Hamburger Terrorprozess
Motassadeq wurde in afghanischem Lager ausgebildet

Im Prozess gegen den als Helfer der Attentäter vom 11. September 2001 angeklagten Mounir el Motassadeq sind frühere Aussagen des Angeklagten verwertet worden, nach denen er eine militärische Ausbildung in einem Lager der Extremistenorganisation El Kaida absolviert hat.

HB HAMBURG. Der Angeklagte habe im Sommer 2000 in Afghanistan den Umgang mit Waffen und Sprengstoff erlernt, berichtete ein Staatsanwalt am Dienstag vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg aus früheren Aussagen des Marokkaners. Motassadeq hatte damals drei Tage lang Fragen der Staatsanwaltschaft und des Gerichts beantwortet. Im derzeit laufenden Wiederholungsprozess hat sich der Angeklagte bislang nicht geäußert. Über die Aussage des Staatsanwaltes führt das Gericht die alten Aussagen Motassadeqs nun ein, um sie auch im neuen Prozess verwerten zu können.

Motassadeq habe ausgesagt, er sei auf Empfehlung des späteren Todespiloten Mohammed Atta in einem Hotel in Karatschi untergekommen und habe sich dann in einem Taliban-Büro für die Ausbildung angemeldet, sagte der Staatsanwalt. Dann sei er in einem Gästehaus bei Kandahar abgestiegen und später in das Lager der El Kaida gefahren, wo er drei Wochen lang mit mehreren hundert Personen ausgebildet worden sei. Die Ausbildung habe aus vier Stufen bestanden und untern anderem die Geschicklichkeit im militärischen Kampf beinhaltet. Er habe jeden Tag vier bis fünfmal mit einem Kalaschnikow-Sturmgewehr geschossen und in dem Lager täglich den mittlerweile mit internationalem Haftbefehl gesuchten mutmaßlichen Anschlagshelfer Zakariya Essabar getroffen.

Auch den Marokkaner Abdelghani Mzoudi habe er in dem Lager gesehen, berichtete der Staatsanwalt aus Motassadeqs alter Aussage. Mzoudi war im Februar 2004 in Hamburg aus Mangel an Beweisen vom Vorwurf der Beihilfe zum Mord freigesprochen worden. Die Revision ist noch beim Bundesgerichtshof anhängig. Motassadeq habe die Reise in das Ausbildungslager mit seiner Religion begründet. Nach dem Koran müsse jeder Moslem reiten, schießen und schwimmen lernen, zitierte der der Staatsanwalt den Angeklagten.

Der Vorsitzende Richter Ernst-Rainer Schudt erklärte unterdessen, er warte noch immer auf eine Antwort auf das Rechtshilfeersuchen an die USA, das er nach der Zeugenaussage des US-FBI-Agenten Matthew Walsh vor einigen Wochen gestellt hatte. „Das Gericht hat noch nichts gehört“, sagte er. Motassadeq war 2003 in Hamburg als weltweit erster Angeklagter wegen Beteiligung an den Anschlägen des 11. September 2001 zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil später auf. Möglicherweise entlastende Zeugenaussagen seien nicht berücksichtigt worden, hieß es in der Begründung. Nun verhandelt ein anderer Strafsenat des Oberlandesgerichtes erneut über den Fall. Bei den Anschlägen mit entführten Passagierflugzeugen in New York und Washington waren fast 3000 Menschen getötet worden.

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