Halbzeit für Joachim Gauck
„Das beste Deutschland, das wir jemals hatten“

Zweieinhalb Jahre sind rum, die Hälfte der Amtszeit von Bundespräsident Joachim Gauck. Er hat die Rolle Deutschlands in der Welt zum zentralen Thema gemacht. Kritik gab es zuletzt an seinem Auftritt in Danzig.
  • 7

BerlinGab es am Anfang die Befürchtung, der große Redner Joachim Gauck hätte am Ende doch nicht so viel zu sagen wie von seinen Förderern gedacht, ist es jetzt, zur Halbzeit der fünfjährigen Amtsperiode, eher umgekehrt. Das Gedenkjahr 2014 bietet die Gelegenheit zu wichtigen Ansprachen, historischen Bezügen, Aufrufen und Mahnungen. Noch nie aber hat einer seiner Auftritte auch so viel Widerspruch und Kritik hervorgerufen wie der am 1. September auf der Danziger Westerplatte.

Nun ist es mit der Geschichtswissenschaft etwa so wie mit der Juristerei: zwei Historiker, drei Meinungen, mindestens. Aber unbestreitbar ist: Kritische Anmerkungen gab es eine ganze Menge zu Gaucks scharfen Worten aus Danzig in Richtung Moskau.

„Die Geschichte lehrt uns, dass territoriale Zugeständnisse den Appetit von Aggressoren oft nur vergrößern“, sagte Gauck zur Ukraine-Krise.

Vor allem warf man dem Bundespräsidenten das vor, was er nicht gesagt hat. Dass er zum 1. September, dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, in dessen Verlauf in der Sowjetunion 20 Millionen Menschen oder mehr getötet wurden, das Leid dieses Landes oder seiner Nachfolgestaaten nicht einmal erwähnte, das verwunderte.

In der Bevölkerung schmälert dies alles seine Beliebtheit nicht. Unbestritten hat Gauck, nach den beiden Rücktritten seiner Vorgänger Horst Köhler und Christian Wulff, das Verhältnis der Deutschen zu ihrem höchsten Staatsamt normalisiert. Sie mögen ihren Bundespräsidenten und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt.

Es hatte eine Weile gedauert, bis der frühere Chef der Stasi-Unterlagenbehörde in seinem neuen Amt als Bundespräsident angekommen war. Am 18. März 2012 war er mit großer Mehrheit gewählt worden. Er hielt gute Reden, zur Flüchtlingspolitik und zur Eurokrise, zur deutschen Schuld in Israel oder den Niederlanden – das Echo hielt sich in Grenzen.

Seite 1:

„Das beste Deutschland, das wir jemals hatten“

Seite 2:

„Das ist ein gutes Deutschland, das beste, das wir jemals hatten“

Kommentare zu " Halbzeit für Joachim Gauck: „Das beste Deutschland, das wir jemals hatten“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Rechtsradikale „Spinner“ ist doch aber mager. Ich würde denken, er hätte hier über Nationalismus und solche Strömungen in Europa Ausführungen machen sollen, und vor allem über unseren Parlamentarismus, dass wir den stärken sollen! - Wir sind eine 40-jährig geteilte, wiedervereinte Nation, in der es noch viel zu tun gibt zur „Vollendung der inneren Einheit“. Man fragt sich, wann wir die komplette Regierung ans Parlament zurückkriegen, wie es unserem Parlamentarismus entspricht? Da ist hier so viel noch wegen des Strukturwandels verändert und offen – da hatte Roman Herzog damals mehr zu unserer Regierungsstruktur sagen wollen. Herr Gauck ist offensichtlich mehr von der „Freiheitsbewegung“ bestimmt, als von der Teilung unserer Nation, wozu wir Deutschen nach dem Krieg erstaunlicherweise bereit waren, ganz anders als die Österreicher.

  • "Das beste Deutschland, das wir jemals hatten"

    Ehrlich ist der Mann ja, das muss man ihm lassen.

    Als ehemaligem DDR-Bürger kann ich diese Feststellung nachvollziehen.

  • Die Geschichte lehrt uns, dass territoriale Zugeständnisse den Appetit von Aggressoren oft nur vergrößern“, sagte Gauck zur Ukraine-Krise

    Wie die jüngste Geschichte zeigt hat Herr Gauck hier leider voll Recht.

    „Das beste Deutschland, das wir jemals hatten“

    Hier bin ich völlig anderer Meinung.
    Beim Euro wurden aus gutem Grund auch die Rahmenbedingungen, die Bestandteil des Euro sind, festgelegt. Diese wurden verletzt, übergangen und abgeschafft zum Unwohl des deutschen Volkes. Dies geschah und geschieht bis heute fortdauernd mit Einwilligung und Duldung des Bundesverfassungsorgans.
    Eine solche politische Handlungsweise wäre früher nicht möglich gewesen.

    Der Umgang mit der KALTEN PROGRESSION ist ebenfalls kennzeichnend. Jährliche automatische Steuerhöhung insbesonders der unteren und mittleren Einkommen.

    Somit kann man konstantieren:
    Das schlechteste Deutschland seit 1945 ist jetzt.

    Trotzdem einen schönen Tag noch.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%