Haltung verwundert Grünen-Politiker
Trittin kritisiert Gewerkschaftsforderungen zu Atomausstieg

Der scheidende Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hat die von den Gewerkschaften IG BCE und Verdi gestützte Forderungen nach einer Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken scharf kritisiert. „Mir ist völlig unverständlich, warum sich nun ausgerechnet IG BCE und Verdi für längere Laufzeiten aussprechen.“ Damit bedienten sie lediglich das Gewinninteresse der Energiekonzerne, sagte Trittin dem Handelsblatt.

BERLIN. Die beiden Gewerkschaften hatten am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung mit den Energiekonzernen RWE, Eon, Vattenfall und EnBW an die künftige Bundesregierung appelliert, einzelne Energieträger dürften nicht aus ideologischen Gründen aufgegeben werden.

Die Haltung der beiden Gewerkschaften sei besonders verwunderlich, weil gerade die Mitglieder von IG BCE und Verdi Hauptbetroffene des Arbeitsplatzabbaus bei RWE und Eon in den vergangenen Jahren gewesen seien, sagte der Bundesumweltminister. Hoffnungen, längere Kraftwerkslaufzeiten führten zu sinkenden Strompreisen, seien völlig unbegründet. „Die Marktmacht der vier großen Energiekonzerne würde durch eine Verlängerung der Laufzeiten zementiert. Wer erwartet, dass längere Laufzeiten zu sinkenden Preisen führen, weil die Betreiber dann ihre längst abgeschriebenen Anlagen länger nutzen können, ist sehr naiv.“ Unter den jetzigen Marktbedingungen führten längere Laufzeiten lediglich zu höheren Gewinnen. „Man würde RWE, Eon, EnBW und Vattenfall förmlich Geld hinterher schmeißen“, sagte Trittin.

Auch SPD-Fraktionsvize Michael Müller erteilte Forderungen nach einer Abkehr vom Atomausstieg eine Absage: „Darüber ist mit der SPD nicht zur reden“, sagte er dem Handelsblatt. Zuvor hatte es geheißen, Union und SPD verhandelten bei ihren Koalitionsgesprächen über einer Verlängerung der Laufzeiten.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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