Hamburg
Warum Schwarz-Grün platzen könnte

Schwarz-Grün in Hamburg - das ist für viele schon ausgemachte Sache. Der Grünen-Landesvorstand, unterstützt von der Bundesspitze, würde zwar gerne mit der CDU reden. Doch die Basis könnte den Plänen schon morgen einen Strich durch die Rechnung machen.

HB HAMBURG/BERLIN. Jetzt nur nichts Falsches sagen. Das weiß Hamburgs Grünen-Spitzenkandidatin und GAL-Fraktionsvorsitzende Christa Goetsch genau. Wenn es für die Partei um solch einschneidende Dinge wie die erste schwarz-grüne Koalition auf Landesebene geht, ist die Basis empfindlich, reagiert auf Ratschläge oder gar Forderungen äußerst gereizt. Dementsprechend vorsichtig formuliert sie ihre Bitte, die Grünen mögen auf der mit Spannung erwarteten Mitgliederversammlung am Donnerstag der Fraktions- und Parteispitze erlauben, der CDU-Einladung zu Sondierungsgesprächen kommenden Mittwoch zu folgen.

Sie "empfehle", in die Sondierungsgespräche zu gehen, sagt Goetsch vorsichtig. Und fügt vorsorglich an, es seien auch nur Gespräche, keine Verhandlungen. "Alles andere steht in den Sternen." Wie es bislang aussieht, muss sich Goetsch zumindest in diesem Punkt keine Sorgen machen. Sollte es jedoch ernst werden und aus unverbindlichen Sondierungsgesprächen Koalitionsverhandlungen werden, könnte die Basis den schwarz-grünen Ideen der Landes-, aber vor allem der Bundespartei ein jähes Ende bereiten.

Selbst bei der CDU ist man sich der Sache nicht ganz sicher: "Bei den Grünen ist es eine besonders spannende Frage, weil bei Mitgliederversammlungen spontane Stimmungen und Diskussionsverläufe eine größere Rolle spielen", sagt etwa CDU-Fraktionschef Bernd Reinert. "Meine Bauchvermutung ist, dass es unter den 1200 Mitgliedern überwiegend Skepsis gibt", sagt der GAL-Abgeordnete Farid Müller. Er ist auch überzeugt, dass der Verlust von einem Viertel der Stimmen zur Wahl 2004 der Debatte über Schwarz-Grün zu verdanken ist.

Die Basis ist alles andere als erfreut über die schwarz-grünen Farbenspiele. So hat mancher Wahlkämpfer in Grünen-Hochburgen wie St. Pauli oder dem Schanzenviertel mit der Schwarz-Grün-Debatte schlechte Erfahrungen gemacht und auf der Straße zu hören bekommen: "Wir wählen euch nicht, weil wir nicht genau wissen, ob ihr nicht doch Schwarz-Grün macht." Oder grundsätzlich wohlgesonnene Bürger hätten gesagt: "Diesmal wählen wir euch noch. Wenn ihr aber Schwarz-Grün macht, wählen wir euch nie wieder."

Selbst im Bezirk Altona, wo die Grünen seit 2004 mit der CDU koalieren, glaubt man nicht so recht an eine Übertragung des Modells auf Landesebene. Da seien die Streitthemen wie Schulpolitik, Innen- und Justizpolitik viel größer, sagt die Vorsitzende der GAL- Bezirksfraktion, Gesche Boelich: "Das ist weitaus schwieriger." Auch der Politikwissenschaftler Prof. Michael Greven von der Universität Hamburg sieht die Grünen in einer schwierigen Lage: "Eine Hinwendung zur CDU könnte als Bestätigung gesehen werden, sich von den Grünen abzuwenden und sich dem linken Lager zuzuwenden."

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