Hamburg-Wahl
Und Becks Stellvertreter schweigen

Strahlende Sieger sehen anders aus. Vor dem Auftritt der SPD-Spitze zur Hamburg-Wahl hat es hinter den Kulissen ganz offensichtlich heftig gekracht. Auf der Bühne wird dennoch Einigkeit demonstriert. "Wir sind auf einem richtigen, einem guten Weg", ruft Parteichef Kurt Beck in die Mikrofone. Man zwickt sich am Arm und fragt sich, ob der Film falsch synchronisiert wurde.

HB BERLIN. Kreidebleich steht Außenminister Frank-Walter Steinmeier auf der Bühne des Willy-Brandt-Hauses und verschränkt seine Arme. Auf der anderen Seite muss die Parteilinke Andrea Nahles ihren Stellvertreter-Kollegen Peer Steinbrück und Fraktionschef Peter Struck förmlich an die Hand nehmen, damit sie sich zum inszenierten Gruppenbild mit einem selbstzufriedenen Herrn stellen.

Vor dem öffentlichen Auftritt der SPD-Spitze zur Hamburg-Wahl hat es im fünften Stock der Berliner Parteizentrale ganz offensichtlich heftig gekracht. Struck und Steinbrück haben ihre Krawatten abgelegt. Der Fraktionschef blickt so mürrisch, als hätte seine BMW R1200RT einen Kolbenfresser. Der Finanzminister japst mit halboffenem Mund nach Luft. Und selbst Beck wirkt trotz dröhnender Fröhlichkeit und Fußballwitzen angespannt. In den letzten Tagen habe es "Irritationen" gegeben, sagt er: "Wenn ich einen Beitrag dazu geleistet habe, bedaure ich dies."

Das also ist der Burgfriede der SPD an diesem Wahlabend: Die prominenten SPD-Reformer vermeiden offene Angriffe auf Beck. Dafür gibt sich der Parteichef ein bisschen reumütig. Beck selbst hatte nämlich ohne Rücksichtnahme auf seinen wahlkämpfenden Parteifreund Michael Naumann und ohne Absprache mit seinen Stellvertretern sechs Tage vor dem Urnengang die Bürgerschaftswahl zu einer Art Plebiszit über den künftigen Umgang seiner Partei mit der Linkspartei gemacht. Wenn es anders nicht gehe, solle sich die hessische Landeschefin Andrea Ypsilanti halt von der Linkspartei mitwählen lassen, verkündete Beck der erstaunten Öffentlichkeit. Bis dahin hatte er stets erklärt, mit der Lafontaine-Truppe gehe im Westen der Republik gar nichts.

Am Wahlabend bleibt offen, ob die hochriskante Kehrtwende gelingt oder nicht. Wäre die SPD in Hamburg unter 32 Prozent gefallen, wäre Becks Strategie ganz offensichtlich gescheitert. Doch jene rund 34 Prozent, die der Partei in Hochrechnungen zugeschrieben werden, liegen nur geringfügig unter den Erwartungen. "Rund drei Prozentpunkte haben wir verloren durch den Gegenwind der vergangenen Wochen", schätzt der SPD-Abgeordnete Karl Lauterbach trotzdem. Der Professor sagt dies offen, und es gehört zu den Merkwürdigkeiten dieser Partei, dass Lauterbach eigentlich ein bekennender Linker ist.

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