Haftbefehl gegen 65-Jahrigen erlassen
Libyens Atomprogramm hatte offenbar deutsche Helfer

Nach Erkenntnissen deutscher Ermittlungsbehörden haben zwei deutsche Geschäftsleute versucht, Libyen Produktionsanlagen für sein Atomwaffenprogramm zu beschaffen. Die Bundesanwaltschaft wirft ihnen versuchten Landesverrat vor.

HB STUTTGART. Gegen einen 65 Jahre alten, in Südafrika lebenden Deutschen sei am Donnerstag Haftbefehl erlassen worden, weil er dringend verdächtigt werde, die versuchte Entwicklung von Atomwaffen zu fördern, teilte Generalbundesanwalt Kay Nehm in Karlsruhe mit. Der Haftbefehl sei gegen Kaution außer Vollzug gesetzt worden.

Der Mann soll im Jahr 2001 den Auftrag eines internationalen illegalen Beschaffungsnetzwerks in Dubai zum Bau eines Rohrwerks für Gas-Ultrazentrifugen (GUZ) zur Anreicherung von Uran an ein südafrikanisches Unternehmen vermittelt haben. Das Netzwerk habe im Auftrag Libyens gehandelt. Dafür habe er eine Provision von einer Million Euro erhalten. In Libyen sei das Rohrwerk jedoch nie angekommen.

Die unter anderem in Deutschland entwickelte GUZ-Technik gilt nach Nehms Angaben als Staatsgeheimnis. Deshalb sei ihr Export als Landesverrat einzustufen.

Libyen hatte seit Anfang der 80-er Jahre versucht, selbst Atomwaffen herzustellen. Im Dezember 2003 machte das Land die Pläne öffentlich und verpflichtete sich später zur Aufgabe des Atomwaffenprogramms. Bei einer Inspektion entdeckte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) waffenfähiges Uran und vollständige Zentrifugenanlagen, die über das Netzwerk in Dubai beschafft worden waren.

Welche Rolle ein 61 Jahre alter, in der Schweiz lebender Deutscher in dem Fall spiele, müsse noch geklärt werden, hieß es weiter. Seine Wohnung und der Aufenthaltsort des 65-Jährigen in Hessen seien am Mittwoch von Beamten des Bundeskriminalamts und des Zollkriminalamts durchsucht worden.

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