Halbe
Tausende demonstrieren gegen Rechtsextremismus

Im brandenburgischen Halbe haben tausende Bürger friedlich gegen Rechtsradikalismus demonstriert.

HB HALBE. Nach Angaben der Veranstalter des „Tags der Demokraten“ kamen 8 000 Menschen in den Ort, um gegen das so genannte „Heldengedenken“ von Neonazis am Vortag des Volkstrauertages zu protestieren. Der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck forderte bei der Kundgebung mehr Gegenwehr der Zivilgesellschaft. Da den Rechtsextremisten ein Aufmarsch in Halbe gerichtlich untersagt worden war, wichen sie in die benachbarte Stadt Seelow aus. Dort versammelten sich einige hundert Neonazis sowie Gegendemonstranten. Die Polizei sicherte die Veranstaltungen mit einem Großaufgebot an Einsatzkräften. Nach Angaben der Polizei verliefen beide Aktionen weitgehend friedlich.

Die Teilnehmer am „Tag der Demokraten“ bildeten eine Kette aus rund 170 Transparenten. Die Beteiligten säumten dabei Schulter an Schulter die Straße zum Waldfriedhof, der als der größte Soldatenfriedhof Deutschlands gilt. Auf den Plakaten war zu lesen: „Unsere Zukunft soll keine Fortsetzung der Vergangenheit sein“, „Nicht wegschauen – hinschauen“ oder „Nazis waren unser Unglück und dürfen es nie wieder werden“. „Die Gegenwehr muss aus der Mitte der Gesellschaft kommen“, forderte Platzeck unter dem Applaus der Teilnehmer. Wo die Bürgergesellschaft funktioniere und Kirchen, Verbände, Vereine und Bürgerinitiativen aktiv arbeiteten, hätten die Extremisten keine Chance. Zugleich sprach sich der SPD-Politiker dafür aus, die Debatte über ein Verbot der NPD fortzusetzen. „Wir können es nicht dulden, dass sich die Rechtsextremen auf Staatskosten finanzieren“, sagte er. „Wenigstens müssen wir es ihnen so schwer wie möglich machen.“

In Halbe hatte die letzte schwere Kesselschlacht des Zweiten Weltkriegs stattgefunden. In den vergangenen Jahren hatten sich hier regelmäßig Neonazis zum so genannten „Heldengedenken“ versammelt. In diesem Jahr wichen sie nach einer Entscheidung des Bundesfassungsgerichtes nach Seelow aus. Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth sprach sich wie Platzeck für eine offensive Auseinandersetzung mit Neonazis aus. „Es gibt nichts zu relativieren, man kann nicht von Einzelfällen sprechen“, sagte sie. Rechtsextremismus sei auch kein Ostproblem, sondern ein Problem in ganz Deutschland.

Viele Teilnehmer waren aus der weiteren Umgebung nach Halbe gereist. Zum ersten Mal bei einer Anti-Nazi-Demo dabei war etwa die 71-jährige Renate Westphal. Sie hatte sich entschlossen, zusammen mit weiteren 150 Menschen aus Eisenhüttenstadt anzureisen, nachdem zur 750-Jahr-Feier des Eisenhütter Stadtteils Fürstenberg entlang der Hauptstraße lauter NPD-Plakate gehangen hätten. „Es ist erschreckend, was die sich trauen“, sagte die Rentnerin. Ein paar Meter von ihr entfernt hielt ein junges Mädchen einen blauen Ballon mit einer Friedenstaube in der Hand. Um ihren Bauch baumelte ein Plakat mit der Aufschrift „Rechts ist eine Sackgasse.“

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