Hamburger Terrorprozess: Motassadeq hatte Kontovollmacht für Todespiloten

Hamburger Terrorprozess
Motassadeq hatte Kontovollmacht für Todespiloten

Nach Polizeiangaben hatte der in Hamburg als Helfer der Attentäter vom 11. September 2001 angeklagte Mounir el Motassadeq eine Kontovollmacht für einen der Todespiloten und tätigte für diesen Geldgeschäfte.

HB HAMBURG. Motassadeq habe am 4. September 2000 vom Hamburger Konto des Todespiloten Marwan al Shehhi 5 000 DM an den mutmaßlichen Cheflogistiker der Attentäter, Ramzi Binalshibh, überwiesen, sagte eine Beamtin des Bundeskriminalamtes (BKA) am Dienstag vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg. Außerdem habe er sich Geld von Al Shehhis Konto bei der Dresdner Bank auszahlen lassen. Es gebe zudem mehrere Fälle, bei denen Geld von Al Shehhis Konto abgehoben und in zeitlicher Nähe ähnliche Beträge auf das Konto von Motassadeq eingezahlt worden seien.

„Es gab auch Zahlungen von Al Shehhi an Motassadeq und Essabar“, sagte die Kriminalbeamtin. Der Verdächtige Zakariya Essabar sei offenbar ursprünglich als Ersatzpilot vorgesehen gewesen. Er ist seit August 2001 verschwunden und wird mit Haftbefehl gesucht. Den Aussagen der Ermittlerin zufolge wurde das Konto Al Shehhis immer wieder von seinem Bruder aus den Vereinigten Arabischen Emiraten aufgefüllt. Meist habe es bei größeren Abhebungen in Hamburg noch am gleichen Tag oder kurz darauf Geldtransfers in die USA gegeben. Binalshibh habe sich darum gekümmert. Das Geld sei an ein Gemeinschaftskonto in den USA gegangen, über das Al Shehhi zusammen mit dem mutmaßlichen Anführer der Todespiloten, Mohammed Atta, verfügt habe.

Es seien rund 88 000 DM aus den Vereinigten Arabischen Emiraten auf dem Konto bei der Dresdner Bank eingegangen, sagte die Ermittlerin. Insgesamt habe Al Shehhi in Hamburg über rund 152 000 DM verfügt. Auf dem Gemeinschaftskonto Attas und Al Shehhis in den USA sei ein Geldeingang von etwa 162 000 Dollar verzeichnet worden. Dazu zählten Bareinzahlungen von 37 000 Dollar und 110 000 Dollar, die ursprünglich in vier Überweisungen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten gekommen seien. Rund 82 000 Dollar seien in bar abgehoben worden, 40 000 Dollar seien an eine Flugschule gegangen.

Kurz vor den Anschlägen am 11. September 2001 hätten die Attentäter das verbliebene Geld in die Vereinigten Arabischen Emirate zurücküberwiesen, sagte die Zeugin. Für das Hamburger Konto Al Shehhis sei am 7. September 2001 ein Löschauftrag eingegangen. Am Mittwoch soll ein Ermittler über Erkenntnisse zu Motassadeqs Bekanntem Said Bahaji aussagen, der seit den Anschlägen gesucht wird.

Der Marokkaner Motassadeq war 2003 als weltweit erster Angeklagter wegen Beteiligung an den Anschlägen des 11. September in Hamburg zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil später auf. Möglicherweise entlastende Zeugenaussagen seien nicht berücksichtigt worden, hieß es in der Begründung. Nun verhandelt ein anderer Strafsenat des Oberlandesgerichtes erneut über den Fall. Bei den Anschlägen mit entführten Passagiermaschinen in New York und Washington waren fast 3000 Menschen getötet worden.

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