Hamburg-Wahl
Politologe erwartet "Katastrophe" für CDU

Sollte der Parteienforscher Ulrich von Alemann Recht behalten, wird die Hamburg-Wahl am Sonntag zum Desaster für die Union. SPD-Kandidat Scholz liegt klar vor dem unpopulären CDU-Bürgermeister Ahlhaus.
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Berlin/HamburgDer Rücktritt des populären Bürgermeisters Ole von Beust dürfte der Hamburger CDU nach Ansicht des Politologen Ulrich von Alemann ein "katastrophales Wahlergebnis" bescheren. Bei den Bürgerschaftswahlen am Sonntag rechne er mit zweistelligen Stimmverlusten der Christdemokraten, sagte der Düsseldorfer Parteienforscher. Der direkte Vergleich zwischen dem amtierenden Bürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU) und seinem Herausforderer Olaf Scholz (SPD) laufe "eindeutig" auf den Sozialdemokraten hinaus.

Nach der letzten Emnid-Umfrage kommt die SPD auf 45 Prozent, die Grünen erreichen 15 Prozent. Für die CDU votierten in der Umfrage 24 Prozent der Befragten. Die FDP würde mit fünf Prozent knapp in die Bürgerschaft einziehen. Die Linke erreicht demnach sechs Prozent.

"Beust war ein Glücksfall für die Hamburger CDU, die lange von Flügel- und Positionskämpfen geprägt war", sagte Alemann, der als Professor an der Universität Düsseldorf Politikwissenschaft lehrt. Als "Exot innerhalb der CDU" habe Beust für ein urbanes, liberales
Lebensgefühl gestanden und damit die erste schwarz-grüne Koalition auf Landesebene überhaupt erst möglich gemacht. Nach seinem Rücktritt habe dann der Absturz der CDU in der Hansestadt begonnen.

Beusts Nachfolger Ahlhaus sei dagegen nie wirklich angekommen in Hamburg und "von den Lokalpatrioten dort nicht als einer der ihren akzeptiert worden", sagte Alemann. Außerdem habe Ahlhaus im früheren Kabinett stets den konservativeren Part gespielt. "Dass er in der Koalition mit den Grünen plötzlich liberal sein sollte, hat man ihm nicht abgenommen", glaubt Alemann.

Zwar schleppe auch SPD-Spitzenkandidat Scholz einen "technokratischen Rucksack" aus seiner bisherigen politischen Laufbahn mit und sei kein Visionär oder Großbürger wie frühere SPD-Bürgermeister. "Dafür tritt er im Wahlkampf als pragmatischer, zupackender Macher auf", lobte Alemann. Zudem umwerbe der frühere SPD-Generalsekretär gezielt die Wähler der Mitte und habe sich die Unterstützung der Wirtschaft gesichert.

An eine Signalwirkung des Abstimmungsergebnisses am Sonntag für die nachfolgenden sechs Landtagswahlen im Jahr 2011 glaubt Alemann indes nicht. Der absehbare Erfolg von Rot-Grün werfe die Prognosen für andere Bundesländer "noch nicht über den Haufen". Dies gelte umso mehr, als die SPD dort zumeist "auf recht bescheidenem Niveau" stagniere, betonte Alemann. "Einen entscheidenden Effekt wird Hamburg also sicher nicht haben."

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