Gysi und Lafontaine uneins
Präsidentenwahl löst Zwist bei Linken aus

Die Wahl des Bundespräsidenten am heutigen Samstag hat zu Unstimmigkeiten zwischen den beiden Fraktionschefs Oskar Lafontaine und Gregor Gysi geführt. Es ist die erste offene Auseinandersetzung der beiden linken Spitzenpolitiker seit dem Beginn ihres Führungsduos 2005.

HB BERLIN. In der Frage des Abstimmungsverhaltens der Linken bei der Bundespräsidentenwahl haben sich die beiden Fraktionschefs Oskar Lafontaine und Gregor Gysi erstmals seit Beginn ihres Führungsduos 2005 eine offene Auseinandersetzung geliefert. Während Lafontaine am Samstag vor der Wahl erklärt hatte, die Linke werde ihren Kandidaten Peter Sodann bereits vor einem zweiten Wahlgang zurückziehen, sagte Gysi am Mittag im Sender Phoenix, dies würde erst vor einem dritten Wahlgang geschehen. Beide ließen offen, ob die Linke die SPD-Kandidatin Gesine Schwan unterstützen würde. Sie ist für eine Wahl zur ersten Bundespräsidentin auf die Linke-Stimmen angewiesen.

Lafontaine hatte seinen Kurs vor der Sitzung der Linke-Delegation am Vormittag vor Journalisten mitgeteilt. Allerdings waren vorherige Äußerungen von Gysi und Linke-Chef Lothar Bisky genauso verstanden worden. Zwar hatten sie dies nicht so deutlich verkündet, aber noch am Vorabend ihre Delegierten darauf eingeschworen, dass Sodann im ersten Wahlgang alle Stimmen der Linken bekommen müsse. Das sei die Partei Sodann und sich selbst schuldig, hatten Gysi und Bisky erklärt und damit Spekulationen genährt, die Linke selbst könnte dem teilweise glücklos kandidierenden Sodann kritisch gegenüberstehen.

Für den zweiten Wahlgang hatten Gysi und Bisky nicht mehr von einer geschlossenen Wahl der Linken für Sodann, sondern mehr von der "Freiheit der Entscheidung" gesprochen. Allerdings lautete die Linie, erst nach dem ersten Wahlgang eine Entscheidung über das Abstimmungsverhalten zu treffen.

In ihrer bisher vierjährigen gemeinsamen Amtszeit als Fraktionsvorsitzende war es noch nie zu einem offenen Zwist zwischen Gysi und Lafontaine gekommen. Es handele sich möglicherweise um ein Missverständnis, hieß es in Fraktionskreisen. Jedoch wurde Lafontaine nachgesagt, er wolle im Gegensatz zu Gysi schnell eine Unterstützung der Linken für die SPD-Kandidatin deutlich machen, was zu einer Polarisierung auch im Wahlkampf für die Bundestagswahl führen könnte. Mehrere Linke-Abgeordnete rechneten allerdings mit einer Wiederwahl von Horst Köhler zum Bundespräsidenten gleich im ersten Wahlgang.

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