht geschehen zu sein.

  • Anonymer Benutzer: GuttiSkeptiker

    Ich bin gespannt, ob die Deutschen diesem Rattenfänger von Kulmbach noch einmal auf den Leim gehen.
    ---------------------

    Ein Teil bestimmt, da bin ich sicher.
    Denn -und das ist ja das Traurige- es fehlen Lichtgestalten in unsrem Land
    Übrigens, falsche Dr.-Arbeit hin oder her, die haben andere auch, die merkwürdigerweise noch alle im Amt sind, was er z. B. übr die CSU sagt, stimmt. Von Volkspartei kann bei der Seehofer-CSU auch keine Rede mehr sein.
    Warten wir es mal ab
    Deutschland insgesamt ist mMn derzeit politisch ein gefährliches Pflaster oder sagen wir mal, befindet sich irgendwie in einem Vakuum und in einer solchen Situation haben "Erlöser" (leider) leichtes Spiel die Massen zu beeindrucken

  • Man denke über folgendes nach:

    Zum ersten Mal hat ein "intelligenter Schwarm" aus vernetzten Menschen, die seine Doktorarbeit über eine Internetseite überprüften, einen Politiker "erlegt" !

    Ohne die peinlich genaue Überprüfung in hunderten Stunden von kleinarbeit von hunderten und tausenden von Leuten, wäre Guttenberg nicht zu Fall gebracht worden.

    WO KANN DER SCHWARM ERNEUT ANSETZEN UND EINEM POLITIKER / BANKER /MANAGER EIN VERGEHEN NACHWEISEN, SODASS DIESER ABTRETEN MUSS !

    So ein Schwarm hat wahnsinnige Kraft und ist nicht stoppbar. Wir brauchen nur eine Idee, wo man ihn erneut einsetzen kann !

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%