Halbzeit für Joachim Gauck
„Das beste Deutschland, das wir jemals hatten“

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„Das ist ein gutes Deutschland, das beste, das wir jemals hatten“

Vermutlich wird man Gaucks Worte vor der Sicherheitskonferenz in München im Januar dieses Jahres als einen Wendepunkt seiner Amtszeit werten. „Eines gleich vorweg: Dies ist ein gutes Deutschland, das beste, das wir jemals hatten.“ Mit diesem Satz begann er sein Plädoyer für eine verantwortlichere Rolle Deutschlands in der Welt, keinesfalls nur militärisch, aber eben auch.

Deutsche Waffenlieferungen für die Kurden im Irak lassen sich seitdem auch mit den Worten Gaucks begründen.

Dass man seinen Appell für mehr Verantwortung immer wieder auf das militärische Engagement verkürzt, ist sicher ungerecht. Ein ebenso wichtiges Thema ist ihm die Solidarität mit Flüchtlingen und Asylbewerbern. Am 30. Juni appellierte er an die europäischen Partner, die Verantwortung angesichts der Not nicht hin- und herzuschieben.

Dies darf – ausnahmsweise – auch als Kritik an der Bundesregierung gelesen werden. Ansonsten aber legt Gauck viel Wert darauf, sich nicht auf Konfliktkurs zu Kanzlerin Angela Merkel zu begeben, sieht dafür auch keinen Anlass.

Gauck hat in den zweieinhalb Jahren rund 300 offizielle Reden gehalten und an zahlreichen Diskussionen teilgenommen. So im August 2013 vor der Bundestagswahl in Berlin. Vor Schülern fiel da der Satz, man müsse rechtsradikalen „Spinnern“ entgegen treten.

Die NPD klagte, und das Verfassungsgericht musste entscheiden. In ihrem Urteil vom 10. Juni 2014 ließen die Richter dem Amt des Bundespräsidenten eine bemerkenswerte Stärkung zukommen. „Wie der Bundespräsident seine Repräsentations- und Integrationsaufgaben mit Leben erfüllt, entscheidet der Amtsinhaber grundsätzlich selbst.“

Noch zweieinhalb Jahre hat Gauck Zeit. Ob er über eine zweite Amtszeit auch nur nachdenkt, darüber sagt er nichts.

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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Halbzeit für Joachim Gauck: „Das beste Deutschland, das wir jemals hatten“"

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  • Rechtsradikale „Spinner“ ist doch aber mager. Ich würde denken, er hätte hier über Nationalismus und solche Strömungen in Europa Ausführungen machen sollen, und vor allem über unseren Parlamentarismus, dass wir den stärken sollen! - Wir sind eine 40-jährig geteilte, wiedervereinte Nation, in der es noch viel zu tun gibt zur „Vollendung der inneren Einheit“. Man fragt sich, wann wir die komplette Regierung ans Parlament zurückkriegen, wie es unserem Parlamentarismus entspricht? Da ist hier so viel noch wegen des Strukturwandels verändert und offen – da hatte Roman Herzog damals mehr zu unserer Regierungsstruktur sagen wollen. Herr Gauck ist offensichtlich mehr von der „Freiheitsbewegung“ bestimmt, als von der Teilung unserer Nation, wozu wir Deutschen nach dem Krieg erstaunlicherweise bereit waren, ganz anders als die Österreicher.

  • "Das beste Deutschland, das wir jemals hatten"

    Ehrlich ist der Mann ja, das muss man ihm lassen.

    Als ehemaligem DDR-Bürger kann ich diese Feststellung nachvollziehen.

  • Die Geschichte lehrt uns, dass territoriale Zugeständnisse den Appetit von Aggressoren oft nur vergrößern“, sagte Gauck zur Ukraine-Krise

    Wie die jüngste Geschichte zeigt hat Herr Gauck hier leider voll Recht.

    „Das beste Deutschland, das wir jemals hatten“

    Hier bin ich völlig anderer Meinung.
    Beim Euro wurden aus gutem Grund auch die Rahmenbedingungen, die Bestandteil des Euro sind, festgelegt. Diese wurden verletzt, übergangen und abgeschafft zum Unwohl des deutschen Volkes. Dies geschah und geschieht bis heute fortdauernd mit Einwilligung und Duldung des Bundesverfassungsorgans.
    Eine solche politische Handlungsweise wäre früher nicht möglich gewesen.

    Der Umgang mit der KALTEN PROGRESSION ist ebenfalls kennzeichnend. Jährliche automatische Steuerhöhung insbesonders der unteren und mittleren Einkommen.

    Somit kann man konstantieren:
    Das schlechteste Deutschland seit 1945 ist jetzt.

    Trotzdem einen schönen Tag noch.

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