Handelsblatt-Bankentagung: Schäuble fordert von Banken Lernfähigkeit ein

Handelsblatt-Bankentagung
Schäuble fordert von Banken Lernfähigkeit ein

Keine Entwarnung für die Banken: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble verteidigte auf der Handelsblatt-Bankentagung das deutsche Vorpreschen bei der Bankenabgabe und dem Verbot von Leerverkäufen. Zudem stellt Schäuble klare Forderungen an die Geldhäuser, damit sich die Finanzkrise nicht wiederholt.
  • 8

HB FRANKFURT. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) fand auf der Handelsblatt-Tagung "Banken im Umbruch" offene Worte: "Mutter Teresa muss nicht Vorbild für alle sein, aber es muss Vorkehrungen geben, dass sich die Märkte nicht selber zerstören." Eine strengere Regulierung des Finanzsektors sei notwendig. Die Krise sei entstanden, weil nach dem Fall des eisernen Vorhangs und dem Eintritt des Zeitalters digitalen Kommunikation viele das Ausmaß der Globalisierung falsch eingeschätzt hätten. "Jede freiheitliche Ordnung, braucht Grenzen", sagt Schäuble und fügte an: "Der Vorzug jeder freiheitlichen Ordnung ist, dass sie lernfähig ist." Der Finanzsektor müsse das nun beweisen.

"Ohne Grenzen und Regeln, die auch durchgesetzt werden, gerät der Mensch in Versuchung, durch Übermaß die freiheitliche Ordnung zu zerstören", warnte Schäuble. Daher sei eine strengere Regulierung eine notwendige Lehre aus der Krise von vor zwei Jahren.

Zugleich zeigte er aber Verständnis für die deutschen Banken. "Die Bundesregierung setzt sich dafür ein, dass die Besonderheiten des deutschen Finanzsektors bei der Einlagensicherung berücksichtigt werden", so der Finanzminister. Die Einheitlichkeit der Aufsicht von Banken, Wertpapieren und Versicherungen soll nicht aufgegeben werden. "Ich darf aber auf keinen Fall die Aufgabe der Aufsicht vollständig an die Bundesbank übergeben, dann hätte ich ein Problem mit dem demokratischen Rechtsstaat", sagte Schäuble.

"Weniger geheime Kommandosachen, mehr Austausch"

Bundesbankpräsident Axel Weber hatte zuvor unmissverständlich die Richtung vorgegeben: „Die Erhöhung der Stabilität des Systems ist kein Selbstzweck, sie ist notwendig, sie ist sogar dringend notwendig.“ Es dürfe auch nicht um Flickwerk gehen, der Damm müsse auf der gesamten Länge verstärkt werden, mahnte Weber vor der versammelten Frankfurter Finanzindustrie. Die Kosten der jüngsten Krise für Staaten und Steuerzahler seien immens gewesen. Und Weber warnt: „Dass die nächste Krise kommt ist so gut wie sicher, die Frage ist nur wann und in welchem Umfang.“

Die gescholtenen Banker zeigen sich zur Einsicht bereit, fordern von der Politik aber mehr Berechenbarkeit. Commerzbank-Chef Martin Blessing monierte: „Ein Tick mehr Abstimmung zwischen den verschiedenen Initiativen würde einfach helfen.“ Auch der Chef der DZ-Bank, Wolfgang Kirsch, mahnte angesichts der Vielzahl schärferer Regeln für die Finanzwelt, die derzeit diskutiert werden, zu besserer Koordinierung. „Der Prozess könnte etwas geordneter ablaufen. Was wir vermissen ist eine Rückmeldung“, sagte Kirsch. „Da wünscht man sich weniger geheime Kommandosachen und mehr Austausch.“

Doch Commerzbanker Blessing, dessen Bank immerhin mit Milliarden vom Staat geretteten wurde, betonte zugleich die Verantwortung seiner Branche: „Wir müssen die Banken stärker in der Realwirtschaft verankern.“ Deutsche-Bank-Vorstand Jürgen Fitschen gab auf der Handelsblatt-Tagung zu Protokoll: „Das Begehren, Stabilität zu erzeugen, wird von allen geteilt. Die Frage ist nur: Wie?“

Seite 1:

Schäuble fordert von Banken Lernfähigkeit ein

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Handelsblatt-Bankentagung: Schäuble fordert von Banken Lernfähigkeit ein"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Stabilität deutscher banken hängt an 3 Faktoren, die Schäuble auch beeinflussen kann:

    a) an einer klaren Ordnungspolitik für banken - mehr Eigenkapital, Aufklärung der Kunden über Anlegerrisiken, beschränkung von hochriskanten Hebelprodukten,

    b) einem soliden Staatshaushalt. Eine Preis- u. Wertstabilität in Deutschland u. Europa bedingt weniger Staatsschulden. Gerade die Union ist zu einer echten Sparpolitik (weniger Staatsausgaben) nicht bereit. Eine übermäßige Neuvershculdung gefährdet auch den Finanzplatz.

    c) dass sich Politiker aus dem bankengeschäft komplett heraushalten. D.h. in Sparkassenverwaltungsräten, bei Landesbanken u. bei der bundesbank keine Politiker, sondern nur noch ausgesprochenen Wirtschaftsfachleute u. banker. Dann klappt das ganze auch mit dem Geschäftsmodell und Risiken können besser eingeschätzt werden. Man lässt ja daheim seine Heizungsanlage auch nicht vom Fleischer reparieren. Das größte Unglück in Deutschland ist, dass sich berufspolitiker, Lehrer u. Rechtsanwälte (sind viel im Parlament vertreten) msßlos überschätzen u. zu Selbstkritik nicht in der Lage sind.

    ich sehe für das deutsche bankensystem (v.a. im Sparkassen- u. Landesbankenbereich) eher schwarz, da zu viel Politik auf zu wenig Geschäftsmodell stößt, was eine gefährliche Mischung für die Risikobeschränkung ist.

  • Diejenigen, die von Anderen etwas fordern, sollten erst einmal vor ihrer eigenen Türe kehren!

  • Erstaunlich dieser moraline Schäuble, der sich nicht mehr erinnern kann, wer ihm
    die illegale Parteispende zugeschoben hat, im übrigen zeigte ja die Umstellung der DM-Ost1:1 anläßlich der Wiedervereinigung, daß der Mann von Wirtschaft und Finanzen nichts versteht. Und Herr Weber verbrennt fast vor Ehrgeiz, Nachfolger von Herrn Trichet zu werden und das geht nur mit Merkels Hilfe.
    Ergo ist er nur noch Sprachrohr der Kanzlerin

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%